Warum gibt es so viele Kriege und Konflikte, die
vernachlässigt, nicht ernstgenommen oder ignoriert werden? Und kann man
dagegen überhaupt etwas tun?
Nachrichten voller Krieg und der Zwang zur Selektion
Viele Menschen würden intuitiv sagen, dass sie doch gar nicht ignoriert werden. Im Gegenteil. Die Nachrichten seien voll von Kriegen und Konflikten. Umfragen haben wiederholt gezeigt, dass im Zuge der Globalisierung die Welt als immer konfliktträchtiger wahrgenommen wird. Völlig zu Recht wird argumentiert, dass Auslandseinsätze der Bundeswehr, Anschläge, oder Flüchtlingsbewegungen doch Teil der Berichterstattung der Massenmedien seien. Für die Medien spielt dabei ganz offensichtlich der Nachrichtenwert eine Rolle. Ereignisse, die uns unmittelbar betreffen, werden bevorzugt behandelt, andere gehen unter. Also eben keine kritikwürdige Hierarchie der Toten, sondern eine notwendige Hierarchie der Information.
1912 schrieb Walther Rathenau, ermordeter Reichsaußenminister, der auch als Industrieller und Schriftsteller bekannt wurde, in seinem Buch „Zur Kritik der Zeit“ folgende Sätze:
Die Sätze mögen etwas angestaubt klingen, doch sie haben keinesfalls an Gültigkeit verloren. Man könnte also argumentieren, dass es bei mehr als 400 politischen Konflikten weltweit eine reine Überforderung ist, die zur Selektion zwingt.
Den gesamten Beitrag gibt es auf mokant.at.
Nachrichten voller Krieg und der Zwang zur Selektion
Viele Menschen würden intuitiv sagen, dass sie doch gar nicht ignoriert werden. Im Gegenteil. Die Nachrichten seien voll von Kriegen und Konflikten. Umfragen haben wiederholt gezeigt, dass im Zuge der Globalisierung die Welt als immer konfliktträchtiger wahrgenommen wird. Völlig zu Recht wird argumentiert, dass Auslandseinsätze der Bundeswehr, Anschläge, oder Flüchtlingsbewegungen doch Teil der Berichterstattung der Massenmedien seien. Für die Medien spielt dabei ganz offensichtlich der Nachrichtenwert eine Rolle. Ereignisse, die uns unmittelbar betreffen, werden bevorzugt behandelt, andere gehen unter. Also eben keine kritikwürdige Hierarchie der Toten, sondern eine notwendige Hierarchie der Information.
1912 schrieb Walther Rathenau, ermordeter Reichsaußenminister, der auch als Industrieller und Schriftsteller bekannt wurde, in seinem Buch „Zur Kritik der Zeit“ folgende Sätze:
„Täglich mindestens einmal öffnet das Welttheater seinen Vorhang, und der Abonnent des Zeitungsblatts erblickt Mord und Gewalttat, Krieg und Diplomatenränke […] ; an einem Morgen während des Frühkaffees mehr Seltsamkeiten, als seinem Ahnherrn während eines Menschenlebens beschieden waren. […] Das Beängstigende der Bilderflucht ist Ihre Geschwindigkeit und Zusammenhanglosigkeit. Bergleute sind verschüttet: flüchtige Rührung. Ein Kind mißhandelt: kurze Entrüstung. Das Luftschiff kommt: ein Moment der Aufmerksamkeit. Am Nachmittag ist alles vergessen, damit Raum und Gehirn geschaffen werde für Bestellungen, Anfragen, Übersichten. Für die Erwägung, das Erinnern, das Nachklingen bleibt keine Zeit.“
Die Sätze mögen etwas angestaubt klingen, doch sie haben keinesfalls an Gültigkeit verloren. Man könnte also argumentieren, dass es bei mehr als 400 politischen Konflikten weltweit eine reine Überforderung ist, die zur Selektion zwingt.
Den gesamten Beitrag gibt es auf mokant.at.









Um eins klarzustellen, mittlerweile sind Foreneinträge oftmals ein guter Weg ausgewogene Informationen zu erhalten bzw. Artikel sinnvoll ergänzen. Auch soll jeder Forist im Rahmen der Netiquette kommentieren und seine Empörung äußern, bis die Tastatur klemmt. Schließlich verbessert sich durch solches Feedback auch die Arbeit der Journalisten.
Doch genügt die Empörung im virtuellen Raum? Betrachtet man die Teilnehmerzahl der gestrigen Demonstration anlässlich des Anti-Kriegs-Tages am 1. September, so kommt man zu einem zwiespältigen Ergebnis. Nur einige hundert Menschen ergriffen die Gelegenheit, um ihre öffentliche Ablehnung einer Syrienintervention seitens der USA bzw. ihrer Verbündeten zu zeigen.
Doch stellt sich die Frage, ob ein Erscheinen bei solch einer Demonstration vor allem der Sache hilft, oder bloß die Organisatoren stärkt (abgesehen davon, dass mit Christian Ströbele auch ein Vertreter von Bündnis90/die Grünen dort war, zudem der Arzt Alex Rosen, stellvertretender Vorsitzender von IPPNW - Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.).
Die kurze Meldung des Focus legt Ersteres nahe. Auch das Motto der Veranstaltung ließ keinen Raum für irgendwelche ideologischen Gedankenspiele. Seine Meinung auch auf die Straße zu tragen sollte von solchen Überlegungen also nicht verhindert werden. Und keine Entschuldigung dafür sein, auf einen Beitrag zu verzichten, der die Politik zum Umdenken zwingen kann. Genauso wie Foren-Kommentare und Unterschriften bei Online-Petitionen. Ergänzen sich diese Dinge, entsteht möglicherweise tatsächlich eine öffentlich relevante Wirkung. Rein virtuelle Meinungsäußerung dagegen versandet aber oftmals in der Vielzahl von Artikeln, Petitionen und Posts. Das Haus zu verlassen erscheint also auch in der heutigen digitalen Welt noch von Bedeutung zu sein.