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Dienstag, 1. Dezember 2015

Zum Feierabendbier stört Krieg nur

Warum gibt es so viele Kriege und Konflikte, die vernachlässigt, nicht ernstgenommen oder ignoriert werden? Und kann man dagegen überhaupt etwas tun?

Nachrichten voller Krieg und der Zwang zur Selektion

Viele Menschen würden intuitiv sagen, dass sie doch gar nicht ignoriert werden. Im Gegenteil. Die Nachrichten seien voll von Kriegen und Konflikten. Umfragen haben wiederholt gezeigt, dass im Zuge der Globalisierung die Welt als immer konfliktträchtiger wahrgenommen wird. Völlig zu Recht wird argumentiert, dass Auslandseinsätze der Bundeswehr, Anschläge, oder Flüchtlingsbewegungen doch Teil der Berichterstattung der Massenmedien seien. Für die Medien spielt dabei ganz offensichtlich der Nachrichtenwert eine Rolle. Ereignisse, die uns unmittelbar betreffen, werden bevorzugt behandelt, andere gehen unter. Also eben keine kritikwürdige Hierarchie der Toten, sondern eine notwendige Hierarchie der Information.


 
 
1912 schrieb Walther Rathenau, ermordeter Reichsaußenminister, der auch als Industrieller und Schriftsteller bekannt wurde, in seinem Buch „Zur Kritik der Zeit“ folgende Sätze:

Täglich mindestens einmal öffnet das Welttheater seinen Vorhang, und der Abonnent des Zeitungsblatts erblickt Mord und Gewalttat, Krieg und Diplomatenränke […] ; an einem Morgen während des Frühkaffees mehr Seltsamkeiten, als seinem Ahnherrn während eines Menschenlebens beschieden waren. […] Das Beängstigende der Bilderflucht ist Ihre Geschwindigkeit und Zusammenhanglosigkeit. Bergleute sind verschüttet: flüchtige Rührung. Ein Kind mißhandelt: kurze Entrüstung. Das Luftschiff kommt: ein Moment der Aufmerksamkeit. Am Nachmittag ist alles vergessen, damit Raum und Gehirn geschaffen werde für Bestellungen, Anfragen, Übersichten. Für die Erwägung, das Erinnern, das Nachklingen bleibt keine Zeit.“

Die Sätze mögen etwas angestaubt klingen, doch sie haben keinesfalls an Gültigkeit verloren. Man könnte also argumentieren, dass es bei mehr als 400 politischen Konflikten weltweit eine reine Überforderung ist, die zur Selektion zwingt.

Den gesamten Beitrag gibt es auf mokant.at.

Donnerstag, 5. Februar 2015

Als würde sich die Welt auflösen

"Die Welt hat seit langer Zeit nicht mehr so viel Aufruhr erlebt. Der eingeläutete Arabische Frühling hat sich in den meisten Ländern in Konflikt und Repression verflüchtigt. Islamische Extremisten verüben Massenmorde und bedrohen Zivilisten im ganzen Nahen Osten und Teilen Asiens und Afrikas. Spannungen wie im Kalten Krieg entladen sich in der Ukraine, Höhepunkt war der Abschuss einer zivilen Maschine über dem Himmel des Landes. Manchmal scheint es, als würde sich die Welt auflösen. Viele Regierungen haben auf die Unruhen reagiert, indem sie sie kleinreden oder Menschenrechte verletzen."

...
 

So beginnt der World Report 2015 von Human Rights Watch. Eine eindrucksvolle Dokumentation aktueller Konflikte und ein wichtiges Dokument, um zu verstehen, dass eine sicherheitspolitische Strategie mehr sein muss als die Durchsetzung eigener Interessen.



Fotoessays und Video finden sich noch auf der Webseite zu den Themenkomplexen "Zwangsheirat von Minderjährigen", "Immigration" und "Kinderarbeit".

Mittwoch, 2. April 2014

Donnerstag, 28. November 2013

Artikel zur Zukunft der Landstreitkräfte




*Hauptharst

Dienstag, 8. Oktober 2013

Festung Europa und die Rolle von Frontex: Keine gute Antwort auf eine "ganz große Frage"

In einem Interview mit ZEIT ONLINE spricht der Vorsitzende des Verwaltungsrates von Frontex (European Agency for the Management of Operational Cooperation at the External Borders of the Member States of the European Union), Ralf Göbel, über die Lage an den Außengrenzen der EU und über den Umgang mit ankommenden Flüchtlingen. 

Neben der "Grundrechtestrategie" von Frontex erwähnt er die Zahl von 40.000 Menschen, die seit 2011 im Rahmen von Frontex-Einsätzen gerettet werden konnten. Demgegenüber stehen jedoch schon 2011 1.500 Menschen, die starben. Einer Studie von statewatch.org zufolge gab aufgrund der hohen Todeszahlen einen Strategiewechsel, der die Rettung von in Not geratenen Flüchtlingen regeln sollte. 

In der Studie ist jedoch von "mangelnder Klarheit" die Rede, wer letztlich bei einer Entdeckung von Flüchtlingen auf See verantwortlich ist bzw. gemacht werden kann. Frontex als angeblich nur koordinierender Akteur, oder die Behörden der Mitgliedsstaaten.

Die zahlreichen Regelungslücken sind hausgemacht. So erweckt es den Anschein, dass die Unsicherheit von der Politik bewusst in Kauf genommen wird, um die tatsächliche Klärung der Frage, wie die EU-Außengrenzen beschaffen sein sollen, welche Reformen Erstaufnahmeländer umsetzen müssen und wie die Zusammenarbeit mit Herkunfts- und Transitstaaten transparenter gemacht werden kann, aufzuschieben. Denn diese Diskussion würde unweigerlich die Frage nach der Neugestaltung des europäischen Asylsystems nach sich ziehen:

ZEIT ONLINE: Wenn Frontex aus Ihrer Sicht nichts tun kann, was könnte denn die Politik tun, um solche Dramen wie das in Lampedusa zu verhindern?

Göbel: Das ist eine ganz große Frage, auf die ich wie alle keine wirklich gute Antwort kenne. 

[...]

ZEIT ONLINE: Also finden sie nicht, dass das Dublin-II-Abkommen, nachdem Flüchtlinge nur in dem EU-Land Asyl beantragen können, dass sie als Erstes betreten, die Länder in der Mitte Europas unverhältnismäßig entlastet?
Göbel: Na, wenn das so wäre, hätten wir ja nicht fast hunderttausend Asylbewerber in Deutschland!
Die Wirkung von Frontex und die Realität der europäischen Flüchtlingspolitik beschreibt die ARTE-Reportage "Festung Europa" vom 08.10.2013:

Montag, 2. September 2013

Demo in Berlin: Nur wenige Menschen verlassen für eine politische Lösung in Syrien das Haus

In den Foren überschlagen sich die Kommentatoren mit Kritik an einem möglichen Einsatz in Syrien. In den vergangenen Tagen waren die Artikel zu Syrien meist ganz oben in der Rubrik "Meistkommentiert" zu finden. Auf freitag.de schrieb zum Beispiel die Nutzerin rechercheuse unter einem Artikel:
es gehen zur zeit immer mehr scheren immer weiter auseinander

die zwischen vernunft und wahnsinn, zwischen krieg und frieden, zwischen lügen und wahrheit, zwischen korruption und humanität ...
Auf ZEIT Online kommentiert Hirnhündin:
Es mutet schon ziemlich lächerlich an, wenn Obama suggerieren will, er wolle die Meinung des Volkes berücksichtigen, wenn es um einen neuen Angriffskrieg geht, aber dann den Kongress entscheiden lässt. Repräsentiert der Kongress denn das Volk? Oder viel mehr die Lobbyisten und eine kleine Gruppe von Kriegsgewinnlern? Nach einer Umfrage von Reuters befürworten einen Angriff in Syrien nur 9% der US-Amerikaner und 60% lehnen ihn ab. Demokratie geht anders.
Um eins klarzustellen, mittlerweile sind Foreneinträge oftmals ein guter Weg ausgewogene Informationen zu erhalten bzw. Artikel sinnvoll ergänzen. Auch soll jeder Forist im Rahmen der Netiquette kommentieren und seine Empörung äußern, bis die Tastatur klemmt. Schließlich verbessert sich durch solches Feedback auch die Arbeit der Journalisten.

Doch genügt die Empörung im virtuellen Raum? Betrachtet man die Teilnehmerzahl der gestrigen Demonstration anlässlich des Anti-Kriegs-Tages am 1. September, so kommt man zu einem zwiespältigen Ergebnis. Nur einige hundert Menschen ergriffen die Gelegenheit, um ihre öffentliche Ablehnung einer Syrienintervention seitens der USA bzw. ihrer Verbündeten zu zeigen.


Dabei wurde das Motto "Legt den Leo an die Kette" aus gegebenem Anlass geändert. Nun werden manche Leser einwenden, dass die Organisation durch überwiegend linke Gruppierungen eben einfach nicht ihrer politischen Gesinnung entspricht, teilweise auch marxistische Gruppen gegen den Krieg in Syrien aufrufen würden.

Doch stellt sich die Frage, ob ein Erscheinen bei solch einer Demonstration vor allem der Sache hilft, oder bloß die Organisatoren stärkt (abgesehen davon, dass mit Christian Ströbele auch ein Vertreter von Bündnis90/die Grünen dort war, zudem der Arzt Alex Rosen, stellvertretender Vorsitzender von IPPNW - Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.).



Die kurze Meldung des Focus legt Ersteres nahe. Auch das Motto der Veranstaltung ließ keinen Raum für irgendwelche ideologischen Gedankenspiele. Seine Meinung auch auf die Straße zu tragen sollte von solchen Überlegungen also nicht verhindert werden. Und keine Entschuldigung dafür sein, auf einen Beitrag zu verzichten, der die Politik zum Umdenken zwingen kann. Genauso wie Foren-Kommentare und Unterschriften bei Online-Petitionen. Ergänzen sich diese Dinge, entsteht möglicherweise tatsächlich eine öffentlich relevante Wirkung. Rein virtuelle Meinungsäußerung dagegen versandet aber oftmals in der Vielzahl von Artikeln, Petitionen und Posts. Das Haus zu verlassen erscheint also auch in der heutigen digitalen Welt noch von Bedeutung zu sein.

Sonntag, 16. Juni 2013

Die Vorhölle Guantanamo

Unbedingt ansehen.

Ab Min 14:46 zeigt ARTE noch bis 24.6. eine Reportage über das US-Gefangenenlager in Guantanamo. Neben den Schicksalen der Gefangenen, wird vor allem das Versagen der internationalen Politik thematisiert.

Donnerstag, 23. Mai 2013

Tödliche Deals: ZDF-Reportage beleuchtet die Welt von Rüstungsgeschäften

Nach sehr langer Pause trotzdem nur ein kurzer Post. Den Hinweis auf die folgende Reportage zu unterlassen, wäre aber eine Schande, da seit einer gefühlten Ewigkeit mal wieder eine deutsche Reportage das Problem von Rüstungsexporten thematisiert. So investigativ, wie es das schwierige Umfeld ermöglicht, versucht die Reportage Tödliche Deals die Abwicklung von Rüstungsgeschäften und die Verquickung von Wirtschaft und Politik zu zeigen.

Der Film lief ausnahmsweise nicht um halb Drei Uhr nachts, sondern am späten Abend, allerdings nicht ohne den Hinweis, man solle doch bitte bitte einschalten, Fernsehen dürfe auch manchmal unangenehm sein. Natürlich sollte es viel öfter unangenehm sein, aber das wäre dann doch eine etwas zu hohe Erwartung an das ZDF, das nach so einer Dokumentation (hier der Link zur Mediathek) seine Zuschauer wieder mit zwei Stunden Markus Lanz beruhigen muss:

Sonntag, 31. März 2013

Landgrabbing als Konfliktfaktor

Der steigende Ankauf von Nutzland in Entwicklungs- und Schwellenländern birgt große Gefahren. Eine ARTE-Doku gibt einen Einblick in ein lukratives und globales Geschäftsmodell, welches vor Ort teilweise verheerende Folgen nach sich zieht:
"Controversial land acquisitions were a key factor triggering the civil wars in Sudan, Liberia and Sierra Leone, and there is every reason to be concerned that conditions are ripe for new conflicts to occur in many other places," said Hatcher.
 [...]
Last year the International Land Coalition (ILC) estimated that the global rush for land had claimed more than 200m hectares [das achtfache Großbritanniens] between 2000 and 2010, the majority in sub-Saharan Africa.


Aus der Beschreibung des Senders:
Der Dokumentarfilm verdeutlicht, dass der Ankauf von Land ein globales Phänomen ist. In Paris, Rom und New York, in Äthiopien, Argentinien, Uruguay und Saudi-Arabien geführte Interviews mit Investoren und Regierungsvertretern geben Einblick in ein zynisches "Monopoly"-ähnliches Spiel mit dramatischen Folgen. Zu Wort kommen dabei auch Kleinbauern aus den vom Verkauf betroffenen Ländern, die oft ohne Entschädigung enteignet werden.
Weiterführende Informationen, Studien, Hintergrundberichte und Handlungsempfehlungen finden sich in diesem Papier des EED

Sonntag, 10. Februar 2013

Gesetzesvorlage: In Kanada sollen Terroristen ihre Staatsbürgerschaft verlieren

In Kanada wird zur Zeit eine Gesetzesvorlage kontrovers diskutiert, auf dessen Grundlage Bürger mit einer doppelten Staatsbürgerschaft ihre Kanadische verlieren könnten, wenn sie für bestimmte Verbrechen verurteilt würden. 

Ursprünglich ging es um "kriegerische Akte" gegen die kanadische Armee, nun sollen auch Terrorakte miteinbezogen werden. Nach dem Anschlag auf ein algerisches Gasfeld mit mutmaßlicher Beteiligung eines Kanadiers nicht mehr nur eine rein theoretische Diskussion. 


Auch an einem Terroranschlag auf einen Bus mit israelischen Touristen in Bulgarien im Juli vergangenen Jahres soll ein Mann mit kanadischem Pass beteiligt gewesen sein.

Folgender Artikel der National Post macht das Argument, dass die Staatsbürgerschaft eben eng mit Loyalität gegenüber dem Staat verknüpft sei:

If this is discrimination, it is of the most highly circumscribed kind. The only way in which dual citizens would ever run afoul of this law would be by committing crimes of such severity, and so expressly directed against the Canadian state, as to convey a profound contempt for the very thing of which they might thereby be dispossessed: their Canadian citizenship.
Doch dass eben nur manche Bürger Gefahr laufen ihre Staatsbürgerschaft zu verlieren, macht die ganze Sache rechtlich so kritisch. Genauso, was die Betrachtung der Überlegungen zur Wirkung und den Zielen des Gesetzes angeht. Denn sie legen den Schluss nahe, dass die Befürworter glauben, eine bestimmte Gruppe sei aufgrund ihrer Herkunft vermindert in der Lage oder Willens, die geforderte Loyalität zu erbringen. Ansonsten wäre das Gesetz ohne jegliche Relevanz. Ein Kommentar des Toronto Star hält dagegen:
So why then is Prime Minister Stephen Harper’s government so anxious to strip Canadian citizenship from people who hold dual citizenships, if they commit these crimes? Whatever perverse impulses motivate such people, they are Canadians, period. They have the same civil rights as any other citizen. Trying to redefine them as foreigners, as the Tories seem anxious to do, is a bizarre act of wilful denial that flies in the face of fact and natural justice.  
And Immigration Minister Jason Kenney has compounded the muddle by musing about “broadening the scope” of the bill to capture acts of terrorism as well. 
This is a knee-jerk reaction, nothing more, to embarrassing reports that a Canadian/Lebanese dual national with links to Hezbollah and few ties to Canada was involved in a terror attack on a bus in Bulgaria last year that killed the driver and five Israeli tourists.
Unabhängig von der parlamentarischen Entscheidung wird dies auch eine Frage der Rechtssprechung sein. Anfang 2012 wurde einem Terrorverdächtigen die britische Staatsbürgerschaft wieder zuerkannt, nachdem sie ihm von der Regierung per Dekret aberkannt wurde, als der Mann im Irak 2004 verhaftet, aber dann ohne Anklage wieder entlassen worden war.

Dienstag, 4. Dezember 2012

Afghanistan-Papiere: Der Charme nicht berichtenswerter Ereignisse

Die WAZ-Gruppe hat mit den sog. Afghanistan-Papieren, die von der Bundeswehr erstellten Unterrichtungen des Parlamentes von Ende 2005 bis 2012 veröffentlicht. Die Qualität ist manchmal recht bescheiden, aber ein Blick lohnt doch, allein um die Diskrepanz der Berichte zur Realität und die ungenügende Information der Bundestagsabgeordneten nachvollziehen zu können.

Die Berichte sind "VS – nur für den Dienstgebrauch“ gestempelt. Das ist die niedrigste von vier Stufen der Geheimhaltung. Dies bedeutet, es ist vollkommen klar, dass an dieser Stelle keine operativen Details oder sonstiges zu erwarten sind. Doch sind sie laut WAZ Teil der Basis, auf welcher der Verteidigungsausschuss über die deutschen Bundeswehreinsätze berät und entscheidet. Auch andere Parlamentarier, das Verteidigungsministerium und ausgewählte Bundeswehrangehörige haben einen direkten Zugang. Letztlich sollen die Parlamentarier grob über den Fortlauf der Einsätze informiert werden, mehr nicht.

Dumm nur, wenn die entscheidenden Details aber ohnehin fehlen. Zum Beispiel die Beteiligung des Kommandos Spezialkräfte, welches sich an der Terrorbekämpfungsmission Enduring Freedom beteiligte. Wie gesagt, operative Details sollten in diesen Berichten sicher nicht auftauchen. Doch das komplette Ignorieren des Einsatzes in solchen Berichten bedeutet, dass durchschnittliche Parlamentarier nicht einmal die Möglichkeit haben, den groben Rahmen eines solchen Einsatzes überhaupt abschätzen zu können. Denn standardmäßig heißt es in den Berichten:


Im Zeitraum zwischen Mitte Oktober 2005 und April 2006 werden beispielsweise ganze acht Ereignisse benannt. Die beziehen sich allesamt auf den Marine-Einsatz vor Somalia und beinhalten die Versorgung eines Frachters mit Trinkwasser, ergebnislose Kontrollen und die regelmäßig erfolgende Kommandaübergabe. Viel lieber werden Einsätze, wie die Hilfe nach dem Erdbeben in Pakistan geschildert. Denn der Briefkopf der Berichte verheißt schließlich:


Dabei wurden um diesen Zeitraum herum wohl ein Dutzend KSK-Soldaten getötet , 106 Mann im Mai des Jahres 2005 neu entsendet. Für einen robusten, offensiven und regelmäßigen Einsatz. In einem Artikel der Zeitung Neues Deutschland von 2005 heißt es:
Nach § 6 des Parlamentsbeteiligungsgesetzes (ParlBetG) hat die Regierung zwar eine Unterrichtungspflicht gegenüber dem Parlament, doch wie schon bei früheren Einsätzen von Spezialkräften ignoriert sie diese Vorgaben. Selbst die Obleute der Fraktionen kennen den genauen Auftrag und den militärischen Befehl nicht. Faktisch ist damit das KSK eine Truppe der Exekutive, auf keinen Fall aber mehr Teil einer Parlamentsarmee.
Mehr als 600 Zivilisten starben von Anfang 2005 bis Mitte Juli desselben Jahres im Rahmen von Enduring Freedom. Dies wird sich Ende des Jahres kaum verändert haben, die Bemerkung "Keine berichtenswerten Ereignisse" dürfte auch schon in den Anfangsmonaten Verwendung gefunden haben.

Dass in den Unterrichtungen der Öffentlichkeit der Bundeswehr solche Erwähnungen fehlen - geschenkt. Dass diese Erkenntnisse keinen Skandal auslösen - verständlich.

Aber verdeutlichen schon diese oberflächlichen Betrachtungen, wie wenig die Exekutive eine parlamentarische Kontrolle wünscht und vor allem, wie effektiv und allgegenwärtig sie diese versucht zu vermeiden.

Die Argumentation ist dabei lang erprobt. Mag ein Detail für sich gesehen kaum der Geheimhaltung würdig sein, so können sich in der Zusammensetzung vieler solcher Details Gefahren für die eigenen Kräfte ergeben. Diese "Mosaik-Theorie" ist das Totschlag-Argument, wenn die Veröffentlichung von laufenden Einsatzdetails gefordert wird. Die damit einhergehende Verweigerung Informationen für Abgeordnete in einem maßvollen Rahmen (der wenigstens eine gewisse Kontrolle ermöglicht) bereitzustellen, sollte aber nicht toleriert werden.

Montag, 12. November 2012

Eine goldene Zukunft ohne Gewalt ist nah! Oder?

Der Sprung in eine goldene gewaltfreie Zukunft ist nah? Der Psychologe Steven Pinker der Harvard Universität hält zumindest den stetigen Rückgang von Kriegen hin zu deren gänzlichem Verschwinden für wahrscheinlich. Stattdessen würden Sklaven-Auktionen, Schuldgefängnisse oder andere grausame Instrumente Konflikte vermeiden. Ob in Zukunft allerdings innere Unruhen und Konflikte als grundsätzlich "inakzeptabel" betrachtet und von der Weltgemeinschaft verhindert werden, dies scheint aus heutiger Sicht eine kaum hörbare Zukunftsmusik zu sein.



Ein hochgelobtes Buch mit mehr als 1.200 Seiten (erhältlich auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung) untermauert die Thesen Pinkers (Kritik gibt es daran aber auch). Vergangene Epochen waren geprägt von Anarchie statt Demokratie, Verteilungskämpfen statt Überfluss, Ohnmacht und Fatalismus statt Wissen und Einsicht. Zwar vergisst die aktuelle Gewalt nicht zu erwähnen und einzuordnen.

Doch stellt sich vielmehr die Frage: Zu was ist der Mensch heute in der Lage? Zu was benutzen Menschen den teilweise vorhandenen Überfluss und ihr Wissen? Bedeutet ein stetiger Zuwach auch eine weitere Abnahme der Gewalt? Und vor allem, was passiert, wenn mögliche Grenzen dieses Wachstums erreicht sind?

Insofern soll die Erwähnung von Pinkers Thesen zeigen, dass zum Beispiel auch mediale Aufbereitung eine Rolle in der Wahrnehmung von Gewalt spielen. Aber auch deutlich machen, dass sie keine Entschuldigung sein dürfen. Denn dazu fordern zu viele Konflikte täglich Menschenleben. Sie werden nicht verhindert, obwohl es der internationalen Gemeinschaft möglich wäre, deren Ursachen zu bearbeiten. Sie werden im Gegenteil befeuert, indem unhinterfragt kulturelle, wirtschaftliche oder soziale Barrieren akzeptiert oder aufgebaut werden.

Ein realistischer Blick auf Gewalt und deren Ursprünge tut Not, eine Postulierung einer Epoche des Friedens mag dagegen kaum dazu beitragen aktuelle Konflikte ernst zu nehmen und diese zu lösen. Vor allem weil die künftige Entwicklung keineswegs von einer Pfadabhängigkeit geprägt sein muss.

Dienstag, 23. Oktober 2012

Defining al Qaeda - zur Unterscheidung militanter islamistischer Gruppen

Allgemein wird islamistischer Terror als größte Bedrohung der internationalen Sicherheit wahrgenommen. Die Wahlen in Ägypten, die Teilung Malis, oder der anhaltende Konflikt in Pakistan: überall wird die Gefahr islamistischer Gruppen heraufbeschworen. Differenzierung tut hier Not. 

Der private Nachrichtendienst Stratfor bietet trotz des zweifelhaften Hintergrunds der Firma eine Übersicht veröffentlicht. Defining al Qaeda unterscheidet zwischen dem Netzwerk, lokalen Gruppen und regionalen Bündnissen:
The jihadist threat will persist regardless of who is elected president, so understanding the actors involved is critical. But a true understanding of those actors requires taxonomical acuity. It seems worthwhile, then, to revisit Stratfor's definitions of al Qaeda and the wider jihadist movement.
Dazu auch eine Übersicht der BBC der aktuellen Al-Qaida-Führer vom September 2012, ähnlich ein Artikel von globalsecurity.org. Auch die Seite des Al-Qaida Sanctions Committee der Vereinten Nationen bietet Informationen. Die Universität Stanford bietet mit ihrem Portal Mapping Militant Organisations die Möglichkeit länderspezifisch sich über die dort wirkenden Kräfte zu informieren.

Neben der Differenzierung und Abgrenzung einzelner islamistischer Gruppen, fehlt in der Berichterstattung zumeist die Darstellung des Konflikts zwischen radikalen und progressiven Kräften im Islam. Oft wird diese Auseinandersetzung als sekundär betrachtet, oder als Verschleierung der Gefahren des Islam.

Allerdings könnte eine tiefer gehende Beschäftigung mit diesem Thema den Blick für zukunftsgerichtete und friedliche Kräfte schärfen und dafür sorgen, dass nicht jede Wahl einer islamischen Partei als Gefahr für die internationale Sicherheit oder als Beweis der Rückschrittlichkeit des Islam wahrgenommen wird. 


Ohne die Gefahr islamistischen Terrors zu verharmlosen, bietet die Lektüre des Buches Die Kultur der Ambiguität - Eine andere Geschichte des Islam des Islamwissenschaftlers Thomas Bauer einen völlig anderen Zugang. In dem Buch wird deutlich, dass Vieldeutigkeit, Meinungsvielfalt und parallel stattfindende Diskurse das eigentliche Wesen des Islam ausmachen und die proklamierte Rückbesinnung extremistischer Gruppen eigentlich keinen Platz in der ernsthaften Auseinandersetzung mit der Genese der Religion hat.
Dies löst keine tatsächlichen Probleme des Terrorismus, schafft aber die Basis zu einem ernsthaften Dialog über religiöse Wurzeln und deren Bedeutung für die Moderne und damit ein tieferes Verständnis mit der medial allgegenwärtigen Gefahr islamischen/islamistischen Terrors.

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Kriege um Wasser als realistisches Zukunftsszenario oder bloße Panikmache?

Konflikte um Wasserressourcen gibt es schon seit vielen Jahrhunderten, Kriege wurden deswegen aber bisher kaum geführt. Zahlreiche Studien gehen davon aus, dass sich dies in naher Zukunft ändern wird. Ein Artikel des "International Relations and Security Network" der ETH Zürich widerspricht dieser These. Darin heißt es:
As Scott Moore alluded to yesterday, conflict over freshwater resources is as old as civilization itself. From the first (and only) recorded water war – between the Sumerian city-states of Lagash and Umma in 2500 BC – to the present, water-related violence has assumed a variety of forms. To cite just a few examples, it has involved water supply diversion and sabotage, strategic flooding (for military purposes), and civil unrest driven by limited access and distribution options.
Despite the dubious popularity of the water wars thesis, and the increased strain that climate change will place on water resources in the coming years, the established historical pattern of water conflict is unlikely to change. Water wars, in other words, will become no more likely in the future than they have been in the past.
Unabhängig, ob man der Argumentation des ISN-Artikels folgt, der Mangel an Trinkwasser bestimmt das Leben von Millionen Menschen. Auch wenn die These der "Water Wars" Zweifel nach sich zieht, gerade in Krisengebieten wird die Wasserversorgung immer schwieriger.

Earth water distribution
Nur etwa 3 Prozent des Wasser auf der Erde ist potentielles Trinkwasser (wikimedia)

Ein Al-Jazeera-Feature vom August diesen Jahres beschäftigt sich mit den Folgen und Gefahren der zunehmenden Wasserknappheit und stellt die Gegenposition dar:
In March, a report from the office of the US Director of National Intelligence said the risk of conflict would grow as water demand is set to outstrip sustainable current supplies by 40 per cent by 2030.

"These threats are real and they do raise serious national security concerns," Hillary Clinton, the US secretary of state, said after the report's release.

Internationally, 780 million people lack access to safe drinking water, according to the United Nations. By 2030, 47 per cent of the world’s population will be living in areas of high water stress, according to the Organisation for Economic Co-operation and Development's Environmental Outlook to 2030 report.

UN studies project that 30 nations will be water scarce in 2025, up from 20 in 1990. Eighteen of them are in the Middle East and North Africa, including Egypt, Israel, Somalia, Libya and Yemen.

Darwish bets that a battle between south and north Yemen will probably be the scene of the next water conflict, with other countries in the region following suit if the situation is not improved.
Schon vor zwei Jahren erschien hier ein Artikel, der sich mit der Frage der gestiegenen Gefahr von Kriegen um Wasser beschäftigte. Eine klare Antwort scheint es auch heute nicht zu geben. Jedoch ist davon auszugehen, dass die Privatisierung von Wasser und dessen gestiegener Wert die Konfliktwahrscheinlichkeit und vor allem die -dauer erhöhen wird. Dann könnte der Mechanismus ein ähnlicher sein, wie bei anderen seltenen, begehrten und damit wertvollen Ressourcen.

Mittwoch, 21. März 2012

Beyond Kony 2012 - Die Kampagne läuft ins Leere

Eigentlich ist dieser Blog nicht der Platz, um eine so populäre Kampagne wie Kony 2012 zu kommentieren. Das Original-Video hat mittlerweile mehr als 80 Millionen Views auf Youtube und auch die großen Medien konnten das Werk kaum ignorieren. Zurück bleibt aber ein fahler Beigeschmack, da die Rezeption beweist, wie wenig das eigentliche Thema von Interesse ist und wie wenig virales Marketing in dieser Form daran ändern kann. 

Denn gemessen an der Aufmerksamkeit um das Projekt stellt sich doch die Frage, warum zu den eigentlichen Hintergründen so wenig geschrieben wurde. Nicht den Fragen nachgegangen wurde, für welche Gräueltaten Joseph Kony wirklich verantwortlich gemacht wird, wie der Stand der Ermittlungen des Internationalen Strafgerichtshofs ist und welches Problem die Lord´s Resistance Army (LRA) aktuell darstellt.

Stattdessen in der Berichterstattung: der Macher des Videos, Jason Russell, ist zusammengebrochen. Nichtregierungsorganisationen kritisieren die Machart, andere die Verbreitungswege, nämlich Facebook und Twitter, andere, wie der Internationale Strafgerichtshof, Amnesty International, oder Human Rights Watch loben das Video ausdrücklich. Doch die Hintergründe der eigentlichen Geschichte behalten ihren üblichen Platz im kaum wahrgenommenen Nachrichtenticker. 

Hier zeigt sich, wie wenig das Video wirklich ausrichtet. Eigentlich wäre an sich nichts dabei, Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Thema zu lenken, auch mit solchen Hochglanzvideos ohne solide Fakten. Dies kann jedoch nur einen Nutzen haben, wenn ein allgemeines Bewusstsein zu dem Thema existieren würde. Dies ist aber nicht der Fall. 

Das Video weckt den Großteil der Mediennutzer aus einem tiefen Desinteresse. Es unternimmt aber keinen Versuch dieses geweckte Interesse wirklich zu nutzen (außer Action-Kits zu bestellen) und macht sich so selbst überflüssig. So kann an dieser Stelle kein Plädoyer für den Macher und die Organisation Invisible Children unternommen werden, auch wenn auf dem Papier hehre Absichten stehen mögen. Folgendes satirisches Video mit einem Ausschnitt von Charlie Brooker in der britischen Sendung 10 o´clock live kann diese Zwiespältigkeit vielleicht besser illustrieren:


An dieser Stelle der Versuch, ein paar Fakten zu den tatsächlichen Hintergründen der LRA zusammenzutragen und so vielleicht nachhaltigeren Eindruck zu hinterlassen. Zunächst, die LRA wird in Uganda selbst nicht mehr als massives Problem wahrgenommen, wie es auch in einem ZEIT-Leserartikel vom 16.03. heißt:
Fakt ist: Kony gehört vor das internationale Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Doch die sicherheitspolitischen Probleme Ugandas sind längst andere: die in Entebbe zu Forschungszwecken gelagerten, jedoch völlig ungesicherten Proben höchst gefährlicher Biostoffe wie Marburg- oder Ebolavirus zum Beispiel. Oder die ugandische Beteiligung an der Bekämpfung der Al-Shabaab-Milizen in Somalia, in deren Folge es auf das Land im Juli 2010 zwei tödliche Vergeltungsanschläge gab
Daneben gibt es enorme soziale Konflikte. Wie in anderen afrikanischen Ländern mit zu schnell wachsender Bevölkerung und korrupten, sich an der Macht festkrallenden Polit-Eliten wie zuletzt in Burundi oder Malawi gibt es auch in Uganda seit Musevenis viertem Wahlsieg im Februar 2011 immer wieder Zusammenstöße zwischen unzufriedenen Bevölkerungsgruppen und der Polizei.
Dies resultiert aus der einfachen Tatsache, dass Uganda kaum noch Operationsgebiet der LRA ist. Schon seit vielen Jahren nicht mehr. Am 13. Oktober 2005 klagte der Internationale Strafgerichtshof (ICC) Joseph Kony als LRA-Führer wegen Massenmordes, Vergewaltigung und Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten an.

Doch schon damals war völlig klar, dass der Gerichtshof in Den Haag, der über keine eigenen Polizeikräfte verfügt, kaum Chancen hat Kony ohne regionale Hilfe zu fassen. Deswegen liefen erste Aktionen der ugandischen Armee, aber auch regionaler UN-Missionen an. Auch die kongolesische Armee startete eine (zum Teil auf die LRA bezogene) Offensive.

Seit den 1980er Jahren führt die LRA ihren (zunächst ethnisch motivierten) Kampf, der aber schon lange keinen ernsthaften politischen Hintergrund hat und unbestritten der Strafverfolgung bedarf. Zwischen 2000 und 2008 gab es Friedensgespräche, doch letztlich scheiterten diese. Auch das Vorgehen der UN und regionale Militäreinsätze verhinderten das Morden nicht, im Gegenteil, in deren Zuge kam es zu schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen.

Nachdem es zwischen 2006 und Ende 2008 ruhig geblieben war, kam es wieder zu LRA-Überfällen. Im November 2009 gab es dann vermehrt Berichte über Massaker an der Zivilbevölkerung in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR). Die Lord´s Resistance Army wich aufgrund der Militäroperationen der ugandischen Armee und Blauhelm-Truppen in die ZAR aus und verübte dort Gewalttaten an Zivilisten. So viel zur Sinnhaftigkeit der geforderten Unterstützung der ugandischen Armee.



Bei einem Vorfall drangen zum Beispiel nach Angaben von Beobachtern etwa 40 bewaffnete Kämpfer in ein Dorf ein, morderten, plünderten und nahmen Gefangene. Kurze Zeit später hieß es laut der UN, dass aufgrund der Militäraktionen nur noch etwa 100 LRA-Kämpfer im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo operierten, der Rest sei eben in die Zentralafrikanische Republik vertrieben worden, darunter auch Joseph Kony.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass die multinationale Militäroperation mit der ugandischen Armee und der MONUC-Mission Vergeltungsaktionen der LRA in der DR Kongo mit mehr als tausend Toten seit Dezember 2008 provoziert hatte.

Mit Stöcken und Äxten vergewaltigten und töteten die LRA-Kämpfer (Quelle: HRW)

Im Dezember 2009 wurden dann detailliertere Berichte veröffentlicht, in denen es hieß, dass die LRA in den vorhergehenden zehn Monaten mehr als 1.200 Zivilisten in Hunderten von Überfällen töteten. In den folgenden Monaten wurde es stiller, bis Anfang 2010 sogar die Ankündigung der LRA verbreitet wurde, den bewaffneten "Kampf" (angeblich für eine Theokratie in Uganda) einstellen zu wollen.

Im März 2010 kam es wieder zu Angriffen in der DR Kongo. In den Berichten zu den zahlreichen Morden wurde aber schon darauf hingewiesen, dass die LRA-Rebellen danach wohl in den Sudan, genauer nach Darfur, geflüchtet seien. Dort töteten die Rebellen weiter. Ein weiteres Massaker mit mehr als 300 Toten wurde in dieser Zeit ebenfalls aufgedeckt, Schritte für ein anderes Vorgehen wurden aber nicht eingeleitet. 

Im Mai schließlich wurden mehr als 100 Morde öffentlich, Dutzende Kinder und Frauen wurden weiter entführt, wieder in der DR Kongo. Regionale UN-Truppen konnten die Gräueltaten offensichtlich nicht verhindern. Denn das Gebiet ist schwer zu kontrollieren und die UN-Truppen können nur unzureichenden Schutz bieten, genauso wie die reguläre Armee. In einem damaligen AP-Artikel hieß es zu einem Vorfall:
The young woman with the hacked-off lips and stitches where one ear used to be shakes her head when asked why rebels did this to her, then whispers that the attackers who came from across the river were angry because she kept crying for mercy and calling on God for help. 
Mitte Oktober 2011 boten die USA an, sich mit etwa 100 Soldaten an der LRA-Verfolgung zu beteiligen und U.S.-Präsident Barack Obama erklärte in einem Brief an den Kongress, dass die Soldaten vor allem als Ausbilder die Jagd nach Kony erfolgreich zu Ende bringen sollten. Die ganze Aktion basierte auf einem Gesetz vom Mai 2010 und nachdrücklicher politischer Lobby-Arbeit, fast zwei Jahre vor der Veröffentlichung von Kony 2012.

Doch militärische Unterstützung ist meistens 
keine abschließende Lösung. Vier Monate nach der Entsendung wurde in einem Bericht des Magazins Stars and Stripes deutlich, dass die Intervention, die Invisible Children nachdrücklich unterstützt, alleine kaum Erfolge zeigen wird:
On Tuesday, the Washington-based advocacy group Resolve released a report assessing the Obama administration’s efforts against the LRA. The group said the U.S. should invest more in early warning systems for civilians, apply more diplomatic pressure aimed at encouraging closer cooperation among the countries where the LRA operates and deploy helicopters to the region so African militaries can respond more rapidly to reported LRA attacks.
“Joseph Kony and senior LRA commanders remain a very real threat to peace and stability in central Africa, and have proven they can survive halfhearted efforts aimed at defeating them,” said Paul Ronan, Resolve’s director of advocacy. “While it’s a huge step forward, President Obama’s LRA strategy runs the risk of becoming another well-intentioned but ultimately unsuccessful effort, unless additional steps are taken immediately.”
Zwar gebe es Fortschritte und die Zahl der Kämpfer sei von einstmals mehr als 10.000 auf wenige Hundert zurückgegangen, doch diese Entwicklung zeigt sich schon seit mehreren Jahren. Außerdem hielt die LRA dies auch in der Vergangenheit nicht davon ab, Überfälle zu verüben. 

Warum die Kritik gegen die Kampagne Kony 2012 trotz des offensichtlichen schleppenden Prozesses gerechtfertigt ist, illustriert ebenfalls folgende Karte. Sie zeigt LRA-Angriffe zwischen Oktober 2008 und November 2009:


Quelle: HIU/OCHA

Der regionale Charakter ist überdeutlich, weswegen eine einseitige Projektion des Problems auf Uganda seit vielen Jahren keinen Sinn mehr macht. Aber vor allem wird sichtbar, dass die LRA ein Symptom des regionalen Konflikts ist. Die ZAR, Teile des Sudan, große Teile der DR Kongo sind Regionen mit einem massiven Sicherheitsvakuum und ohne regionale Sicherheitsarchitektur. 

Unabhängig wie viele UN-Soldaten oder U.S.-Ausbilder in der Region operieren, lässt sich eine Beendigung des LRA-Terrors nur langfristig mit einer Stützung der fragilen Staatlichkeit und dem Wiederaufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen in der Region erreichen. Trotz einiger militärischer Erfolge der ugandischen Armee wurden deshalb im Kampf gegen die LRA kaum Fortschritte erzielt. Das Centre for Research on Globalization schrieb zur U.S.-Mission:
While the pro-war filmmakers behind KONY 2012 naively call for the US military to assert its place in the conflict, an independent fact finding mission would be far more effective in assessing the seriousness of the LRA threat in the present day.
Ein Bewusstsein zu schaffen und Aufmerksamkeit zu erregen hat eine hohe Bedeutung, ohne Zweifel. Die Anerkennung der Komplexität des Kampfes gegen asymmetrische Akteure und die Interdependenz von regionalen Konflikten aber auch. Ohne diese wird die Anklage beim ICC noch lange rein formaler Natur bleiben und auch Facebook-Likes, Poster und Aufkleber werden daran nichts ändern. 

Freitag, 16. März 2012

Selbstmord von Soldaten als Kriegsfolge: Tabu für Bundeswehr und Gesellschaft

Während die US-Armee vermehrt Zahlen zu Selbstmorden ihrer Soldaten und Reserveeinheiten veröffentlicht und von den Medien vor allem Suizide von Veteranen thematisiert und mit Zahlen unterlegt werden, bietet sich in Deutschland ein gänzlich anderes Bild. Auch wenn mittlerweile etwa 300.000 Soldaten der Bundeswehr im Auslandseinsatz waren. Auch wenn die Belastungen der Soldaten offenbar ständig ansteigen und die Zahl der posttraumatischen Störungen weiter zunimmt. 

Im Folgenden der Versuch einige Zahlen zu diesem Thema darzustellen. Eine Selbstmordstatistik veröffentlicht das Bundesverteidigungsministerium zwar, doch darüber hinaus werden die psychischen und körperlichen Folgen der Kriegseinsätze eher stiefmütterlich behandelt.

Absolute Suizidzahlen im aktiven Dienst gesunken - trotzdem mehr Selbstmorde als Tote im Kampfeinsatz

Ist solch eine Aufarbeitung nicht vielleicht gerechtfertigt? Denn absolut gesehen ist die Zahl der Selbstmorde unter aktiven Soldaten deutlich gesunken, wie folgende Grafik zeigt:


Vergleicht man 1978 und 2011 so gab es im vergangenen Jahr nur ein Zehntel der Selbstmorde. Zwar ist diese Interpretation lückenhaft, berücksichtigt sie doch nicht die absolute Truppenstärke. Denn auch die ist in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gesunken:




Die Selbstmordrate ist aber tatsächlich niedriger, als noch vor einigen Jahrzehnten. Von ca. 20 bis teilweise 40 pro 100.000 Personen in den 1980er Jahren fiel sie auf 8 - 10 pro 100.000 Soldaten in den vergangenen Jahren. Damit liegt sie unter dem bundesdeutschen Schnitt von ca. 11 Suiziden pro 100.000 Einwohnern.

Festzuhalten bleibt bei diesen Zahlen aber, dass seit 2002 (und damit auch seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes) 262 Soldaten in Folge der Ausübung ihres Dienstes getötet wurden (diese Zahlen beinhalten auch Unfälle o. ä.). Im gleichen Zeitraum (2002 - 2011) nahmen sich 276 aktive Soldaten das Leben. Insgesamt jeder Fünfte im Auslandseinsatz gefallene Soldat soll Selbstmord begangen haben. Diese Zahlen sind aber eben noch kein Beleg für eine überdurchschnittliche Selbstmordrate von aktiven Bundeswehr-Soldaten. Sie beziehen sich auf eine zu kleine Gesamtmenge. Doch liefern sie zum Teil Hinweise auf die seelischen Folgen eines Krieges. Auch für vermeintlich gut ausgebildete Soldaten einer technisierten und hochgerüsteten Armee.

Kaum beachtete Kriegsfolgen

Bei der Betrachtung dieser offiziellen Zahlen wird die entscheidende Frage aber überhaupt nicht gestellt: Welche Langzeitwirkung entfalten Kriegseinsätze bei den Soldaten? Zahlen zu den Folgen der Einsätze über den Dienst hinaus gibt es jedoch keine. 

Wie in den USA, wo 20 Prozent der gesamten Selbstmorde des Landes von Veteranen verübt werden und viele dieser Suizide als Langzeitfolgen des soldatischen Dienstes gesehen werden, so liegt die Vermutung nahe, dass dies auch bei der Bundeswehr (trotz anderer Versorgungs- und Sozialstrukturen) eine Rolle spielen könnte.

Im aktuellen Wehrbericht wird das Wort Selbstmord (oder Suizid bzw. Selbsttötung) dennoch in diesem Zusammenhang kein einziges Mal erwähnt. Obwohl der Sanitätsdienst der Bundeswehr für das Jahr 2011 einen erheblichen Anstieg an traumatisierten Soldaten meldet. Demnach haben sich letztes Jahr 922 Betroffene wegen einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) nach einem Auslandseinsatz in einem Bundeswehrkrankenhaus behandeln lassen, 26% mehr als noch ein Jahr zuvor. Davon seien 759 PTBS-Erkrankte in Afghanistan im Einsatz gewesen. Die Erkrankung soll das Selbstmordrisiko deutlich erhöhen

Anzumerken ist bei diesen Zahlen, dass die Deutsche Kriegsopferfürsorge (DKOF) auf erhebliche Widersprüche bei den gemeldeten Zahlen hinweist. Zudem wird kritisiert, dass weder über Langzeitfolgen, noch über konkrete Verbesserungen bei der Nachsorge aussagekräftige Studien existieren. 

Im Januar 2010 konstatierte der damalige Wehrbeauftragte der Bundesregierung, Reinhold Robbe, angesichts der Einrichtung eines bundeswehreigenen Kompetenzzentrums: 
Was hier in Berlin geschaffen wurde, ist eine angeflanschte Abteilung beim Arbeitsmedizinischen Institut, das jetzt schon unterbesetzt ist und Probleme hat, seine eigenen Aufgaben wahrzunehmen." Benötigt werde vielmehr "ein selbstständiges Institut für die Prophylaxe, Behandlung und Nachsorge sowie insbesondere für die Erforschung von Posttraumatischen Belastungsstörungen und Posttraumatischen Verhaltens- auffälligkeiten.
Konsistente und fundierte Schlussfolgerungen erweisen sich in diesem Zusammenhang trotzdem als extrem schwierig. Zu wenig wird die Opferrolle von denen thematisiert, die sich bewusst für einen Kampfeinsatz entschieden haben. Nicht nur dem Militär, auch der Gesellschaft fällt es schwer sich damit auseinanderzusetzen. Für Deutschland mag dies zum Teil noch mehr Gültigkeit haben, als in den USA, wo das Wort Veteran kaum negative Assoziationen zu wecken vermag. 

Dabei muten die Zweifel und die oftmaligen Schwierigkeiten der Soldaten eine Anerkennung der Kriegsfolgen zu erreichen befremdlich an, gerade wenn unerwartete und belastende Einsatzbedingungen zu bewältigen sind. In einer Dissertation der FU Berlin aus dem Jahr 2011 heißt es:
Möglicherweise muss die psychische Belastung durch Auslandseinsätze im Hinblick auf das Suizidalitätsrisiko daher differenzierter bewertet werden. Auslandseinsätze mit geringerem militärischem Risiko (z.B. „Peacekeeping Missions“) schienen sich nicht als Prädiktor suizidalen Verhaltens auszuwirken, dagegen ergaben sich aber Hinweise auf eine Bedeutung einer unzureichenden Einsatzvorbereitung, sowie besonderer qualitativer Erlebnisinhalte eines Einsatzes (z.B. Erleben von Gräueltaten).
Dies bedeutet, dass in der konkreten Studie zwar keine Ergebnisse zu einer erhöhten Selbstmordrate von Veteranen vorliegen (da sie sich auch nur mit aktiven Soldaten befasst), es aber durchaus wissenschaftliche Anzeichen dafür gibt, dass die Qualität von Kriegserlebnissen das Selbstmordrisiko (gemeinsam mit sozialen Faktoren, wie Beziehungen, Beschäftigungsmöglichkeiten usw.) beeinflussen. 

Nur wenige Artikel beziehen diese Problematik auch auf ehemalige Angehörige der Bundeswehr, sprechen in diesem Zusammenhang aber von einer gewissen "Absehbarkeit", da eben die Erkenntnisse aus den USA, trotz der nicht möglichen direkten Übertragbarkeit, grundlegende Muster aufzeigen. 

Zurückhaltende Interpretationen mögen berechtigt sein, auch der bewusste Umgang mit den unterschiedlichen gesellschaftlichen Strukturen, wenn man die USA und Deutschland vergleicht, sowie die Frage nach der tatsächlichen Beschaffenheit der Kampfeinsätze. Doch schon diese kurze Annäherung macht deutlich, wie die Realität des Krieges in jedes Individuum dringt. Dort tiefe Wurzeln schlagen kann und manchmal auch unheilbare Wunden.

Mittwoch, 7. März 2012

Literatur und Informationen zum Konflikt in Berg-Karabach (Nagorny Karabach)

Einführender Überblicksartikel von Vergessene Kriege (2011):

Diskussionspapier des Zentrums für Europäische Integrationsforschung der Universität Bonn (1998):
Der Konflikt um Berg-Karabach: Grundproblematik und Lösungsperspektiven.

Arbeitspapier der Weltbank (2001):
Changing Trade Patterns after Conflict Resolution in the South Caucasus.

Arbeitspapier des Osteuropa-Instituts der FU Berlin (2005):
Die Gewalteskalation des Konflikts um Berg-Karabach – „Tragödie“ oder „Ressource“?

Beitrag aus dem OSZE-Jahrbuch des CORE-Instituts (Centre for OSCE Research) (2006): 

Der Konflikt um Berg-Karabach: Ursachen, Verhandlungsstand und Perspektiven.

Arbeitspapier der Bamberger Economic Research Group (BERG) der Universität Bamberg (2007): 
Probleme der wirtschaftlichen Entwicklung in De-facto-Staaten Abchasien, Südossetien und Berg-Karabach.

Arbeitspapier der Weltbank (2008):

Aus der Monographie Der Berg-Karabach-Konflikt (2009):

Buch der armenischen NGO International Center for Human Development (ICHD) (2010):

Arbeitspapier des Österreichischen Studienzentrums für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK) (2010):

Artikel von Neues Deutschland (2011):

Arbeitspapier der Konrad-Adenauer-Stiftung (2011):

Artikel von Neues Deutschland (2011): 

Artikel des Magazins European Circle (2011): 

Artikel von Neues Deutschland (2011): 

Arbeitspapier der britischen NGO Conciliation Resources (2011): 

Welt-Artikel über das 20-jährige Gedenken an das Massaker von Chodschali (2012):
Das Massaker, das eine Erbfeindschaft zementierte.

Übersichtsseite von euronews (2012):



70 Tote sind oft keine Meldung wert - Ereignisse aus Pakistan, Jemen und Irak als bloßes mediales Grundrauschen


Die Auslandsberichterstattung des vergangenen Wochenendes war von den Wahlen in Russland bestimmt. Von Reportagen über Webcams in den Wahllokalen, Porträts von Wladimir Putin, über die Chancen der Opposition und so weiter. Dutzende Tote im Jemen, Pakistan und dem Irak kamen nicht vor. 

Hier wird deutlich, dass die Konsumenten der Nachrichten, welche Radiowellen gleich ununterbrochen strömen, kaum mehr eine Chance haben wirklich differenzierte Informationen zu erhalten. Denn neben der reinen Menge an berichteten Ereignissen, die ungesehen über die Ticker laufen, zeigt sich eben noch ein anderes Phänomen. Die journalistische Selektion tendiert vor allem im Online-Bereich dazu, ein als wichtig identifiziertes Thema erschöpfend abzudecken. Die wichtigsten Fragen werden beantwortet, Live-Ticker suggerieren ständige höchste Ereignisdichte, ein Quiz testet das eigene Wissen und Hintergründe und Fakten sollen auch noch präsentiert werden. 


So verklumpen Nachrichten, die Berichterstattung fokussiert sich auf ein Thema. Andere Ereignisse verlieren an Aufmerksamkeit, nicht aufgrund des geringen Nachrichtenwerts, wegen fehlender Nähe, Aggression oder anderer Nachrichtenfaktoren. Sondern weil ein bestimmtes Thema übermäßige Aufmerksamkeit erfährt. Fokussierung schlägt Differenzierung.

Ein Beispiel vom vergangenen Wochenende. Die dutzenden Toten sind keine Floskel, sowohl im Jemen, Pakistan und dem Irak kam es zu verheerenden Anschlägen und massiven Kämpfen. So wurden in Pakistan am Freitag zwischen 70 und 85 Menschen getötet. 

In der Khyber-Provinz, welche zu den Stammesgebieten unter Bundesverwaltung (FATA) zählt, wurden bei einem Gefecht zwischen der pakistanischen Armee und militanten Kämpfern mindestens 33 Menschen getötet. Bei dem Angriff auf einen Checkpoint am frühen Freitagmorgen erschossen die Soldaten mindestens 23 Angreifer, sie selbst erlitten ebenfalls Verluste, zehn Soldaten wurden getötet. Verantwortlich für die Attacke war mutmaßlich die radikalislamistische Gruppe Lashkar-e-Islam.

Hbtila at en.Wikipedia

Nur kurze Zeit später und ebenfalls im Tirah-Tal wurden die Militanten selbst Ziel eines Anschlags. Bei einem Selbstmordattentat auf eine Basis der Lashkar-e-Islam wurden mindestens 23 Menschen getötet. Für den Anschlag werden die pakistanischen Taliban verantwortlich gemacht. Die Vergeltungsaktion zeigt den schärfer werdenden Konflikt der rivalisierenden Gruppen, welche im Grenzgebiet zu Afghanistan nicht nur gegen die pakistanische Armee und die Koalitionstruppen der ISAF und der Operation Enduring Freedom kämpfen, sondern auch den dortigen Handel und Schmuggel kontrollieren. 

In der benachbarten Provinz Orakzai griffen am selben Tag Kampfflugzeuge der pakistanischen Armee Verstecke militanter Kämpfer an und töteten dabei mindestens 15 Menschen. Angeblich sollen 95 Prozent des Gebietes von Militanten "gereinigt" sein, dies ist aber stark anzuzweifeln, wie auch der neuste Vorfall beweist.

Die Ereignisse verdeutlichen, dass die politischen Verhältnisse in Pakistan sich nicht beruhigen, dass die vermehrten Drohnenangriffe nichts zur notwendigen Stabilisierung der Grenzregionen beitragen können, dass die Gefahr eines gewaltsamen Umsturzes durch die Armee wächst (oder sie diesen gar nicht mehr benötigt, da sie einen selbstverständlichen Machtfaktor darstellt) und so die Atommacht Pakistan immer weniger den Anspruch ein Stabilitätsfaktor und eine Ordnungsmacht zu sein, erfüllen kann. 


Folgendes Bild  von GoogleNews zeigt, was für eine Aufmerksamkeit diese (natürlich recherchierten und berichteten) Ereignisse erfahren:


Am selben Tag geht die Berichterstattung in die Höhe, vor allem aufgrund der Meldungen der Nachrichtenagenturen. Sie laufen über den Ticker, werden online teilweise veröffentlicht, ein Tag später jedoch ist der Nachrichtenwert Null geworden. An einem Wochenende mit Wahlen in Russland und der Dominanz dieser Berichterstattung bedeutet dies auch, dass die Rezeption gegen Null geht. Die Meldung verschwindet, Hintergrundberichte werden nicht für nötig befunden und die mehr als 70 Toten gesellen sich zu den geschätzten 4.800 Menschen, die nach AFP-Angaben seit 2007 in Pakistan getötet wurden. Dabei sind mehr als 100.000 pakistanische Soldaten im Dauereinsatz, dabei ist die Khyber-Provinz eine der Hauptnachschubrouten der NATO-Truppen in Afghanistan. 

Doch ist es eben wie beim Radio. Nur eine Frequenz zum selben Zeitpunkt kann eingestellt werden, nicht immer ist das Hören bei voller Lautstärke möglich. Alles andere verschwindet ungehört im Äther oder bildet nur das Grundrauschen, welches kaum mehr wahrgenommen wird.

Im Jemen kamen am Wochenende übrigens mindestens 185 Menschen bei Anschlägen und Kämpfen ums Leben, im Irak tötete ein Attentäter am frühen Montag 27 Polizisten, insgesamt wurden dort im Februar mehr als 150 Menschen getötet, vor allem Zivilisten.