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Freitag, 25. Mai 2018

Futurism-Karikaturen: Weniger Zukunft als erhofft

Organe aus dem 3D-Drucker, autonom fahrende Boote oder eine Vergnügungsreise zum Mars - das Magazin Futurism berichtet regelmäßig "über bahnbrechende Technologien und wissenschaftliche Entdeckungen, welche die Zukunft der Menschheit stark beeinflussen werden." Die Macher wollen dabei die Leserinnen und Leser mit dem nötigen Rüstzeug für die digitale Welt versehen und "die Entwicklungen dieser transformativen Technologien zum Wohle der Menschen vorantreiben."

Wie ze.tt schrieb sind bei der künstlerischen Auseinandersetzung mit diesen Themen die Dystopien nicht weit, ja sei es fast schon Standard "von sehr düsteren Dystopien zu fantasieren". So eben auch bei Futurism auf dem hauseigenen Insta-Account. Dort kann man sich ein eigenes Bild machen.

Jedoch sind die sehr treffenden und aktuellen Karikaturen meist genauso dystopisch wie der Roman "Der Circle". Nämlich gar nicht. Diesen als Dystopie, als negativ geprägten Nicht-Ort, zu bezeichnen, verkennt, dass dort eigentlich nur schon vorhandene technologische Elemente neu zusammengesetzt werden oder leicht verbessert konsequent ihre Anwendung finden. Es ist kein Gedankenexperiment, wie sagen wir Ray Bradburys Roman Fahrenheit 451, in dem mechanische Hunde Bücher aufspüren, oder auch 1984, wo George Orwell die Konzepte des Doppeldenk oder des Neusprechs nicht komplett ausgearbeitet bzw. operationalisiert hat. Manches bleibt noch im Ungefähren, manches Symbol.

Anders bei den Karikaturen:


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Fleisch aus dem Labor: Einige Zeit wird es noch dauern. Aber trotz vieler offener Fragen, gibt es auch schon konkrete Antworten.


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Und wenn es um das Klonen von Menschen geht, stellt sich nicht unbedingt die Frage der Machbarkeit, sondern welchen Zweck das Ganze wirklich haben könnte.


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Auch auf die Frage, wie gut die MacherInnen autonomer Fahrzeuge gearbeitet haben, gab es schon Antworten aus dem Hier und Jetzt.


Die Zeichnungen sind also weniger Dystopie als vielmehr Erinnerung an die ganz realen, bald kommenden oder nicht in allzuferner Zukunft (je nachdem, in welchen Teil der Welt man blickt)liegenden Herausforderungen, welche die digitale Welt noch bereithält. In ihnen steckt weniger Zukunft als wir vielleicht hoffen.

Dienstag, 6. März 2018

Big Data und Demokratie: Recht auf ein analoges Leben?

Eric Schmidt von Google hat eine klare Meinung: "Jeder darf von jedem alles wissen." Wer mit diesem Wissen Geld verdient, kann natürlich kaum zu einem anderen Schluss kommen. Für alle anderen stellt sich die Frage, inwiefern die massenhafte Erfassung, Verarbeitung und analytische Nutzung von Daten im eigenen Interesse ist und welche Auswirkungen das für eine Demokratie nach sich ziehen kann. Fukami, Mitglied im Chaos Computer Club (CCC e.V.), kommt zu einem eindeutigen Urteil:
Schreitet diese Tendenz so voran, muss man sich über eines im Klaren sein: Menschen, die die Kontrolle über die eigene Zukunft nicht verlieren möchten, werden nicht umhin kommen, sich bereits früh in ihrem Leben angepasst und möglichst unauffällig zu verhalten. Für eine Demokratie, die von der Offenheit und der Möglichkeit zur freien Entscheidung und Entfaltung lebt, ist ein Konflikt entstanden, dem Bürger, aber genauso der Gesetzgeber mittlerweile ziemlich hilflos gegenüber zu stehen scheinen. Wenn Sie diesen Text lesen, werden Sie jedenfalls als eine der beiden folgenden Gruppen in die Geschichtsbücher eingehen: Entweder als die erste Generation, die die Kontrolle verloren hat. Oder Ihr Leben wird als museale Attraktion betrachtet, die zeigt, wie leichtsinnig damals mit personenbezogenen Daten umgegangen wurde.
Im Rahmen der Bonner Gespräche 2018 wurde das Thema mit Hinblick auf die Möglichkeiten der politischen Bildung Einfluss zu nehmen diskutiert. Denn nur wer überhaupt über das entsprechende Wissen verfügt und das Geschäftsgebaren großer Unternehmen und Interessen staatlicher Stellen Bescheid weiß, kann die aktuellen Entwicklungen zu Big Data einordnen. Im Folgenden ein paar Eindrücke der Fachtagung:
















Gemeinsam ist allen Vorträgen, dass sie keinesfalls die technologische Entwicklung an sich kritisieren, sondern eine aktive Mitgestaltung der Gesellschaft fordern. Diese Forderungen gehen dabei über das simple "Die Politik ist in der Pflicht" hinaus, da Regulierung immer (oder meistens) erst im Nachhinein erfolgen kann. Genauso wenig sollen Politik und Verwaltung aber aus der Pflicht entlassen und alles auf die individuelle Ebene verlagert werden. Denn ähnlich wie beim Konsum, geraten hier die eigenen Handlungen schnell in Konflikt mit der Marktmacht von Unternehmen, mangelnden Alternativen und ganz schlicht, der eigenen Faulheit datensparsam zu leben. Denn bei dieser Frage wirken Plastikfasten, also die Vermeidung von Plastikmüll, oder der Verzicht auf Lebensmittel, die weit entfernt vom eigenen Wohnort produziert werden, wie ein Spaziergang.

Hinweis: Sobald die Videos der Veranstaltungsdoku online sind, wird hier der Link veröffentlicht.

Freitag, 14. April 2017

Drohnenkrieg: "... und dann jagst Du ihn in die Luft."

"Du schwebst da einfach. Du wartest bis er raus geht, um Freunde zu treffen - und jagst ihn in die Luft."



Das Drohnenprogramm der USA ist insofern allgegenwärtig als dass alle Menschen wissen, dass es existiert. Doch kaum jemand nimmt wirklich wahr, was passiert (auch wenn es Versuche gibt das zu dokumentieren) und macht sich bewusst, dass die USA nicht der einzige Staat sind, der Drohnen militärisch nutzt. Im Gegenteil. Dennoch sind Ausmaß und Reichweite des US-Drohneneinsatzes (noch) beispiellos.

Der Dokumentarfilm National Bird begleitet Menschen, die entschlossen sind, das Schweigen über eine der umstrittensten militärischen Maßnahmen der jüngeren Zeit - den geheimen Drohnenkrieg der USA - zu brechen.

Sonntag, 26. Juni 2016

Überwachung als akzeptierter Status Quo


Die Menschen hätten Überwachung als selbstverständlich akzeptiert, meint der F-Secure Sicherheitsexperte. Nun werde eben mehr verschlüsselt. Aufschlussreich ist auch Hypponens Meinung zur Apple-FBI-Auseinandersetzung. Völlig zurecht stellt er heraus, dass die Gesellschaft ein Interesse daran hat, dass Sicherheitsbehörden Zugriff auf Daten von Terroristen erhalten. Er macht aber deutlich, dass der Hack des FBI nun bedeutet, dass davon potentiell alle iPhone-Nutzer betroffen sind. Die Analogie zur Hausdurchsuchung passt hier nicht (im Sinne: Polizei oder Sicherheitskräfte haben ja auch potentiell jederzeit Zugriff auf das eigene Zuhause, richterliche Erlaubnis vorausgesetzt. Das ist Ausdruck des Gewaltmonopols), da der Aufwand, die Reichweite und die Möglichkeiten der Kontrolle im digitalen Raum deutlich geringer sind. Hier ist auch immer zu bedenken, dass die Verlagerung ins Virtuelle ja erst am Anfang steht. Ohne politisch vorgegebenen Rahmen ist es auch für Sicherheitsbehörden undankbar in einem solch unregulierten Raum zu agieren. Auch sie müssen ein Interesse daran haben, dass Befugnisse und deren Grenzen klar sind und effektive Kontrollmechanismen implementiert werden.

Warum die USA als "wohlmeinender Diktator" noch das kleinere Übel sind, was Cybersicherheit heute leisten kann - und was nicht und wie Bankentrojaner auf der ISS landen -  das gesamte Interview mit Hypponen gibt es hier.

Mittwoch, 8. Juni 2016

NSA in Deutschland: Der Spion, der in die Kälte kam

Pack your bags. We're going on an adventure! Over the next few weeks, the SID Today page will feature SIGINT stories from your fellow employees from all over the world! It's unbelievable where SIGINT can take you. Keep logging on to the SID Today page and find out! 

So beginnt der SIDtoday-Newsletter vom 06. März 2003. SIDtoday ist der interne Newsletter der NSA. Viele Ausgaben wurden nach und nach via theintercept.com veröffentlicht. Neben Informationen zu neuen Tools und Personalien, gibt der Newsletter auch einen Einblick in das Selbstverständnis und die Arbeitsweise der NSA. Und natürlich stellt man - wie immer in solchen Kontexten - fest: Ups, auch bei NSA-Angestellten handelt es sich ja um normale Menschen. Menschen mit Wünschen, mit Familien und Kindern und mit Hobbies. 

Screenshot von theintercept.com

Hier ein Bericht eines Mitarbeiters (Namen werden keine genannt und grundsätzlich gilt für alle Artikel: "SIDtoday articles may not be republished or reposted outside NSANet without the consent of S0121 (DL sid comms)."), der in Deutschland Dienst tat. Genauer im European Technical Center der NSA in Wiesbaden. Er koordinierte dort die "technische Unterstützung" mit externen Akteuren in Europa und dem Nahen Osten. Seine Frau tat praktischerweise Dienst bei der NSA in Darmstadt. Die Kinder gingen in eine Schule getragen vom Verteidigungsministerium. Auch das Arbeitsklima war super: 

For a career Intelligence and Language Analyst, the most interesting and rewarding aspects of working at ETC were exposure to the engineering work that NSA does and to the superb group of people who carry it out. It was a pleasure, indeed, even an inspiration, to deal with the technical personnel who put SIGINT and related systems in place, to witness their expertise, and to gain greater awareness of technical support, maintenance, and logistics problems. The engineering and logistics friends I made in Wiesbaden are ones I would likely not have met in my regular career field back home, and I learned a lot from them.

Die Leute der Signals Intelligence, also der Fernmelde- und der elektronischen Aufklärung scheinen also nette Kolleginnen und Kollegen zu sein. Doch was wäre die Arbeit ohne den entsprechenden Freizeitausgleich? Auch hier ist Deutschland erste Wahl. Zentral gelegen, berichtet der Mitarbeiter, seien Reisen in ganz Europa kein Problem. Frankreich, Belgien, die Schweiz - alles nur ein paar Stunden Autofahrt. Speziell der Wintersport scheint es dem "Spion" angetan haben. Die Alpen sind ja auch nur "drei bis sieben Stunden" entfernt und auch in Tschechien, Ungarn, Slovenien, Kroatien und Italien gäbe es Berge, die leicht zu erreichen seien. Fliegen ist natürlich auch kein Problem von Frankfurt aus, "including low-cost air travel to many European destinations."

Neben der Spionagetätigkeit war offenbar auch genug Zeit für kulturelles Programm: 

It was a thrill to be able to visit sites of historical and cultural significance during our tour, and living in Germany has marked our children with a considerable appreciation for European history and culture. 

Auch landschaftlich hat die Rheinregion zwischen Wiesbaden und Koblenz einiges zu bieten und es ist leicht "German life" in sich aufzunehmen, besonders natürlich "gastronomic pleasures".  Guten Weißwein gibt es, der Rheingau, Rheinhessen und das Mosel-Gebiet laden zum Probieren ein: "Even lesser-known wine regions, like Franconia, are within reach." Die Küche ist wie beschrieben auch ein Highlight, "I have not had a bad German meal yet", schreibt der NSA-Mitarbeiter. Besonders Spargel habe es ihm angetan.  

Fazit:  

Working and living in the field is a great experience, and working at ETC and living in Germany was no exception. I'd do it again.

Nun soll der Ton hier nicht zu herablassend wirken. Zunächst ist ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin eines Nachrichtendienstes eben erst einmal nur ein Angestellter des Staates und diesem verpflichtet. Teil des Öffentlichen Dienstes also. Gepaart mit solch massiven strukturellen Problemen und Kontrolldefiziten wie bei der NSA ist es aber doch schwer zu vermeiden, diese netten Plaudereien, welche in der Form einer langen Urlaubspostkarte bei den NSA-Kolleginnen und -Kollegen ankommen, nicht doch aufs Korn zu nehmen. Denn sowohl der rechtliche Status, als auch die politischen Implikationen der nachrichtendienstlichen Tätigkeit auf dem Boden eines verbündeten Staates verleihen den Empfehlungen für die Arbeit in Deutschland dann doch eine unfreiwillige Komik.

Dienstag, 3. Mai 2016

Kontrolle von Geheimdiensten: Symbol des Versagens

1457 Anträge im Jahr 2015 - 1457 Genehmigungen: Der Foreign Surveillance Intelligence Court (FISC) muss formal Abhörersuchen überprüfen und genehmigen. Formal ist hier das entscheidende Wort, denn die Ablehnungsquote liegt seit der Gründung bei 0,03 Prozent. Von mehr als 35.000 Vorlagen wurden nur ein paar Handvoll zurückgewiesen.

Der FISC soll die Aktivitäten der der US-Geheimdienste, also z.B. der NSA und des FBI im Ausland kontrollieren. Beispielsweise wenn Telefone abgehöret oder E-Mails abgegriffen werden.

Der FISC ist damit ein Symbol, wie schlecht die Kontrolle durch Parlamente, Ausschüsse oder Gerichte funktioniert, wenn diese nicht entsprechend ausgestattet sind, um eine effektive Überprüfung zu gewährleisten und dies vor allem politisch weder erwünscht ist, geschweige denn gefördert wird. So handelt es sich schlicht um ein demokratisches Feigenblatt.

Im Umgang mit dieser Tatsache zeigt sich auch eine gewisse Hilflosigkeit. Wissenschaftler oder Aktivisten müssen einsehen, dass die Stellung, Struktur und Aufgaben der Geheimdienste gepaart mit der institutionellen Ausgestaltung dieses Bereiches Reformen extrem schwierig, wenn nicht gar unmöglich machen, um eine effektive Kontrolle zu ermöglichen. 

Sonntag, 28. Dezember 2014

tagesschau.de: Wer fragt, bleibt dumm

Es ist natürlich nichts Neues Fragezeichen in Artikelüberschriften zu packen, davon weiß auch der Autor einiges zu erzählen. Die erste Regel ist dabei ja eigentlich, die selbst gestellte Frage zu beantworten. Zumeist geschieht das nicht, da ja das Fragezeichen eher auf die Angst vor einer zu klaren Positionierung hindeutet. Doch man es kann auch übertreiben, wie tagesschau.de in einem Artikel vom Samstag zeigte:

 Quelle: Screenshot tagesschau.de

Die Angaben zu den Toten im Mittelmeer schwanken, im Artikel selbst ist von 3.000 ertrunkenen Menschen im Jahr 2014 die Rede. Wenn man nun schon die Formulierung "Massengrab" benutzen will, dann legt ein Blick auf Wikipedia nahe, dass bereits "mehrere bis viele Menschen" die Benutzung des Worts rechtfertigen. Im Duden steht als Definition eine "große Zahl von Menschen". Das Fragezeichen ist also nicht nur falsch, sondern es suggeriert darüber hinaus, dass es sich um eine noch ungeklärte Frage handle. Das Gegenteil ist der Fall.

Unfreiwillig komisch können Artikel sein, die durch ihre bloße Anordnung ungewollte Bezüge herstellen. Hier ein kleines Beispiel von tagesschau.de:

 Quelle: Screenshot tagesschau.de

Der oben stehende Bericht von der #31c3 beschäftigt sich mit der Tatsache, dass Handys offenbar ohne weiteres gehackt und so geortet und kontrolliert werden können. Eigentlich ein Vorgang, der große Empörung und den Ruf nach besserer Sicherheit von technischen Geräten hervorrufen sollte. Doch wir Verbraucher sind eben anders gestrickt. "Mein Handy kann abgehört werden? Hmm, ja schon schlimm, aber schau mal, hier sind die Technik-Highlights 2015, sind die nicht extrem cool?"

Donnerstag, 17. Juli 2014

Totale Kontrolle der Bevölkerung: Realität? Dystopie? Verschwörungstheorie?


Der Hintergrund ist ein wenig ernster, als der Tweet es nahe legt. Gleichzeitig läuft man bei der Erörterung solcher Themen immer Gefahr, sich in ungerechtfertigte und viel zu negative Dystopie-Szenarien zu stürzen. Oder Verschwörungstheoretikern neue Nahrung zu liefern. 

Wie real ist also die Gefahr der Überwachung? Wie sehr muss eine einzelne Person einen Eingriff ins Privatleben fürchten?

Fakt ist: die gegenwärtige Anstrengungen von Nachrichtendiensten, in diesem Fall des britischen GCHQ, richten sich offensichtlich nicht mehr nur auf die Abwehr von Spionage und die Verhinderung von Terrorismus. Sondern sie haben die Kontrolle und Manipulation der Öffentlichkeit, also der eigenen Bevölkerung und der Bürger anderer Staaten, zum Ziel.

Nach den neuesten Enthüllungen scheinen die zur Verfügung stehenden Werkzeuge laut The Intercept schon recht ausdifferenziert zu sein:
- Veränderung/Beeinflussung von Online-Umfragen (Codename: UNDERPASS)

- Unterstützung von Online-Kampagnen mit Massenmailings (BADGER) und Massen-SMS (WARPARTH)

- Störung von Video-Portalen mit "extremistischen" Inhalten (SILVERLORD)

- Komplettüberwachung von Skype (MINIATURE HERO)

- Zugang zu privaten Photos von Zielen auf Facebook (SPRING BISHOP)

- Tools, um Zugang zu Accounts auf Rechnern komplett zu verhindern (ANGRY PIRATE)


- Überlastung von Webseiten (GATEWAY) und Manipulation von Nutzerzahlen (SLIPSTREAM) 

- "Verstärkung" von Botschaften auf Video- oder Multimediaportalen (GESTATOR)

- Angriff auf Webserver, um diese unerreichbar zu machen (PREDATORS FACE/ROLLING THUNDER)

- Überwachung von Ebay (ELATE)

- Kapern von Email-Adressen und Übernahme einer Identität, d.h. beispielsweise Versenden von Emails mit der gekaperten Identität (CHANGELING)

- Manipulation von Telefonaten, wie Umleitung, Zwischenschaltung u.ä. (IMPERIAL BARGE)
Dies ist zumindest die Liste, die The Intercept auf Basis von Snowden-Dokumenten veröffentlicht hat. Alle aufgeführten Programme sind bereits einsatzbereit, oder kurz vor der Fertigstellung. Passend dazu auch die Aussage des ehemaligen hochrangigen NSA-Mitarbeiters William Binney: "Das Ziel der NSA ist die totale Kontrolle der Bevölkerung."

Wer sich von staatlicher Seite nicht bedroht fühlt, muss zumindest anerkennen, dass solche oder ähnliche Werkzeuge auch anderen Akteuren zur Verfügung stehen. Der bekannte und anerkannte Hacker und Sicherheitsexperte Felix Lindner sagte in diesem Zusammenhang: "Alles was man braucht, sind drei Hacker mit fragwürdigen moralischen Vorstellungen und ein bisschen Geld."

Die ARD sendete in den vergangenen zwei Wochen zwei Dokumentationen zum Thema. In "Zugriff! Wenn das Netz zum Gegner wird" wird zwar auf recht plakative, aber doch realitätsnahe Weise, das Leben des Journalisten Peter Onneken komplett auf den Kopf gestellt. In der Reportage "Im Visier der Hacker - Wie gefährlich wird das Netz?" wird der Tod des US-Journalisten Michael Hastings untersucht und der Frage nachgegangen, ob sein Wagen, mit dem er tödlich verunglückte, Opfer eines Hackerangriffs wurde.  

Mittwoch, 16. April 2014

Wer braucht heute noch Bomben? Ein Laptop reicht..



Samstag, 21. September 2013

Wettrüsten auf den digitalen Schlachtfeldern der Zukunft längst in vollem Gange

An dieser Stelle ein Hinweis auf eine Reportage des ZDF-Formats Zoom mit dem Titel "World Wide War" von vergangener Woche. Sie beschäftigt sich vor allem mit Fragen der Privatsphäre und der Wirtschaftsspionage, liefert aber auch einen kleinen interessanten Eindruck vom Cyberwarfare, dem Krieg auf dem digitalen Schlachtfeld der kommenden Jahrzehnte:

"Wir sagen Ihnen nicht alles, was wir machen oder wie wir es machen – aber jetzt wissen Sie es." Das waren die Worte des Chefs des US-Geheimdienstes NSA, Keith Alexander, an die deutsche Öffentlichkeit Mitte Juli diesen Jahres. Zu diesem Zeitpunkt war seit etwa sechs Wochen durch Edward Snowden bekannt, dass die NSA weltweit Telefone und Internetverbindungen überwacht.

Der ehemalige NSA- und CIA-Chef Michael Hayden sieht die Welt bereits im Cyberkrieg: "Es geht schon darum, Systeme zu stören; und die nächste Stufe ist, etwas zu zerstören, also Computersysteme zu übernehmen, nicht um sie lahmzulegen, sondern um mit ihnen kritische Infrastruktur zu zerstören." Der Vordenker der chinesischen Cyberkriegs-Strategie, Wang Xiadong droht den USA: "Das Land, das den Cyberkrieg verliert, würde vollständig erobert. Es gäbe keine vertraulichen Informationen mehr, keine Militär-, Finanz- oder Wirtschaftsgeheimisse. Der Sieger weiß alles, was du vorhast. Wir werden nicht zulassen, dass es nur noch eine dominierende Nation in der Welt gibt, die der Menschheit ihre Regeln aufzwingt und außer Kontrolle gerät." 
Dass diese Auseinandersetzung in der Sicherheitspolitik schon längst an Relevanz gewonnen hat, zeigt z.B. ein Blick auf den Intelligence-Ausschuss des US-Repräsentantenhauses. Dort wird von einer ständigen Bedrohung durch chinesische, iranische und russische Hacker ausgegangen, dabei sind offenbar die USA selbst zu einem großen Teil ein Urheber des digitalen Wettrüstens, wie es in einem Artikel von golem.de heißt:
Eine Geheimdienstquelle sagte dem Guardian, dass die Beschwerden der USA über Cyberangriffe des neuen Hauptrivalen China heuchlerisch seien. "Wir hacken überall und jeden. Wir möchten, dass ein Unterschied zwischen uns und den anderen gemacht wird. Aber wir sind in fast jedem Land der Welt aktiv." Die USA liebten es, China international öffentlich bloßzustellen für etwas, "das wir jeden Tag tun."
Mehr als 80.000 Rechner sollen für mögliche Angriffe präventiv infiziert worden sein. Die ZDF-Reportage auf Youtube:



Der anschließende Google-Hangout zur Sendung: