Samstag, 20. April 2019

Opferzahl im Jemen überschreitet 70.000 - Einsatz von europäischen Waffen als offenes Geheimnis

Je nach Statistik, wurde die Schwelle von 70.000 getöteten Menschen im Jemen schon länger überschritten. Nun hat auch das Projekt ACLED mehr als 70.000 Opfer registriert

Bemerkenswert dabei ist, dass sich an der Intensität des Konflikts nichts geändert hat - im Gegenteil. In den vergangenen fünf Monaten allein wurden mehr als 10.000 Menschen getötet. Dies stört europäische Regierungen, die sich mit der Frage von Waffenexporten beschäftigen, jedoch nur am Rande, Stichwort: "Europäische Verpflichtungen" (Wäre es nicht schön, wenn in anderen Politikfeldern auch so große Solidarität herrschen würde?). Und europäische Waffenhersteller schon gar nicht. 

Ein Beispiel zum politischen Umgang mit dem Konflikt und dem unvorstellbaren Leid, welches er verursacht, aus Frankreich
Ein Geheimdienstbericht, der dem Investigationskonsortium Disclose zugespielt wurde, beweist, dass die französische Regierung über den massiven Einsatz französischer Waffen durch die arabische Koalition im Jemenkrieg informiert ist. 
Der Bericht wurde dem Staatspräsidenten am 3. Oktober 2018 im Elysee-Palast vorgelegt, bei einer Sitzung des Verteidigungsrats in beschränkter Besetzung, mit Verteidigungsministerin Florence Parly, Ministerpräsident Edouard Philippe, sowie Europa- und Außenminister Jean-Yves Le Drian. 
Alle Teilnehmer kennen die 15 Seiten des Berichts des französischen Militärgeheimdienstes (DRM). Er listet alle Waffen auf, die Frankreich an die Vereinigten Arabischen Emirate und an Saudi-Arabien geliefert hat. Waffen, die heute im Jemenkrieg eingesetzt werden.
Quelle: Screenshot disclose.ngo
Auch die folgende Doku (verfügbar bis zum 21. Juni) zeigt, "dass die größten Kriegsmaterialhersteller Europas – Frankreich, Großbritannien, Deutschland - weiter Waffen exportieren, die mit großer Wahrscheinlichkeit im Jemen zum Einsatz kommen. Sie legt den undurchsichtigen Waffenhandel offen und prangert das Versäumnis der EU-Politiker, ihrer Pflicht nachzukommen."

Donnerstag, 28. März 2019

Hohe Zahl von zivilen Opfern im Jemen

Laut aktuellen Zahlen des Projekts @YemenData wurden im Jemen in den vergangenen vier Jahren seit Beginn der Luftangriffe der von Saudi-Arabien angeführten Koalition 17,729 Zivilist*innen getötet. Ein Viertel der Opfer waren Frauen und Kinder.


Insgesamt muss man von 70.000 bis 80.000 zivilen Opfern (seit 2016) ausgehen. 

Eine überschätzte Spezies

Dem Menschen ist die Meisterleistung gelungen, die höchsten Gipfel der Erde und die tiefsten Ozeane zu verschmutzen, die Organismen zu schädigen und die Umgebung seines Planeten zu vermüllen.

Jede Minute schenkt er 250 Kindern das Leben und produziert 4000 Tonnen Müll. Jeden Tag stellt er 240.000 Autos her und vernichtet 400 lebende Arten. Jedes Jahr überlässt er fast neun Millionen Kinder unter fünf Jahren dem Tod und zerstört 13 Millionen Hektar Wald. 

Der Mensch scheint den Glauben dem Wissen vorzuziehen. Das Haben dem Sein. Das Bild vom Glück dem Glück selbst. Er meint alles zu beherrschen und beherrscht nicht einmal sich selbst. 

Er hat als einzige Art die Fähigkeit entwickelt seine eigene Umwelt zu zerstören - ohne die Weisheit zu entwickeln dies nicht zu tun. Der Mensch, unreif und unmündig, ist zum Besten wie zum Schlimmsten fähig. Wird er das Alter der Vernunft erreichen, bevor er sein eigenes Haus niedergebrannt hat?



Die Reihe "Überschätzte Spezies" stellt in zehn kurzen Filmen das Selbstverständnis der Menschheit in Frage. Die Sichtweise "überlegene Art" zu sein, gerät genauso ins Wanken, wie das Vertrauen darauf, künftige Herausforderungen einfach wie bisher zu meistern.

Die Filme legen offen, dass von Außen betrachtet, der Mensch eigentlich sich selbst und seine Umwelt bekämpft. Der sog. Naturzustand, in dem sich ideengeschichtlich ständig alle gegenseitig bedrohten, ist einer Ordnung gewichen, in der die Illusion von Gerechtigkeit und einer Logik der Angemessenheit einen fragilen zivilisatorischen Rahmen bildet, der es ermöglicht über die Zerstörung der eigenen Lebensgrundlagen und Ausbeutung anderer hinwegzusehen. 

Sonntag, 3. Februar 2019

So viel kostet ein Krieg

Es gibt einige Studien, die sich mit den (finanziellen) Kosten von Kriegen beschäftigen. Ganz aktuell ist die Veröffentlichung des Projekts "Costs of War". In dieser geben die Wissenschaftler*innen die Aufwendungen der USA seit dem 11. September 2001 für den sog. Kampf gegen den Terror an. Und nennen dabei folgende Zahl:

5,9 Billionen US-Dollar

Das ist ungefähr das Doppelte des Bruttoinlandsprodukt Deutschlands. Oder das 17-fache der jährlichen Gesundheitsausgaben in Deutschland. Oder ein Drittel des gesamten BIP der USA. Bis 2023 sollen die Ausgaben weiter auf 6,7 Billionen US-Dollar ansteigen.

Interessant bei den Zahlen sind vor allem die Abweichungen zu den offiziellen Verlautbarungen des U.S.-Verteidigungsministeriums und zu welchen Ergebnissen, die hohen Ausgaben geführt haben:
"Annährend vier mal so viele Militante (mit einem sunnitischen Hintergrund) sind heute weltweit aktiv wie zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September 2001. Daran haben fast zwei Jahrzehnte U.S.-geführter Militäroperationen, die Al-Qaida oder den Islamischen Staat zum Ziel hatten, nichts geändert."

Samstag, 2. Februar 2019

Krieg im Ohr

Bewegte Bilder sind in der Lage Kriege und Konflikte eindringlich einzufangen. Der neue Film von Peter Jackson "They Shall Not Grow Old" beweist das eindrucksvoll. Die restaurierten Aufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg vermitteln eine Unmittelbarkeit, die es bisher selten zu sehen gab.


Doch oftmals stoßen auch Bilder an Grenzen, dann nämlich, wenn das eigentliche Grauen außerhalb des Schlachtfelds liegt oder entgrenzte Konflikte ohne klaren Frontverlauf und ständige Scharmützel sich einer visuellen Darstellung entziehen. 
Im Folgenden ein paar Hinweise auf Hörstücke, die sich mit Kriegen, Konflikten und deren Akteuren beschäftigen. Viele sind dauerhaft bzw. langfristig verfügbar, manche nur begrenzt. Sie lassen sich aber downloaden und für ein späteres Anhören speichern.


Zum Wesen des Krieges 

Krieg für Anfänger
Ca. 54 Minuten - Aus Geschichten und Filmen weiß Henrik von Holtum, dass Krieg schrecklich ist, aber er hat keine Ahnung, wie Krieg zu verstehen ist. Um das zu ändern, legt er eine Uniform an, lässt sich Befehle geben, Vor- und Feindbilder zeigen und feuert eine Waffe ab.

Vietnam Tapes - die Tonaufnahmen eines jungen Soldaten
Ca. 45 Minuten - Vietnam Tapes - Die Kriegsaufzeichnungen des Michael A. Baronowski | Ein junger Soldat im Vietnamkrieg macht Tonbandaufnahmen, es sind akustische Briefe an seine Familie. Sie dokumentieren eindrücklich das Leben in Schützengräben, die Freundschaft mit Kameraden und Gefechtehtshandlungen.

Im Krieg und danach 
Ca. 50 Minuten - Ein Krieg beginnt lange vor dem ersten Schuss. Und er ist noch lange nicht vorbei, bloß weil die Waffen irgendwann wieder schweigen.

Zwei Kindersoldaten und der Internationale Strafgerichtshof - Zwei Opfer, ein Täter 
Ca. 52 Minuten - Zwei Jungen werden von einer ugandischen Miliz verschleppt und als Kindersoldaten rekrutiert. Jetzt steht der eine als Kriegsverbrecher vor dem Internationalen Strafgerichtshof - der andere arbeitet für die Institution.
 
Ca. 20 Minuten - Wer Krieg führt, versucht nicht nur die Schlachten auf dem realen Feld für sich zu entscheiden, sondern auch die auf dem Feld der Desinformation. Längst ist es Usus, die Informationspolitik in die Hände professioneller PR-Agenturen zu legen.

Kaputte Krieger
Ca. 54 Minuten - Soldaten der Bundeswehr, die von Auslandseinsätzen zurückkehren, leiden immer häufiger an einer "Posttraumtischen Belastungsstörung". Wie gehen Betroffene und Angehörige damit um?

Krieg im Kopf - Wenn US-Soldaten nach Hause kommen
Ca. 25 Minuten - Im Schnitt bringt sich in den USA fast jede Stunde ein Kriegsveteran um. Weit entfernt von Afghanistan, Irak oder Afrika können viele Rückkehrer mit ihrem neuen, ruhigen Leben in der sicheren Heimat keinen Frieden schließen. Betroffene Familien und gemeinnützige Organisationen suchen daher nach eigenen Wegen, der Soldatenseele wieder Ruhe zu geben.

Die zwei Welten des Otto Dix - Kriegstriptychon
Ca. 45 Minuten - 23-jährig zog Otto Dix in den Ersten Weltkrieg. Patriotismus trieb ihn weniger als Neugier. Was er sah, überstieg seine Fantasie - dennoch saß er stoisch im Schützengraben, skizzierte, aquarellierte sogar. Das berühmteste Resultat dieser Eindrücke ist das Triptychon "Der Krieg" 


Regionen
Ca. 25 Minuten - Ende Oktober stürmten in der Provinz Nangarhar afghanische Spezialeinheiten drei Häuser eines Dorfes: 14 Zivilisten starben, darunter Kinder. Razzien dieser Art häufen sich, teils auch durchgeführt von US-Soldaten. Die Folge: Hass und Radikalisierung. 

Kriegsreporter Carsten Stormer - "Das ganze Land Syrien ist kaputt!"
Ca. 40 Minuten - Carsten Stormer war in den vergangenen Jahren immer wieder in Syrien - als Kriegsreporter.  Dort hat er Traumatisches erlebt.

4 Jahre Krieg - Was geht uns der Jemen an?
Ca. 25 Minuten - Der Krieg im Jemen geht uns nichts an? Doch. Er geht uns etwas an. Denn dort sind deutsche Kriegswaffen im Einsatz. Trotz Exportverboten. Wie schafft die deutsche Rüstungsindustrie das?

Vergessen und verhungert - Was geht uns der Krieg im Jemen an?
Ca. 45 Minuten - Mit erschreckenden Bildern erreicht uns die humanitäre Katastrophe im Jemen. Seit Jahren kämpfen dort vom Iran unterstützte Milizen gegen von Saudi-Arabien gestützte Truppen. Leidtragende sind Millionen Kinder.

Die Drogenbarone von Mali - Ein Feature über Kriegstreiber und eine Friedensmission
Ca. 50 Minuten - Die UN-Mission in Mali ist die gefährlichste der Welt. Deutschland beteiligt sich daran mit bis zu 1000 deutschen Soldaten. Die Bundesregierung erklärt das Engagement mit der Notwendigkeit, gegen den internationalen Terrorismus und gegen Menschenschmuggel zu kämpfen. Trotz der internationalen Militärpräsenz und trotz eines Friedensabkommens hat sich die Sicherheitslage in den vergangenen zwei Jahren verschlechtert und die Umsetzung des Friedensabkommens stockt. Kann eine UN-Mission tatsächlich erfolgreich sein, wenn sie zwar schießen, aber nicht gegen Kriminelle und Terroristen vorgehen darf, wenn die den Friedensprozess torpedieren?

Folterkammer Eritrea - Ein Feature über die Finanzierung einer Diktatur
Ca. 50 Minuten - Sie wollen von Afrika über das Mittelmeer nach Europa, zur Not mit Fischer- oder Schlauchboot. Oft endet ihre Flucht in einer Tragödie und die meisten Opfer stammen aus Eritrea. Das Land gilt als das "Nordkorea" Afrikas. (...) Die EU will die Regierung mit Millionenbeträgen unterstützen, um den Exodus zu stoppen. Aber das Regime profitiert selbst von der Massenflucht und die eigenen Militärs betätigen sich angeblich als Schlepper und Schmuggler. Warum finanziert Europa eine Diktatur?


Neue Kriege/Rüstung
 
Krieg mit autonomen Waffen
Ca. 25 Minuten - Autonome Kampfdrohnen oder Panzer - werden "selbst denkende" Maschinen bald Einzug halten in bewaffnete Konflikte? Sinkt damit die Schwelle zum nächsten Krieg?

Krieg der Roboter
Ca. 45 Minuten - Es diskutieren: Dr. Marcel Dickow - Forschungsgruppenleiter Sicherheitspolitik, Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin, Prof. Dr. Joachim Hertzberg - Universität Osnabrück, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, Dr. Frank Sauer - Politikwissenschaftler, Universität der Bundeswehr, München.

Kosten des Krieges
3-teiliges Feature - In Irak, Syrien, Libyen, Mali, Afghanistan, Jemen, Somalia: Überall wo gekämpft wird, stellt sich die Frage, wo kommen die Waffen her und wie kamen sie dorthin? Wer bezahlt und wer kassiert? Woher haben Terrormilizen, Brigaden und marodierende Armeen die Mittel, sich Waffen zu kaufen?

Mein erster Cyberkrieg - Die Nato probt den Ernstfall
Ca. 53 Minuten - "Locked Shields" ist die größte Cyber-Kriegsübung der Welt. Nato-Staaten, Universitäten aber auch große Firmen nehmen teil. 2017 waren etwa 800 Menschen dabei - Soldaten, IT-Experten, Diplomaten, Juristen, aber auch Journalisten. Unter ihnen, der Autor.


Historisch
  
Ca. 50 Minuten - Vortrag von Jochen Oltmer über Kriegsgefangenschaft und ihre Auswirkungen auf die Soldaten. Diese waren nicht nur europaweit, sondern auch weltweit ein Thema - auch viele Jahre nach Beendigung der Kriegshandlungen.

Kriegspost einer rheinischen Großfamilie
Ca. 20 Minuten - Als der Erste Welt Weltkrieg begann, starteten zwei Kölner Brüder ein ungewöhnliches Projekt: Alle Briefe und Postkarten der Großfamilie wurden gesammelt, vervielfältigt und an alle Angehörigen verschickt - bis 1918. 

Über die Liebe im Krieg - Hoffentlich wirst Du von Gottes Hand beschützt!
Ca. 55 Minuten - Zwei Bauern müssen in den Krieg. Der Ältere verreckt in einem Schützengraben bei Spa. Sein Sohn brennt darauf, ihn zu rächen und meldet sich an die Westfront. – In ihrem Elternhaus findet die Autorin ein Päckchen mit der Aufschrift „Feldpost“ und liest die Kriegsgeschichte ihrer Familie.
 
Das Tal der Gefallenen
Ca. 45 Minuten - Die Verbrechen der spanischen Franco-Diktatur sind bis heute ungesühnt, die Täter straffrei wegen des Amnestiegesetzes von 1977. Doch inzwischen wird in Spanien über den Umgang mit der faschistischen Vergangenheit heftig gestritten.  
 
Liebesbriefe von NVA-Soldaten

Ca. 25 Minuten - Für NVA-Soldaten waren Briefe der einzige Kontakt zur Außenwelt. Sie erzählen von Freiheitsverlust, Heimweh und Drill. 
 
Vietnamkrieg: Das Massaker von My Lai
Ca. 35 Minuten - Am 16. März 1968 begehen US-Soldaten ein Massaker in dem vietnamesischen Dorf My Lai. Auf der Suche nach Kämpfern des Vietcong töten sie über 500 Zivilisten. 

Samstag, 29. Dezember 2018

Was Krieg bedeutet - Zum Tode von Amos Oz

Zum Tode von Amos Oz zeigt ARTE eine Dokumentation mit Zeitzeugnissen, die fast 50 Jahre von der "Zensur" zurückgehalten wurden: Der Schriftsteller begab sich 1967 nach dem Sechstagekrieg in die Kibbuze Israels und befragte Soldaten zu ihren Erlebnissen. Sie erzählten, was Krieg bedeutet - in einem universellen Sinne. Bis 2015 blieben sie unter Verschluss.

Bis 09. Januar 2019 in der Mediathek.