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Dienstag, 18. Februar 2020

Überwachungskapitalismus: It's really this generation's 'Das Kapital'


Die Sozialwissenschaftlerin Shoshana Zuboff stellt viele Fragen. Grundlegende Fragen

"Erhebungen und Analysen von Daten verändern die Funktionsweise von Wirtschaft. Aber sind diese Veränderungen so grundlegend, dass sie zur Entstehung einer neuen Form des Kapitalismus geführt haben – dem Überwachungskapitalismus? 

Wenn das Verhalten von Menschen immer transparenter wird, welche Bedeutung kommt Vertrauen dann zu? 

Sind Individuen nur ein Anhängsel der digitalen Maschine, Objekte neuer Mechanismen, die nach den Bestimmungen des Privatkapitals belohnen und bestrafen? 

Wie wirkt sich der soziale Zusammenhalt aus, wenn Menschen als Arbeitskräfte überflüssig werden, während ihre Daten weiterhin als Wert-Quelle in lukrativen neuen Märkten fungieren, die mit Prognosen des menschlichen Verhaltens handeln? 

Wie können wir das kontrollieren, was wir noch nicht verstehen?"

Und versucht sich einige Antworten hinsichtlich der Zukunft des Menschen als Individuum und der Gesellschaft an sich zu formulieren: 


Freitag, 25. Mai 2018

Futurism-Karikaturen: Weniger Zukunft als erhofft

Organe aus dem 3D-Drucker, autonom fahrende Boote oder eine Vergnügungsreise zum Mars - das Magazin Futurism berichtet regelmäßig "über bahnbrechende Technologien und wissenschaftliche Entdeckungen, welche die Zukunft der Menschheit stark beeinflussen werden." Die Macher wollen dabei die Leserinnen und Leser mit dem nötigen Rüstzeug für die digitale Welt versehen und "die Entwicklungen dieser transformativen Technologien zum Wohle der Menschen vorantreiben."

Wie ze.tt schrieb sind bei der künstlerischen Auseinandersetzung mit diesen Themen die Dystopien nicht weit, ja sei es fast schon Standard "von sehr düsteren Dystopien zu fantasieren". So eben auch bei Futurism auf dem hauseigenen Insta-Account. Dort kann man sich ein eigenes Bild machen.

Jedoch sind die sehr treffenden und aktuellen Karikaturen meist genauso dystopisch wie der Roman "Der Circle". Nämlich gar nicht. Diesen als Dystopie, als negativ geprägten Nicht-Ort, zu bezeichnen, verkennt, dass dort eigentlich nur schon vorhandene technologische Elemente neu zusammengesetzt werden oder leicht verbessert konsequent ihre Anwendung finden. Es ist kein Gedankenexperiment, wie sagen wir Ray Bradburys Roman Fahrenheit 451, in dem mechanische Hunde Bücher aufspüren, oder auch 1984, wo George Orwell die Konzepte des Doppeldenk oder des Neusprechs nicht komplett ausgearbeitet bzw. operationalisiert hat. Manches bleibt noch im Ungefähren, manches Symbol.

Anders bei den Karikaturen:


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Fleisch aus dem Labor: Einige Zeit wird es noch dauern. Aber trotz vieler offener Fragen, gibt es auch schon konkrete Antworten.


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Und wenn es um das Klonen von Menschen geht, stellt sich nicht unbedingt die Frage der Machbarkeit, sondern welchen Zweck das Ganze wirklich haben könnte.


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Auch auf die Frage, wie gut die MacherInnen autonomer Fahrzeuge gearbeitet haben, gab es schon Antworten aus dem Hier und Jetzt.


Die Zeichnungen sind also weniger Dystopie als vielmehr Erinnerung an die ganz realen, bald kommenden oder nicht in allzuferner Zukunft (je nachdem, in welchen Teil der Welt man blickt)liegenden Herausforderungen, welche die digitale Welt noch bereithält. In ihnen steckt weniger Zukunft als wir vielleicht hoffen.

Freitag, 27. April 2018

Das Märchen vom kritischen digitalen Konsum

Der sogenannte Datenskandal bei und um Facebook klingt nur langsam ab. Dennoch sehen manche BeobachterInnen negative Folgen für das Unternehmen, gar eine Bedrohung der Existenz. Denn 90 Prozent der Menschen trauen Facebook nicht, jedoch: "Persönliche Konsequenzen ziehen daraus aber nur wenige Nutzer: Gerade einmal 2 Prozent der befragten Internetnutzer nutzen Facebook aufgrund des Datenskandals gar nicht mehr, 12 Prozent gaben an, die Nutzung von Facebook einzuschränken. 27 Prozent wollen das Netzwerk unverändert weiter nutzen, 59 Prozent der befragten Internetnutzer nutzen Facebook ohnehin nicht." Echte wirtschaftliche Konsequenzen sind also nicht in Sicht. Woher ich das weiß? Von einer Google-Suche.

In diesem einen Absatz zeigt sich das ganze Dilemma der durchschnittlichen InternetnutzerIn: Es gibt kaum einen Ausweg aus der Datenfalle. Bedroht ist man gerade laut der öffentlichen Debatte durch Facebook, doch ist das US-Unternehmen ja nur ein Akteur der "Internet Big Five". Sicherlich, der oben genannte Artikel hätte sich auch mit DuckDuckGo finden lassen. Ganz ohne Datenerhebung und Tracking. Doch stellt sich anhand dieses Beispiels die ganz grundsätzliche Frage, inwiefern verantwortungsvoller und kritischer Konsum im digitalen Raum möglich ist und wenn ja, ob er wirklich etwas verändern kann - auch für andere NutzerInnen.

Quelle: Screenshot sueddeutsche.de

Volker Bernhard scheint davon überzeugt zu sein, er schrieb vor einiger Zeit für die SZ folgende Zeilen über "bewussten Konsum im Netz":

Und dann liefert das Magazin Wired in seiner jüngsten Ausgabe eine Reportage mit gewaltiger Sprengkraft: Wer danach noch bei Facebook bleibt, ist selber schuld. Vielleicht aber taugt diese Ausgangssituation dazu, um eine Parallele zwischen der zarten ersten Digitalkrise und dem damaligen Bio-Erwachen zu ziehen. Könnten die aktuellen Fortschritte in der Wertschätzung von Bio-Produkten nicht auch als Blaupause für eine veränderte Konsumentenethik des Digitalen dienen?
Im Anschluss daran schildert er die Entwicklung von Bio-Läden, -Siegeln und die Entstehung einer breiten Bevölkerungsschicht, die Bio-Produkte und ökologische Erzeugnisse konsumiere. Dann schlägt er die Brücke zu Posteo oder Mailbox.org. Alles gut also? Das wird schon? Es braucht eben Zeit, bis sich ein Konsum, der nicht zerstörerisch wirkt (in diesem Fall für die Privatsphäre), entwickelt?


Die NutzerInnen als Superhelden der digitalen Welt, die mit ihren Konsumentscheidungen deren Struktur und Funktionsweise verändern? Quelle: alan9187

Schaut man auf unsere Ernährung löst sich allerdings schon die Ausgangsthese in Luft auf: Je nach Statistik schwanken die Zahlen leicht, doch wir reden heute über einen Bio-Anteil an den Gesamtverkaufserlösen aus der Landwirtschaft von fünf Prozent. Bei Eiern liegt der etwas Anteil höher, bei knapp zehn Prozent. Einem Produkt, das über lange Zeit Aushängeschild und exemplarisches Beispiel für bessere Bedingungen war und heute noch ist. Und zudem mit allerlei Skandalen zu kämpfen hatte. Doch trotz "Bio-Boom" und "Öko-Lifystyle" ist die nachhaltige und ökologisch verträgliche Erzeugung von Lebensmitteln ganz offenkundig ein Nischenmarkt. Fast 50 Jahre nach der Eröffnung der ersten Bio-Läden. Außerdem ist auch in der Bio-Landwirtschaft eine Flächenkonzentration zu beobachten, Ställe werden größer, der "Output" pro Betrieb steigt und entfernen sich - auch aus wirtschaftlichen Zwängen - weit vom Demeter-Gedanken.

Bernhard träumt in seinem Artikel davon, dass Facebook in naher Zukunft "dasselbe Ansehen wie zuletzt die Drogeriekette Schlecker" genießen könnte. Ein Schmuddelimage also, das am Ende das Ende des Unternehmens bedeutete (doch das beendete natürlich weder den Preiskampf noch die schlechten Arbeitsbedingungen in der Drogeriebranche). Auch die neue Datenschutzgrundverordnung könnte das Geschäftsmodell einschränken. Doch aktuell sind dies die Schlagzeilen:


Facebook: 49 Prozent mehr Umsatz trotz Datenaffäre

Mehrzahl der deutschen Nutzer Facebook treu

Skandal! Welcher Skandal?

Vor allem geht es ja wie erwähnt nicht nur um Facebook. Die großen Spieler des Plattform-Kapitalismus haben die NutzerInnen in der digitalen Welt gemeinsam fest im Griff. Und sind bereit in jede Bresche zu springen. Ob Amazon, das mit Echo/Alexa nun aus Unternehmenssicht endlich Standortdaten erhält, oder Google, das ein Drittel der weltweiten Werbeeinnahmen im Online-Markt generiert und zu einem immer wichtigeren Partner von Behörden bei der Aufklärung von Straftaten wird - es gibt kaum ein Entkommen.

Tipps für VerbraucherInnen? "Durch Zweithandy möglichst wenig Daten preisgeben", heißt es zum Beispiel. Dies illustriert fast schon die gesamte Hilflosigkeit und fehlende politische Regulierung. Laut Bernhard gebe es aber "für die meisten Dienstleistungen großer Technologiekonzerne [...] datenschutzverträgliche Alternativen." Was fehle, seien "die Überzeugungstäter, die wie bei den Anfängen der Bioläden im Freundes- und Bekanntenkreis vielleicht etwas militant wirken, aber sachlich ihre Befürchtungen darlegen. Außerdem fehlt der digitalen Konsumentenethik ein positives Image, das Zeigefingerpädagogik in annehmbare Vorschläge verwandelt." 

Das ist schlicht nicht wahr. Es gibt keinen Cloud-Dienst, der NutzerInnen die vergleichbare Funktionalität von Google Photos bietet, sich europäischen Datenschutzregelungen unterwirft und gegen Bezahlung keine Daten erfasst. Es gibt keine Spracherkennung, die Open Source ähnlich mächtig agiert, wie die von Google, Apple oder Amazon, selbst wenn Mozilla mit "Common Voice" daran arbeitet. Und die "Überzeugungstäter" in Sachen Bio haben in 50 Jahren fünf Prozent Marktanteil erzeugt, wenn man es polemisch ausdrücken will.

So bleibt ein fader Beigeschmack bei der Diskussion um die Existenz und die Wirkungen des bewussten Konsums. So wird kritischer Konsum, wo es ihn denn tatsächlich gibt, meistens überschätzt bzw. die Schwierigkeiten bei der Umsetzung ausgeblendet. Das illustriert das Buch "Tomaten - Recherchen auf dem globalisierten Nahrungsmittelmarkt" von Annemieke Hendriks. Sie zeigt eindrucksvoll am Beispiel eines scheinbar so simplen "Produkts" wie der Tomate, wie schwierig es selbst für aufgeklärte und bewusste Menschen ist, "kritisch zu konsumieren". Hendriks schreibt gegen Ende: "Wer wirklich etwas für das Wohl der Erde tun möchte, der isst also am besten nur Saisontomaten aus unbeheiztem Anbau, bio oder nicht (beide haben ja Umweltvorteile), und besorgt sich diese mit dem Fahrrad."

Sehr viele Informationen sind also nötig, unzählige Faktoren müssen beachtet, teilweise sich widersprechende Wirkungen müssen in Einklang gebracht werden und am Ende hilft meist nur der Verzicht. Ganz abgesehen, dass man die wirtschaftlichen Voraussetzungen mitbringen muss. Keine massentaugliche Strategie, so scheint es. Überträgt man dies aufs Digitale wird man auch dort eine Mischung aus Überforderung und Unwillen der KonsumentInnen prognostizieren müssen. Die Wirtschaftswoche schreibt in einem aktuellen Artikel zu mehr Sicherheit im Umgang mit Künstlicher Intelligenz:
Erfolg werden solche Industrieinitiativen ohnehin nur haben, wenn sich auch alle Nutzer des Internets der Dinge der Risiken einer hochgradig vernetzten Welt bewusst sind. Wenn sie nicht länger auf ihren Smartphones Schnüffeldienste zulassen und über x-beliebige Apps Auskunft darüber geben, wo – auf den Meter genau – sie sich gerade befinden. Michael Kranawetter, Leiter der Abteilung Sicherheit bei Microsoft Deutschland, fordert mehr Aufklärung. Die meisten Leute wüssten schlicht nicht, wie wichtig es sein kann, mit Daten sparsam zu sein, und wie sie im Alltag weniger Datenspuren hinterlassen können. Daher sollten „Grundprinzipien der Programmierung Einzug in die Stundenpläne der Schulen erhalten“. In einer vernetzten Welt sei nur derjenige ein mündiger Bürger, der weiß, welche Spuren er hinterlasse – und der verbergen könne, mit wem er wo zu Abend isst.
Die BürgerInnen werden also in Haftung genommen - damit freiwillige Unternehmensselbstverpflichtungen Wirkung zeigen können. Verpflichtungen, die maximal den kleinsten gemeinsamen Nenner zum Gegenstand haben. 

An dieser Stelle könnte man abwinken und das Konzept des kritischen Konsums für gescheitert erklären. Doch auch das greift zu kurz, in einer modernen Gesellschaft ist es durchaus in Ordnung die BürgerInnen an ihre eigene Verantwortung zu erinnern und sie dabei zu unterstützen dieser nachkommen zu können. Entwicklungsminister Gerd Müller hat gegenwärtig mal wieder den "Grünen Knopf" angekündigt. Ab 2019 soll das ein Siegel sein, bei dem man "zu 100 Prozent" sicher sein könne, dass die Kleidung fair produziert wurde. Das wäre ein guter und wichtiger Schritt. Aber die Ankündigung ist nicht neu und ohne gesetzliche Verpflichtung scheinen auch diesmal viele bzw. die meisten Hersteller nicht mitmachen zu wollen. Es ist wie bei der Ernährung: Bio ist gut und schön, doch ohne politische Vorgaben wird sich substantiell wenig an der Erzeugung von Lebensmitteln ändern.

Wieder aufs Digitale übertragen: Die Daten der Menschen lassen sich nicht durch Selbstverpflichtungen oder geändertes Nutzungsverhalten Einzelner schützen. Eine politische Regulierung muss her. Auch die Bloggerin und Netzexpertin Katharina Nocun kommt nach einem Selbstversuch mit Amazon, bei dem sie ihre dort gespeicherten Daten anforderte, zum Schluss:
Mehr Transparenz in Bezug auf Datensammlungen reicht deshalb nicht aus. Es braucht verbindliche Löschfristen und klare Verbote für Überwachung in besonders sensiblen Bereichen. Nutzer sollten zudem bei jedem Anbieter die Möglichkeit haben, auch "inkognito" zu recherchieren. Wenn die Politik keine Leitplanken einzieht, werden wir alle unweigerlich zu gläsernen Kunden.
Doch im digitalen Raum haben wie erwähnt auch staatliche Akteure Interessen, die über den Schutz der KonsumentInnen-Anliegen hinausgehen:
Der Hamburger Kriminologe Nils Zurawski befürchtet eine Vermengung von staatlichen und privaten Interessen durch die Kooperation von Tech-Konzernen und Strafverfolgungsbehörden. Im Interview sagt er: "Da Google und auch andere digitale Medien und Dienste zu unserem Alltag gehören, und wir allerlei Dinge damit tun, wäre die generelle Auskunft über unsere Aktivitäten eine Totalüberwachung. Das ist praktisch schon der Fall, wenn man bedenkt, dass alles, was wir tun, in irgendeiner Weise aufgezeichnet wird."
Die schon heute große Macht der Technologie-Konzerne,die Verlockungen der Datenerfassung für staatliche Stellen und naive Sichtweisen wie "Facebook wird das neue Schlecker", lassen demnach Schlimmes befürchten. Jedoch ist es nie zu spät, wirtschaftliche Interessen einzuhegen. Dazu braucht es nur eine Debatte, was denn gesellschaftliche Werte, die als unbedingt schützenswert erachtet werden, sind. Auch die diesjährige re:publica 18 fragt:
In welche Richtung entwickeln sich international Digital Democracy und Open Data-Ansätze? Und welche sozialen und legislativen Begleitprozesse braucht die immer stärker fortschreitende Automatisierung? Wo der menschliche Verstand zu versagen scheint, halten dort die Versprechen der Auslagerung von Prozessen in die “unbestechliche” Blockchain?
Und den politischen Willen, der bei den meisten Fragen (noch) fehlt und nur durch öffentlichen Druck verändert werden kann. 

Dort - im Rahmen eines ausgehandelten und regulierten digitalen Raums, wo kritischer Konsum kein Ausstieg bedeutet und für alle möglich ist - dürfen dann auch die NutzerInnen herausfordernd gefragt werden: "Ey, was treibst Du denn da eigentlich mit Deinen Daten?"  

Donnerstag, 29. März 2018

In eigener Sache: So long Facebook.


So long Facebook! Dit wars (Text erschienen am 29.03.2018 als letzter Post der bisherigen Blog-Präsenz auf Facebook).

Man könnte jetzt viele Worte machen übers Für und Wider hier zu sein. Über Datensammelwut, übers sich gemein machen und die eigene Inkonsequenz, die im digitalen Raum genauso vorhanden ist, wie beim "normalen" eingeübten Konsum. Über die Gefahren von digitalen Riesen für die Demokratie, Möglichkeiten der Kontrolle, aber auch über notwendige Gegenstimmen zum lauten Rufen der Trolle. Am Ende bleibt jedoch der recht simple Schluss, dass es eigentlich kaum mehr zu rechtfertigen ist Facebook intensiv zu nutzen. Aber das ist natürlich nichts Neues. Und jetzt im allgemeinen "Hype" aufzuhören, zeugt nun auch nicht von großer Willenskraft. Aber um es mit den Höhnern zu sagen: "Wenn nicht jetzt, wann dann?" 

Dabei muss ja niemand sofort sein Profil löschen. Doch auf einer Seite Links zu posten, andere zum Liken zu animieren, externen Content ins Netzwerk einzuspeisen - all das trägt eben zum Erfolg dieser hoch problematischen Struktur bei. Natürlich fehlen die Alternativen, natürlich wäre jede, falls doch vorhanden, mit Aufwand verbunden. Und dabei sind die Privatsphäre-Einstellungen von Facebook gar nicht mal so schlecht. Doch es geht ja um mehr. Um die Konzentration von Nutzerdaten. Um die Marktmacht, die z.B. per Instagram und WhatsApp noch gestärkt wird. 

Jaron Lanier nennt das Phänomen "Sirenenserver". Und Evgeny Morozov schreibt: "Unsere gesamte digitale Infrastruktur wird durch eine Handvoll Privatunternehmen subventioniert und garantiert. Sie haben es geschafft, die Bereitstellung dieser Dienstleistungen mit der Bereitstellung von Anzeigenraum zu verknüpfen, den sie dann an Dritte verkaufen." Oder auch: "Diese immer weiter zunehmende Personalisierung läuft darauf hinaus, dass jede Nutzerin und jeder Nutzer über eine eigene Online-Erfahrungswelt verfügt. Das heutige Internet hat sich damit weit entfernt von der anfänglichen Vision eines gemeinschaftlichen Raums. Statt von dem Internet könnten wir daher ebensogut von einer Milliarde „Internet“ sprechen – ein individuelles Netz für jeden Nutzer."

Wenn wir uns eine Welt wünschen, in der die Dystopien des Digitalzeitalters keine Erfüllung finden sollen, dann müssen wir alle handeln. Individuell, aber gemeinsam. Vielleicht nicht heute, aber möglichst schnell. 

Dabei ist klar, dass hinter dem Anliegen mit einer kostenlosen Dienstleistung so viele UserInnen wie möglich anzulocken und die Daten dann meistbietend zu verkaufen bzw. sie zur KI-Entwicklung zu nutzen, noch eine andere Gruppe steht: Die, die das Futter liefern und die Umgebung erst interessant machen. Die in der heutigen Aufmerksamkeitsökonomie um Öffentlichkeit buhlen. Wie diese Seite hier. Natürlich in einem solch bescheidenen Rahmen, dass man sagen könnte: Wen interessiert´s? Wozu ein effektheischerisches Ende ohne Wirkung? Aber man muss kein afrikanisches Sprichwort zitieren, um deutlich zu machen, dass nur das Handeln vieler Menschen an vielen Stellen etwas verändert. 

Nun ausgerechnet Twitter oder Blogger als Alternativen zu nennen, ist dabei natürlich ein wenig scheinheilig. Aber irgendwo muss man ja anfangen. Und immerhin suggeriert Twitter keine Privatheit, wo keine ist, oder lässt sich die Blog-Seite auch mit TOR besuchen. 

Also, danke fürs Liken, Teilen und Lesen in den vergangenen Jahren! Adieu.

(Als Archiv wird die Seite erhalten bleiben, schließlich lässt sie sich ja auch ohne FB-Account erreichen. Und löschen lässt sich hier ja sowieso nichts :) )

Dienstag, 6. März 2018

Big Data und Demokratie: Recht auf ein analoges Leben?

Eric Schmidt von Google hat eine klare Meinung: "Jeder darf von jedem alles wissen." Wer mit diesem Wissen Geld verdient, kann natürlich kaum zu einem anderen Schluss kommen. Für alle anderen stellt sich die Frage, inwiefern die massenhafte Erfassung, Verarbeitung und analytische Nutzung von Daten im eigenen Interesse ist und welche Auswirkungen das für eine Demokratie nach sich ziehen kann. Fukami, Mitglied im Chaos Computer Club (CCC e.V.), kommt zu einem eindeutigen Urteil:
Schreitet diese Tendenz so voran, muss man sich über eines im Klaren sein: Menschen, die die Kontrolle über die eigene Zukunft nicht verlieren möchten, werden nicht umhin kommen, sich bereits früh in ihrem Leben angepasst und möglichst unauffällig zu verhalten. Für eine Demokratie, die von der Offenheit und der Möglichkeit zur freien Entscheidung und Entfaltung lebt, ist ein Konflikt entstanden, dem Bürger, aber genauso der Gesetzgeber mittlerweile ziemlich hilflos gegenüber zu stehen scheinen. Wenn Sie diesen Text lesen, werden Sie jedenfalls als eine der beiden folgenden Gruppen in die Geschichtsbücher eingehen: Entweder als die erste Generation, die die Kontrolle verloren hat. Oder Ihr Leben wird als museale Attraktion betrachtet, die zeigt, wie leichtsinnig damals mit personenbezogenen Daten umgegangen wurde.
Im Rahmen der Bonner Gespräche 2018 wurde das Thema mit Hinblick auf die Möglichkeiten der politischen Bildung Einfluss zu nehmen diskutiert. Denn nur wer überhaupt über das entsprechende Wissen verfügt und das Geschäftsgebaren großer Unternehmen und Interessen staatlicher Stellen Bescheid weiß, kann die aktuellen Entwicklungen zu Big Data einordnen. Im Folgenden ein paar Eindrücke der Fachtagung:
















Gemeinsam ist allen Vorträgen, dass sie keinesfalls die technologische Entwicklung an sich kritisieren, sondern eine aktive Mitgestaltung der Gesellschaft fordern. Diese Forderungen gehen dabei über das simple "Die Politik ist in der Pflicht" hinaus, da Regulierung immer (oder meistens) erst im Nachhinein erfolgen kann. Genauso wenig sollen Politik und Verwaltung aber aus der Pflicht entlassen und alles auf die individuelle Ebene verlagert werden. Denn ähnlich wie beim Konsum, geraten hier die eigenen Handlungen schnell in Konflikt mit der Marktmacht von Unternehmen, mangelnden Alternativen und ganz schlicht, der eigenen Faulheit datensparsam zu leben. Denn bei dieser Frage wirken Plastikfasten, also die Vermeidung von Plastikmüll, oder der Verzicht auf Lebensmittel, die weit entfernt vom eigenen Wohnort produziert werden, wie ein Spaziergang.

Hinweis: Sobald die Videos der Veranstaltungsdoku online sind, wird hier der Link veröffentlicht.

Samstag, 27. Januar 2018

Facebook und Gemeinwohl? Null Interesse!

Facebook wird immer zu mehr zu einer Betriebsweihnachtsfeier - kaum jemand mag sie, aber die meisten sind dennoch dort. Ein Grund Facebook nicht besonders zu mögen - neben Fragen, die die Privatsphäre betreffen - ist der sich ständig verändernde Algorithmus, der auswählt, was den NutzerInnen angezeigt wird, und was nicht.

Ab sofort lautet das Motto ja angeblich: Mehr Freunde, weniger Werbung. Denn Facebook-Chef Mark Zuckerberg will helfen "bedeutsamere soziale Beziehungen zu haben." Denn die seien wichtig für das eigene Wohlbefinden. Nun das ist das keine besonders deepe Einsicht, hat aber Auswirkungen für den Mikrokosmos FB: "Nutzer werden künftig mehr Beiträge von Freunden und Familie statt von Unternehmen, Medien und politischen Gruppen zu sehen bekommen." Klingt ja nicht schlecht. Erhöht am Ende aber den Druck auf die geringere Menge an Slots für andere Inhalte. Heißt: Werbung auf Facebook wird teurer.

Eine Facebook-Seite zu betreiben ist dabei schon seit Jahren kein besonderes Vergnügen mehr, was Fragen der Reichweite (wie sie Facebook versteht) angeht. Denn nachdem Facebook bezahlte Werbung im großen Maßstab und für alle zugänglich (aus FB-Sicht auch erschwinglich) einführte, hat sich die organische Reichweite massiv reduziert. UnternehmensvertreterInnen können da sagen was sie wollen, am Ende steht: Wer nicht zahlt, wird nicht gezeigt. In anderen Ländern ist das - mit unterschiedlichen Argumenten versehen - schon Realität. Natürlich immer nur im Interesse der NutzerInnen.  

Auch dieser Blog hat einen "Facebook-Ableger". Getreu dem Blogtitel nicht mit Tausenden von Fans, die jeden Tag nach den aktuellsten Konfliktgeschichten, die einen runterziehen, gieren. Je gieriger, desto wahrscheinlicher, dass ein neuer Beitrag einer gelikten Seite auch angezeigt wird. 

Im Schnitt wird auf der Seite bei jeden Tag ein Link gepostet. Artikel, Video, Blogbeitrag, oder Foto. Die Reichweite schwankt dabei organisch, bezahlt wird nie. Da zeigt sich dennoch schnell, dass Videos eine höhere Reichweite haben - wenn sie denn auf FB abspielbar sind. YouTube-Videos schneiden schlechter ab. Auch Artikel mit knackigen Überschriften werden öfter geklickt als die mit langweiligen - alles also ganz normal.

Skurril ist aber, dass manche Beiträge 0 Reichweite haben. Wirklich 0, zero, niemand hat diesen Post gesehen. Ein technischer Fehler? Eher die Mischung aus ohnehin geringer Reichweite und einem Algorithmus, der sagt: "Boah, selten haben ich etwas so uninteressantes und irrelevantes gesehen. Das kann ich wirklich keinem Deiner Fans anzeigen. Wirklich keinem. Sorry! Hast Du nicht jemand, der im Auto sitzt und einen Witz erzählt? Oder was über Life-Hacks?"

Antwort: "Vielleicht was mit Gemeinwohl? Der Frage, welche Verantwortung Unternehmen tragen und welche Form der Marktwirtschaft diesen Namen tatsächlich verdient?"


Antwort Facebook:


Als GIF.

Mittwoch, 3. Januar 2018

Über was unterhalten sich IS-Anhänger?

Das "Program on Extremism" der George Washingon-Universität beschäftigt sich vor allem mit dem Online-Verhalten von IS-Anhängern. Folgende aktuelle Infografik gibt einen Überblick, wie sie organisiert sind und welche Themen vor allem eine Rolle spielen:

Quelle: Program on Extremism

Natürlich wäre es noch spannender, nicht nur die vorgefertigten Kategorien zu IS-Themen abzufragen, sondern auch zu erfassen, inwiefern Hinweise für den Lebenswandel gegeben werden, die Diskussion religiöser Inhalte überhaupt stattfindet und welche anderen Dinge für die radikalisierten oder sich radikalisierenden Mitglieder eine Rolle spielen. 

Zur Frage, wie diesen Inhalten begegnet werden kann, wird schnell klar, dass Telegram zunächst eine gute Möglichkeit bietet, anonym und unauffällig zu bleiben. Andererseits wollen die Extremisten auch explizit die öffentliche Meinung beeinflussen. Dazu nutzen sie dann zum Beispiel Twitter. Hier sind sie - trotz Gegenmaßnahmen - weiterhin recht erfolgreich. Eine aktuelle Studie kommt zum Schluss: "Die Politik von Twitter behindert zwar Sympathisanten auf der Plattform. Aber Anti-IS-Akteure sollten die Wirkung dieser Maßnahmen im Gesamtrahmen der Bekämpfung der Organisation nicht überschätzen."

Eine Untersuchung vom vergangenen Jahr der Universitäten Osnarbrück und Bielefeld kam zum Schluss, dass in den Chats zwar religiöse Themen eine große Rolle spielen, fundierte Kenntnisse aber kaum vorhanden sind:
Das Chat-Dokument enthält insgesamt 5.757 Postings von zeitweilig bis zu zwölf Gruppenmitgliedern. Die Postings zeigen die Kommunikation und Gruppendynamik unmittelbar vor einem geplanten Anschlag von jungen Menschen aus „normalen Verhältnissen“. Diese „natürlichen Daten“ vermitteln Informationen zu einer Vielzahl von Aspekten, die für die Radikalisierung wichtig sind: Die Gruppenstrukturen, ihre Hierarchie, die Dynamik und der Druck der Gruppe auf ihre Mitglieder, wie auch die Entwicklung einer so genannten „Lego“-Ideologie, die immer stärker die Gemeinsamkeiten und das Selbstbild der jungen Menschen prägt.

Die Studie des Forschungsnetzwerks Radikalisierung und Prävention (FNPR) der Universitäten Osnabrück und Bielefeld zeigt, dass die Gruppenmitglieder offenkundig nur über rudimentäre oder gar keine Islamkenntnisse verfügen. Selbst die Gestaltung einfachster ritueller Alltagshandlungen – wie zum Beispiel die Verrichtung des Pflichtgebets –  ist Teilen der Gruppenmitglieder nicht bekannt. „In Gänze betrachtet konstruiert die Gruppe nach dem Baustein-Prinzip einen Gruppenkult, der in all seinen zentralen Aussagen auf Willkür beruht und als krude und einfältig bezeichnet werden kann“, stellt Dr. Michael Kiefer von der Universität Osnabrück fest. Er und sein Kollege Bacem Dziri haben auf der Grundlage einer islamtheologischen Analyse gezeigt, wie zentrale Figuren in der Gruppe geschickt eine Copy-und-Paste-Ideologie aus Koranversen und Botschaften djihadistischer Führer zusammengeschnitten haben. Zentral dabei ist von Anfang an die Gewaltorientierung.
Die gesamte Studie wurde als Buch mit dem Titel „Lasset uns in shaʼa Allah ein Plan machen“: Fallgestützte Analyse der Radikalisierung einer WhatsApp-Gruppe" veröffentlicht.

Freitag, 25. August 2017

Amazon lernt Dich bald noch besser kennen

Die schöne neue Welt ist nah. Und kommt wieder ein Stück näher. Mit der neuesten Patentanmeldung von Amazon.

Die Lieferdrohne mit Kamera gibt nicht nur das Päckchen ab, sondern checkt auch gleich mal das Dach und den Vorgarten. Und alles andere eben. Ziegel wackeln oder sitzen nicht mehr akkurat? Bäume sind braun und ungepflegt?


Quelle: United States Patent and Trademark Office

Amazon empfiehlt (automatisch - aber klar alles natürlich nur per Opt-in) die "passende" Gärtnerei oder die Dachdecker. Oder bietet den entsprechenden Dünger an. Besser geht es doch nicht. Ach doch. 

Quelle: United States Patent and Trademark Office

Die Drohne rät vielleicht nach einem Besuch zu einem (nicht ganz billigen und eher unfreiwilligen) privaten Krankenkassenwechsel, weil die Sportgeräte in der Garage verstauben und schickt den Vertreter der Amazoneigenen Autoversicherung vorbei, weil das Fahrzeug eine Macke aufweist ("Die war doch bei der letzten Lieferung noch nicht da?!") oder die Glastonne einen alkoholischen Konsum offenbart (bzw. suggeriert), der in der Beitrittserklärung gar nicht erwähnt wurde. Oder schickt Werbung für die Partnerschaftsvermittlung, weil der Audiostream gewisse Spannungen in der Beziehungen nahe legt.

Hach. Schön.

Dienstag, 22. August 2017

Nazis vs. ISIS

Die sozialen Medien sind nach Ansicht vieler Beobachterinnen und Beobachter ein wichtiges Schlachtfeld im Kampf von und gegen Extremisten. Über die genauen Zusammenhänge und Wirkungen kann man streiten, nicht aber über den Bedeutungszuwachs. 

Nazis vs. ISIS - was klingt wie die Fortsetzung von Iron Sky oder Alien vs. Predator, ist Gegenstand einer Studie der George Washington University über Extremismus auf Twitter. Der vollständige Titel lautet dann auch: Nazis vs. ISIS on Twitter - A Comparative Study of White Nationalist and ISIS Online Social Media Networks.


Ein Faktor, der soziale Medien für Extremisten interessant macht, ist die Möglichkeit der Vernetzung. So kann nicht nur die eigene Botschaft öffentlich verbreitet, sondern die eigene Weltanschauung gestärkt und mobilisiert werden. Die Grafik zeigt die Vernetzung unter 4.000 bekannten Twitteraccounts von white nationalists. Quelle: Berger 2016: 2.
Die Studie vom September 2016 (aktuelle Erkenntnisse stützen die Ergebnisse) kommt zum Schluss, dass Akteure der white nationalist-Bewegung innerhalb von fünf Jahren etwa 22.000 Follower gewinnen konnten. Das entspricht einer Zunahme um etwa 600 Prozent seit 2012. Neben der Rezeption von Nachrichten und der Vernetzung untereinander, entstanden auch sog. organized trolling communities, die versuchen mit massiver Präsenz und polemischer, plakativer oder hetzender Wortwahl Meinungen zu beeinflussen, bzw. die öffentliche Debatte zu prägen. 

Vergleicht man die Accounts von white nationalists und denen, die mit ISIS sympathisieren oder aktiv unterstützen, so zeigt sich, dass in nahezu allen Kategorien (Followerzahl, Reichweite,...) rechtsextremistische Meinungen eine höhere Sichtbarkeit haben. Dies liegt aber nicht nur an unterschiedlichen Unterstützerzahlen oder Unterscheiden beim Nutzerverhalten, sondern auch an der Tatsache, dass Twitter (aber auch Facebook u.a.) konsequenter gegen ISIS-Propaganda als gegen andere Hate Speech vorgehen. Zudem ließe sich natürlich auch der Untersuchungsgegenstand über ISIS hinaus auf andere radikalislamistische Inhalte erweitern (auch wenn ISIS hier dennoch stark dominiert), was die Zahl ebenfalls erhöhen würde.

Über was wird "diskutiert"?

Das populärste Thema der Rechtsextremisten ist das Konzept des "white genocide". Dieser wird zum Beispiel in Südafrika immer wieder heraufbeschworen, in jüngerer Vergangenheit wurde die Netflix-Serie Dear White People dazu auserkoren als angebliches Beispiel zur Verherrlichung des "weißen Genozids" zu dienen, u.a. eben auch auf Twitter. Hier wird tagtäglich die Bedrohung der weißen Rasse in hunderten Tweets propagiert. 

Politisch gesehen besteht laut der Studie eine recht enge Verbindung zur Agenda Donald Trumps. Zumindest legen die Hashtags nahe, dass die Aussagen des damaligen Präsidentschaftskandidaten die beste Mischung aus Reichweitenerzielung und inhaltlichen Überzeugungen funktionierte. 

Wie die meisten aktivistischen Gruppen nutzen auch white nationalists populäre Hashtags, um die Reichweite zu erhöhen. Quelle: Berger 2016: 10

Beachten muss man bei allen extremistischen Gruppen, dass zumeist eine kleine, aber hochaktive Zahl von Personen die Debatten prägt. Werden einzelne Tweets von Medien aufgegriffen und über die "klassischen" Kanäle verbreitet, erhöht dies dann die Reichweite. Insofern scheint eine Folgerung aus der Studie zu sein, dass extremistische Strömungen und Aktionen durchaus Gegenstand der Medienberichterstattung sein sollten, die Fokussierung auf einzelne Personen und das bloße Einbinden von Tweets aber eher nicht zu einer sachlichen Auseinandersetzung führen, sondern einzelnen Extremisten bzw. Accounts schlicht zu mehr Popularität verhelfen.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Ein großer Unterschied ist sicherlich, dass ISIS von potentiellen Unterstützern als sehr viel geheimnisvoller und verschlossener wahrgenommen wird, was deren Anziehungskraft in bestimmten Kreisen noch erhöht. Während deren Netzwerke auch Propaganda und talking points verbreiten, geht es den Accounts aus diesem Spektrum laut der Studie jedoch vor allem darum Akteure zu vernetzen und eine (virtuelle) Gemeinschaft entstehen zu lassen(mit einem positiven Erscheinungsbild und potentiellen Ansprechpartnern). White nationalists dagegen gehen neben der Verbreitung der eigenen Weltsicht vor allem der Tätigkeit des Trollens nach, zetteln Shitstorms an und versuchen eine angebliche Meinungsübermacht im Bereich des eigentlich Unsagbaren (zum Beispiel wegen angeblicher political correctness) zu demonstrieren. 

Desweiteren hat ISIS meist den news cycle auf seiner Seite. Fast täglich gibt es Meldungen, die im Zusammenhang mit dem Islamischen Staat oder anderen radikalislamistischen Gruppen stehen. Dies liefert einfache Anknüpfungspunkte zur "Medienarbeit". Rechtsextremisten scheinen eher die eigene Weltsicht (und deren historischen Wurzeln) immer wieder aufs Neue zu verbreiten. Allerdings kann sich dies - wie Charlottesville gezeigt hat - schnell ändern. Solche Ereignisse begünstigen die Rekrutierung und die Planung von Aktionen. Auch die Fragmentierung, die laut Studie im rechten Spektrum stark ausgeprägt ist, kann so verringert werden (die Demonstration in Charlottesville wurde ja auch unter dem "Motto" Unite the Right angemeldet). Dennoch bleiben natürlich die Ziele und die Aufforderungen aktiv zu werden unschärfer als bei der Propaganda von ISIS. 

Neben technischen Anstrengungen seitens der Plattformbetreiber, die durchaus kritisch zu sehen sind, wird Extremisten durch die Eigenheiten virtueller Debattenkultur das Leben scheinbar zunehmend schwerer gemacht. Sei es, dass Gegenmeinungen trotz fehlender sachlicher Auseinandersetzung öffentlich vertreten werden, oder schlicht andere Trolle die Diskussionen sprengen. Neu war nach Charlottesville auch, dass Aktivisten soziale Medien dazu nutzten Teilnehmerinnen und Teilnehmer "an den virtuellen Pranger" zu stellen. Am besten funktioniert aber offenbar sich extremistischen Meinungen in der Realität entgegenzustellen:



Festzuhalten bleibt, dass rechtsextreme Stimmen in sozialen Medien (nicht nur in den USA) an Bedeutung gewonnen haben und deren Wachtumsdynamik die von ISIS mittlerweile übertrifft. Dies hat wie oben aufgeführt mehrere Gründe, neben technischen Sperren u.ä. von islamistischen Inhalten, sicherlich auch der bewusste Drahtseilakt zwischen Äußerungen, die unter die Meinungsfreiheit fallen und solchen, die rechtlich nicht mehr zulässig sind.

Einig im Hass

Trotz aller Unterschiede, man fragt sich, woher der Hass und das Sendungsbewusstsein dieser Menschen kommen. Bei der Suche nach Ursachen sollte man sehr vorsichtig sein, schließlich sind die Ausgangsbedingungen von radikalislamistischem und Rechtsterrorismus in vielerlei Hinsicht sehr unterschiedlich. Doch ein Faktor bei der Frage nach den Ursachen von Gewalt ist Angst. Angst vor Marginalisierung, Abstieg oder der Hilflosigkeit nicht mehr Subjekt, sondern bloßes Objekt zu sein.

Die Nobelpreisträgerin von 1993, Tony Morrisson schrieb dazu Ende des vergangenen Jahres in ihrem Artikel "Making America White Again" im New Yorker: "These people are not so much angry as terrified, with the kind of terror that makes knees tremble."

Donnerstag, 13. April 2017

Wir haben einen neuen Gesellschaftsvertrag unterschrieben - leider hat ihn niemand durchgelesen

Die ZEIT hat ein interessantes neues Buch des israelischen Historikers Yuval Noah Harari rezensiert, das sich mit den grundsätzlichen Fragen unseres Zusammenlebens in der modernen Welt beschäftigt. In "Homo Deus" entwirft Harari eine düstere Vision des Technologiezeitalters. Dabei kommt er auch darauf zu sprechen, unter welchen Rahmenbedingungen wir eigentlich zusammenleben. Oder vielmehr: Was hält uns zusammen? Welche stillschweigende Übereinkunft garantiert, dass bestimmte Normen und Werte als allgemeingültig anerkannt werden? Im Artikel heißt es:
Harari erzählt die Geschichte der Menschheit als eine Geschichte des zunehmenden Kontrollgewinns. Hunger, Dürren, Naturkatastrophen – globale Risiken seien heute beherrschbar geworden. Die Moderne sei wie eine "extrem komplizierte Übereinkunft", bei der kaum jemand versteht, was er eigentlich unterschrieben habe. "Es ist ein bisschen so, wie wenn man eine Software herunterlädt und gebeten wird, einen beigefügten Lizenzvertrag zu unterzeichnen, der aus Dutzenden von Seiten in schönstem Juristendeutsch besteht; man wirft einen kurzen Blick darauf, scrollt dann bis ans Ende des Dokuments, macht ein Häkchen bei "ich stimme zu" und hat das Ganze schon gleich wieder vergessen." 

Das heißt also, dass die Komplexität es gar nicht mehr zulässt, dass man sich auf so etwas wie einen Gesellschaftsvertrag einigt (auch wenn diese Einigung schon immer eine Abstrakte war). Man kennt dessen Inhalt nicht mehr, oder will ihn nicht kennen, weil man ihn nicht versteht. Dabei geht es auch darum, was denn die Werte und Normen des Gesellschaftsvertrages sein sollen.

Dinge wie Gerechtigkeit und Fairness sind schwer zu greifen, aber faktisch sehr unzureichend verwirklicht in unserer heutigen Welt. Bei den Ausführungen Hararis muss man dabei unwillkürlich an John Rawls und seine Gerechtigkeitstheorie denken. 

Dort führt Rawls einen "Schleier des Nichtwissens (veil of ignorance)" ein, der den Zustand der Menschen in einer fiktiven Entscheidungssituation bezeichnet, in dem sie zwar über die zukünftige Gesellschaftsordnung entscheiden können, aber selbst nicht wissen, an welcher Stelle dieser Ordnung sie sich später befinden werden. Schlicht heißt das: Werde ich zu den Gewinnern oder zu den Verlieren zählen? Setze ich darauf ein Gewinner zu sein?

Rawls geht dabei von einer Gleichheit aus, die zum Beispiel geistige, physische und soziale Eigenschaften wie Hautfarbe, Rasse, Geschlecht, Religionszugehörigkeit, Stellung innerhalb der Gesellschaft, sozialer Status und vieles mehr einschließt. Aber auch was Fragen der Vorstellung vom Guten angeht. Long story short, aus dieser abstrakten Gleichheit folgt für Rawls die Unparteilichkeit der Menschen und folgen Prinzipien einer Gerechtigkeitstheorie, die den Nutzen nicht einfach maximiert, sondern danach fragt, wer am meisten profitieren sollte, um Ungleichgewichte zu vermeiden oder abzumildern.

Bezieht man diesen Schleier des Nichtwissens auf die Befürchtungen Hararis, dann würde man danach fragen: Welche Gesellschaftsordnung würde hinsichtlich der Verständlichkeit und der Nachvollziehbarkeit entstehen?

Man könnte argumentieren, dass Algorithmen und Technologien nach dem Wunsch aller dort Grenzen gesetzt werden sollen, wo sie die menschliche Auffassungsgabe und die Möglichkeit der menschlichen Kontrolle überschreiten. Angesichts des heutigen Fortschritts muss dies bereits jetzt als naiv gelten. Als normative Handlungsanleitung zur Gestaltung einer Gesellschaftsordnung, die von Menschen für Menschen gemacht wird, hat sie aber eine dringliche und hochaktuelle Existenzberechtigung.

Für Harari ist es dafür schon zu spät, doch schlimmer kann es natürlich auch noch kommen:
Man kann sich wie Harari schon fragen, ob es in der Digitalmoderne oder dem Dataismus auch eine Übereinkunft zwischen Mensch und Maschine gibt oder ob wir nicht schon einen Unterwerfungsvertrag unterzeichnet haben, mit dem wir jegliche Mitbestimmungsrechte abgetreten haben. Die Teilnahme am Computernetzwerk wird zum Zwang. Am Ende könnte ein Punkt erreicht sein, an dem es unmöglich werde, sich vom Netzwerk abzukoppeln und ein neues Prekariat, die "Klasse der Nutzlosen" entstehe, die von der Technik abgehängt sind, schreibt der Historiker.  
Das Kleingedruckte zu lesen ist also wichtiger denn je und von der eigenen Person zu abstrahieren und zu fragen: "Wie sollte die Welt aussehen, damit alle Menschen nach "ihrem Glück" streben können?" wird immer dringlicher.

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Wie sicher ist mein Messenger?

Von den Tücken privater Kommunikation im digitalen Raum berichten in ihrem Vortrag Roland Schilling und Frieder Steinmetz von der Technischen Universität Hamburg auf dem 33. Chaos Communication Congress (33C3). Wer kann mitlesen? Mit wem schreibt man überhaupt? Und gibt es die Möglichkeit, dass Nachrichten verfälscht sein könnten? Einen Übersichtsartikel liefert Patrick Beuth auf ZEIT Online:

Der Doktorand Schilling und sein Mitarbeiter Steinmetz übersetzen ihr Expertenwissen über sicheres Messaging in ein Szenario, das auch Einsteiger nachvollziehen können. "Stellt euch vor, ihr seid auf einer Party mit vielen Menschen", sagt Schilling, "und wollt dort mit einem Freund unter vier Augen sprechen. Wie würdet ihr das angehen?" 

Den kompletten Vortrag im Video:



Donnerstag, 29. September 2016

Was Facebook über Dich weiß...

Maschinen nehmen uns mehr und mehr Entscheidungen ab bzw. beeinflussen diese massiv. Sei es die Temperatureinstellung zuhause, der kürzeste Weg von A nach B oder die Wahl, welche neuen Kopfhörer man sich zulegen soll. Deshalb wird es immer wichtiger, dass man die Algorithmen, auf denen diese Entscheidungen basieren (zumindest in Ansätzen) versteht.



ProPublica startet zu diesem Thema eine Webserie. Erste Folge: Profiling auf Facebook oder einfach "Breaking the Black Box - What Facebook Knows About You". Die nächste Folge gibt es am 05. Oktober.

Sonntag, 14. August 2016

Die "Insel des Datenschutzes" und der steigende Meerespiegel

Offenbar planen Deutschland und Frankreich eine internationale Initiative zur Entschlüsselung verschlüsselter Kommunikation. Genaue Inhalte oder eine Stellungnahme gibt es von deutscher Seite nicht, doch der französische Innenminister äußerte sich überzeugt davon, dass es künftig zu dieser Koalition kommen werde:
Viele Nachrichten bei der Vorbereitung von Terrorattentaten seien verschlüsselt, sagte der französische Innenminister. Eine internationale Aktion sei erforderlich, da ein Land nicht allein die Initiative übernehmen könne. Frankreich habe bereits eine Reihe von Vorschlägen an die deutsche Regierung übersandt. Wie diese lauten, sagte er nicht. Islamistische Attentäter sollen zur Vorbereitung ihrer Taten in Frankreich unter anderem den Messengerdienst Telegram benutzt haben.
Deutschland gerierte sich bisher als eine "Insel des Datenschutzes" und nach der Digitalen Agenda er Bundesregierung, solle das Land "Verschlüsselungs-Standort Nr. 1 auf der Welt" werden. Wie passt das zusammen? Und noch wichtiger, adressiert diese Initiative die richtigen Fragen und macht am Schluss das Leben der Bürgerinnen und Bürger sicherer?

Unser Leben spielt sich mittlerweile zu großen Teilen in der digitalen bzw. virtuellen Welt ab. Fehlende Privatsphäre wird dadurch zu einem realen Teil unserer Existenz. Die Überwachung dort wirkt sich schon heute auf unser "echtes" Leben aus (es stellt sich die Frage, inwiefern diese Entscheidung überhaupt noch Sinn macht). Einschränkungen sollten also gut begründet werden. Bildquelle: Pixabay
Werfen wir einen Blick auf einen der vielen Kommentare nach den Anschlägen von Paris vom November des vergangenen Jahres. Dort kamen viele JournalistInnen oder ExpertInnen zu dem Schluss, die Attacke habe gezeigt, dass die Verschlüsselung ein zentrales Problem sei. Ein Beispiel aus dem WDR-Blog Digitalistan:
Längst ist bekannt, dass der IS den Messenger-Dienst Telegram nutzt, um seine Propaganda zu verteilen. Größte Qualität von Telegram: Man kann Nachrichten bequem und sicher verschlüsseln. Die Nachrichten werden Ende-zu-Ende-verschlüsselt, was sie praktisch abhörsicher macht. Ein Traum für Straftäter – ein Albtraum für Behörden. Dieser Tatsache muss man ins Auge schauen und sie auch so benennen.
Diese Meinung hat sich nach den anderen Terrorakten 2016 verfestigt. Es stimmt, diese Tools können auch für diese Zwecke benutzt werden. Doch klar ist auch, dass sie für eine umfassende Radikalisierung nicht geeignet sind. Vor allem sind die Wege zu vielfältig, auf denen mittlerweile miteinander kommuniziert werden kann. Auch wird das Ausmaß gerne übertrieben, ähnlich wie beim "Darknet".

Man kann die Sache ja auch mit dem Recht auf Waffen vergleichen. Es ist richtig, dass nicht die Waffe jemanden tötet, sondern der- oder diejenige, die abdrückt. Allerdings haben Waffen keinen anderen Zweck als zu töten oder ein Hobby für eine kleine Gruppe zu sein. Insofern bieten sich hier drastische Einschränkungen an, um das Problem zu adressieren. Bei der Kommunikation stellt sich dies völlig anders dar. Moderne Kommunikationsmittel sind die Grundlage für jede gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung und haben eine solche weitreichende und heterogene Bedeutung erlangt, die es notwendig macht jede Einschränkung detailliert zu rechtfertigen und auf Plausibilität (was die Wirksamkeit angeht) und Folgen zu untersuchen.

Deswegen greift der weitere Kommentar von Jörg Schieb sehr kurz, wenn er ein Verbot der Verschlüsselung als einzige Möglichkit für die Behörden Terrorismus effektiv zu bekämpfen, darstellt: 
Man kann es den Behörden wirklich nicht übel nehmen, dass sie das wünschen, denn anderenfalls sind ihnen komplett die Hände gebunden. Dass in einem höchst-richterlich angeordneten Fall die Verschlüsselung eines Anschlusses geknackt wird, ist zweifellos ein geringerer Eingriff in die Privatsphäre als eine anlasslose Massenüberwachung.
Kritisch ist auch, dass ein Verbot der Entschlüsselung gegen die Vorratsdatenspeicherung gestellt wird. Denn das Problematische ist ja, dass die Initiativen auf politischer Ebene hier Hand in Hand gehen. Das heißt ein Verbot verschlüsselter Kommunikation bei gleichzeitiger umfassender Speicherung.  

Nochmals an dieser Stelle: Es gibt schier unendliche Möglichkeiten auf andere Kanäle auszuweichen. Seien es Verabredungen in World of Warcraft, oder die Nutzung der Playstation 4. Oder eben direkte Anwerbungsversuche. Es ist eine Illusion zu glauben, dass es genügt Nachrichten von Telegram mitlesen zu können und damit Terror zu verhindern. Und diese langfristig zu speichern verhindert Anschläge erst recht nicht.  

Außerdem haben die vergangenen Monate gezeigt, dass aufgrund der Bereitschaft einzelner Personen oder kleiner Gruppen Anschläge zu begehen eine detaillierte Kommunikation nicht mehr unbedingt notwendig ist. Der sog. "Lonely Wolf" als Alptraum aller Sicherheitsbehörden ist zum Teil Realität geworden.

Was bedeutet das nun? Der Terrorismus hat gewonnen? Nein. Nicht, wenn die Vernunft und der Schutz der Bürger- und Freiheitsrechte dominieren. Die Niederlage droht, wenn Ängste und Sorgen der Bevölkerung als Realität aufgefasst und Versprechungen auf schnelle Lösungen gemacht werden.

Ja, Sicherheitsbehörden müssen Instrumente zu effektiven Terrorbekämpfung erhalten. Dies können (zertifizierte) Trojaner sein, die eine Erfassung von Kommunikation vor der Verschlüsselung zulassen, oder die Speicherung von Inhalten Einzelner nach richterlichem Beschluss über bestimmte Zeiträume. 

Aber nein, es ist höchst fraglich, ob der Abschied der Privatsphäre und die dauerhafte und massive Erfassung der Daten aller Bürgerinnen und Bürger (was ja bereits Realität ist und es eigentlich darum gehen sollte, diese Entwicklung zurückzudrehen) dazu notwendig sind. Denn nun sind wir bei der eigentlichen Kernfrage: Wie lässt sich Terror effektiv bekämpfen?
Even if ISIS loses all of its territory in Syria and Iraq, the global jihadi archipelago could continue to expand if the social and political conditions that have led to its emergence continue to persist.
Das schrieb Scott Atran in The New York Review of Books nach dem Anschlag in Nizza. Er wies darauf hin, dass eben in Frankreich (und auch Belgien) die sozialen Strukturen eine Radikalisierung und Rekrutierung besonders "leicht" machen. Und macht deutlich, wie Terrorgruppen wie der IS sich den Entwicklungen und Bemühungen nach 2001 eben einfach angepasst hätten. Vor allem - und hier kommt der entscheidende Teil der Debatte - weist er darauf hin, dass eine digitale Rekrutierung gar nicht notwendig sei. Sie erfolge zumindest teilweise autonom oder eben im Irak oder in Syrien. 

Es handelt sich also in erster Linie um eine (sicherheits-)politische Frage. Die Konflikte im Irak, in Syrien, aber auch in Libyen, Jemen, Somalia, im Kaukasus, oder sogar die Nachwirkungen scheinbar vergangener Konflikte, wie im Kosovo der Fall - sie alle sind ein entscheidender Teil des Problems. Nun ist man also bei den Konfliktursachen angekommen. Zusammen mit Fragen der Deprivation (siehe hier, Seite 128) ergibt sich die Notwendigkeit Lösungen für Konflikte zu suchen und künftige zu verhindern. Atran drückt das so aus:
Although military defeat in Iraq, Syria, and Libya could help make it more difficult for the group to recruit, we will not be able to defeat ISIS itself until we find a way to reconnect the neighborhoods, online communities, and other particularly susceptible social and political settings where attacks like what occurred in Nice continue to find inspiration and support.
Bevor nun der Vorwurf des "naiven Gutmenschentums" laut wird: eine Überprüfung des Verhältnisses zwischen technischen Möglichkeiten von Militär und Sicherheitsbehörden und der Zahl von Terroranschlägen würde interessante Ergebnisse liefern. Genauso wie die Frage, wie Konflikte und Anschlagszahl zusammenhängen. Die Warnungen von Nachrichtendiensten und Polizeien ernst zu nehmen, heißt, eine Außenpolitik voranzutreiben, die auf Ausgleich und globales wirtschaftliches Zusammenwachsen und nicht auf die einseitige Durchsetzung geostrategischer Interessen und Handel- und Finanzstrukturen, die nur wenigen nutzen, bedacht ist.

Wenn der digital Wandel weitergehen soll, dann kann er das vermutlich nur mit effektiver Verschlüsselung. Ansonsten sind eine Industrie 4.0 und voll vernetzte Smarthomes nur schwer vorstellbar. 

Das Bild der deutschen "Insel" was den Datenschutz angeht, mag im internationalen Vergleich sogar stimmen. Doch die Entwicklungen der vergangenen Monate zeigen auch, dass der "Klimawandel" nicht nur real ist, sondern der Meeresspiegel bereits steigt.