Donnerstag, 19. November 2020

Krieg im Ohr - Podcasts und Hörstücke über Orte, Formen und Schicksale von Konflikten

Bewegte Bilder sind in der Lage Kriege und Konflikte eindringlich einzufangen. Der neue Film von Peter Jackson "They Shall Not Grow Old" beweist das eindrucksvoll. Die restaurierten Aufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg vermitteln eine Unmittelbarkeit, die es bisher selten zu sehen gab.

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Doch oftmals stoßen auch Bilder an Grenzen, dann nämlich, wenn das eigentliche Grauen außerhalb des Schlachtfelds liegt oder entgrenzte Konflikte ohne klaren Frontverlauf und ständige Scharmützel sich einer visuellen Darstellung entziehen.

Im Folgenden ein paar Hinweise auf Hörstücke, die sich mit Kriegen, Konflikten und deren Akteuren beschäftigen. Viele sind dauerhaft bzw. langfristig verfügbar, manche nur begrenzt. Sie lassen sich aber downloaden und für ein späteres Anhören speichern.


Zum Wesen des Krieges 

Krieg für Anfänger
Ca. 54 Minuten - Aus Geschichten und Filmen weiß Henrik von Holtum, dass Krieg schrecklich ist, aber er hat keine Ahnung, wie Krieg zu verstehen ist. Um das zu ändern, legt er eine Uniform an, lässt sich Befehle geben, Vor- und Feindbilder zeigen und feuert eine Waffe ab.
 
4 Folgen á 40 Minuten - Karfreitag 2010: Über acht Stunden lang liefern sich Fallschirmjäger aus Niedersachsen nahe Kundus ein Gefecht mit Taliban - das wohl schwerste in der Geschichte der Bundeswehr. Drei Deutsche sterben, acht werden verletzt. Die Bundesregierung spricht erstmals von Krieg. Kämpfen und Töten, Verwundung und Sterben gehören nun zur Bundeswehr. Die Ex-Korrespondenten Christoph Heinzle und Kai Küstner erzählen die Lebensgeschichten Beteiligter und zeichnen den grundlegenden Wandel der Bundeswehr in einer vierstündigen Serie nach.
 
Guter Krieg, böser Krieg - Grenzen außenpolitischer Einmischung
48 Minuten - Wo liegen die Grenzen der Einmischung, wenn in Afrika, im Nahen Osten oder in Europa ein bewaffneter Konflikt tobt? Mal setzen wir aufs Militär, mal auf Dialog. Dossier Politik hinterfragt den Stellenwert von Krisendiplomatie u.a. in Zeiten von Trump, Putin und Co.

Vietnam Tapes - die Tonaufnahmen eines jungen Soldaten
Ca. 45 Minuten - Vietnam Tapes - Die Kriegsaufzeichnungen des Michael A. Baronowski | Ein junger Soldat im Vietnamkrieg macht Tonbandaufnahmen, es sind akustische Briefe an seine Familie. Sie dokumentieren eindrücklich das Leben in Schützengräben, die Freundschaft mit Kameraden und Gefechtehtshandlungen.

Im Krieg und danach 
Ca. 50 Minuten - Ein Krieg beginnt lange vor dem ersten Schuss. Und er ist noch lange nicht vorbei, bloß weil die Waffen irgendwann wieder schweigen.

Zwei Kindersoldaten und der Internationale Strafgerichtshof - Zwei Opfer, ein Täter 
Ca. 52 Minuten - Zwei Jungen werden von einer ugandischen Miliz verschleppt und als Kindersoldaten rekrutiert. Jetzt steht der eine als Kriegsverbrecher vor dem Internationalen Strafgerichtshof - der andere arbeitet für die Institution.
 
Ca. 20 Minuten - Wer Krieg führt, versucht nicht nur die Schlachten auf dem realen Feld für sich zu entscheiden, sondern auch die auf dem Feld der Desinformation. Längst ist es Usus, die Informationspolitik in die Hände professioneller PR-Agenturen zu legen.

Kaputte Krieger
Ca. 54 Minuten - Soldaten der Bundeswehr, die von Auslandseinsätzen zurückkehren, leiden immer häufiger an einer "Posttraumtischen Belastungsstörung". Wie gehen Betroffene und Angehörige damit um?

Krieg im Kopf - Wenn US-Soldaten nach Hause kommen
Ca. 25 Minuten - Im Schnitt bringt sich in den USA fast jede Stunde ein Kriegsveteran um. Weit entfernt von Afghanistan, Irak oder Afrika können viele Rückkehrer mit ihrem neuen, ruhigen Leben in der sicheren Heimat keinen Frieden schließen. Betroffene Familien und gemeinnützige Organisationen suchen daher nach eigenen Wegen, der Soldatenseele wieder Ruhe zu geben.

Die zwei Welten des Otto Dix - Kriegstriptychon
Ca. 45 Minuten - 23-jährig zog Otto Dix in den Ersten Weltkrieg. Patriotismus trieb ihn weniger als Neugier. Was er sah, überstieg seine Fantasie - dennoch saß er stoisch im Schützengraben, skizzierte, aquarellierte sogar. Das berühmteste Resultat dieser Eindrücke ist das Triptychon "Der Krieg" 


Regionen
54 Minuten - Der junge deutsch-vietnamesische Filmemacher Duc Ngo Ngoc gewinnt bei einer Pressereise des vietnamesischen Militärs ungewöhnliche Einblicke in den Umgang mit den umstrittenen Spratly-Inseln. Der schwelende Konflikt im südchinesischen Meer gilt seit Jahren als einer der gefährlichsten der Region. Insgesamt sechs Staaten erheben Besitzansprüche. Allen voran China und Vietnam. Es geht um Handelsrouten, mögliche Ölquellen und die militärische Vormachtstellung. Für die Soldaten sind die Spratly-Inseln eine Einöde. Sie erwarten Krieg.
 
Ca. 25 Minuten - Ende Oktober stürmten in der Provinz Nangarhar afghanische Spezialeinheiten drei Häuser eines Dorfes: 14 Zivilisten starben, darunter Kinder. Razzien dieser Art häufen sich, teils auch durchgeführt von US-Soldaten. Die Folge: Hass und Radikalisierung. 

Kriegsreporter Carsten Stormer - "Das ganze Land Syrien ist kaputt!"
Ca. 40 Minuten - Carsten Stormer war in den vergangenen Jahren immer wieder in Syrien - als Kriegsreporter.  Dort hat er Traumatisches erlebt.

4 Jahre Krieg - Was geht uns der Jemen an?
Ca. 25 Minuten - Der Krieg im Jemen geht uns nichts an? Doch. Er geht uns etwas an. Denn dort sind deutsche Kriegswaffen im Einsatz. Trotz Exportverboten. Wie schafft die deutsche Rüstungsindustrie das?

Vergessen und verhungert - Was geht uns der Krieg im Jemen an?
Ca. 45 Minuten - Mit erschreckenden Bildern erreicht uns die humanitäre Katastrophe im Jemen. Seit Jahren kämpfen dort vom Iran unterstützte Milizen gegen von Saudi-Arabien gestützte Truppen. Leidtragende sind Millionen Kinder.

Die Drogenbarone von Mali - Ein Feature über Kriegstreiber und eine Friedensmission
Ca. 50 Minuten - Die UN-Mission in Mali ist die gefährlichste der Welt. Deutschland beteiligt sich daran mit bis zu 1000 deutschen Soldaten. Die Bundesregierung erklärt das Engagement mit der Notwendigkeit, gegen den internationalen Terrorismus und gegen Menschenschmuggel zu kämpfen. Trotz der internationalen Militärpräsenz und trotz eines Friedensabkommens hat sich die Sicherheitslage in den vergangenen zwei Jahren verschlechtert und die Umsetzung des Friedensabkommens stockt. Kann eine UN-Mission tatsächlich erfolgreich sein, wenn sie zwar schießen, aber nicht gegen Kriminelle und Terroristen vorgehen darf, wenn die den Friedensprozess torpedieren?

Folterkammer Eritrea - Ein Feature über die Finanzierung einer Diktatur
Ca. 50 Minuten - Sie wollen von Afrika über das Mittelmeer nach Europa, zur Not mit Fischer- oder Schlauchboot. Oft endet ihre Flucht in einer Tragödie und die meisten Opfer stammen aus Eritrea. Das Land gilt als das "Nordkorea" Afrikas. (...) Die EU will die Regierung mit Millionenbeträgen unterstützen, um den Exodus zu stoppen. Aber das Regime profitiert selbst von der Massenflucht und die eigenen Militärs betätigen sich angeblich als Schlepper und Schmuggler. Warum finanziert Europa eine Diktatur?


Neue Kriege/Rüstung

Krieg der Welten 2050 - realistische Vision vom Krieg der Zukunft
52 Minuten - Die Zukunftsforscher George Friedman und Karlheinz Steinmüller stellen Thesen für ein Kriegsszenario der Zukunft auf. Flankiert werden die von den Visionen des Autors Stanislaw Lem. Es entsteht eine Weltkriegsgeschichte, die morgen schon wahr sein könnte.
 
Krieg mit autonomen Waffen
Ca. 25 Minuten - Autonome Kampfdrohnen oder Panzer - werden "selbst denkende" Maschinen bald Einzug halten in bewaffnete Konflikte? Sinkt damit die Schwelle zum nächsten Krieg?

Krieg der Roboter
Ca. 45 Minuten - Es diskutieren: Dr. Marcel Dickow - Forschungsgruppenleiter Sicherheitspolitik, Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin, Prof. Dr. Joachim Hertzberg - Universität Osnabrück, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, Dr. Frank Sauer - Politikwissenschaftler, Universität der Bundeswehr, München.

Kosten des Krieges
3-teiliges Feature - In Irak, Syrien, Libyen, Mali, Afghanistan, Jemen, Somalia: Überall wo gekämpft wird, stellt sich die Frage, wo kommen die Waffen her und wie kamen sie dorthin? Wer bezahlt und wer kassiert? Woher haben Terrormilizen, Brigaden und marodierende Armeen die Mittel, sich Waffen zu kaufen?

Mein erster Cyberkrieg - Die Nato probt den Ernstfall
Ca. 53 Minuten - "Locked Shields" ist die größte Cyber-Kriegsübung der Welt. Nato-Staaten, Universitäten aber auch große Firmen nehmen teil. 2017 waren etwa 800 Menschen dabei - Soldaten, IT-Experten, Diplomaten, Juristen, aber auch Journalisten. Unter ihnen, der Autor.


Historisch
  
Ca. 50 Minuten - Vortrag von Jochen Oltmer über Kriegsgefangenschaft und ihre Auswirkungen auf die Soldaten. Diese waren nicht nur europaweit, sondern auch weltweit ein Thema - auch viele Jahre nach Beendigung der Kriegshandlungen.

Kriegspost einer rheinischen Großfamilie
Ca. 20 Minuten - Als der Erste Welt Weltkrieg begann, starteten zwei Kölner Brüder ein ungewöhnliches Projekt: Alle Briefe und Postkarten der Großfamilie wurden gesammelt, vervielfältigt und an alle Angehörigen verschickt - bis 1918. 

Über die Liebe im Krieg - Hoffentlich wirst Du von Gottes Hand beschützt!
Ca. 55 Minuten - Zwei Bauern müssen in den Krieg. Der Ältere verreckt in einem Schützengraben bei Spa. Sein Sohn brennt darauf, ihn zu rächen und meldet sich an die Westfront. – In ihrem Elternhaus findet die Autorin ein Päckchen mit der Aufschrift „Feldpost“ und liest die Kriegsgeschichte ihrer Familie.
 
Das Tal der Gefallenen
Ca. 45 Minuten - Die Verbrechen der spanischen Franco-Diktatur sind bis heute ungesühnt, die Täter straffrei wegen des Amnestiegesetzes von 1977. Doch inzwischen wird in Spanien über den Umgang mit der faschistischen Vergangenheit heftig gestritten.  
 
Liebesbriefe von NVA-Soldaten

Ca. 25 Minuten - Für NVA-Soldaten waren Briefe der einzige Kontakt zur Außenwelt. Sie erzählen von Freiheitsverlust, Heimweh und Drill. 
 
Vietnamkrieg: Das Massaker von My Lai
Ca. 35 Minuten - Am 16. März 1968 begehen US-Soldaten ein Massaker in dem vietnamesischen Dorf My Lai. Auf der Suche nach Kämpfern des Vietcong töten sie über 500 Zivilisten. 

Donnerstag, 5. November 2020

Krieg ist langweilig!

Gefechte in und um Bergkarabach, der Einsatz von Drohnen, der Beschuss ziviler Wohnviertel - all das generiert Bilder, die zur Zeit in aller Munde und Augen sind. Doch gleichzeitig ist der Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien überhaupt nicht neu. Oder kämpfen im Jemen seit fast einem Jahrzehnt Fraktionen gegeneinander. In Syrien fallen regelmäßig Bomben, obwohl der Konflikt schon länger in unseren Breiten als irgendwie befriedet betrachtet wird. 

Das zeigt: Krieg ist langweilig, oder wird langweilig und verursacht bei den Menschen nach und nach Überdruss. Zu viel schlechte Vibes, dabei ist doch alles im näheren Umfeld schon deprimierend genug (im echten Nahbereich meist nicht, doch dieser Widerspruch fällt Vielen hier gar nicht mehr auf). Dieses Nichtsehenwollen und auch eine Übersättigung was Konflikte und Elendsbilder angeht (auch wenn man argumentieren kann, dass es auf der anderen Seite viel zu wenig davon gibt, nur die Wenigsten irgendeine Vorstellung haben, wie schmutzig, wie erschreckend und herzzerreißend die Schicksale von Menschen im Krieg sind), ist ein Problem. Ein Problem, wenn es darum geht, Menschen für außenpolitische Entwicklungen zu interessieren und nicht erst Empörung, Empathie oder Interesse zu zeigen, wenn die Ausläufer globaler Phänomene z.B. auf einem Weihnachtsmarkt sichtbar werden.

Aus diesem Grund wagt das Portal The New Humanitarian einen Versuch: Berichte vom Frieden. Nachrichten aus Staaten, in denen Friedensprozesse laufen oder abgeschlossen wurden und die Waffen schweigen. Und weil man Frieden eben nicht nur als Abwesenheit von Krieg definieren kann, ergeben sich viele neue Lehren aus dieser Bertrachtungsweise. Außerdem - und so wären wir wieder beim Anfang - lassen sich positive Bilder generieren, die Fortschritt zeigen. Echten zivilisatorischen Fortschritt könnte man sagen, ein Fortschritt, der über technische Entwicklungen oder Wachstumszahlen hinausreicht und demonstriert, wie sich Zusammenleben entwickeln und besser gestalten lässt. Beispiele gibt es genug:

 

Quelle: Screenshot The New Humanitarian
 

Ob Myanmar oder Afghanistan, meistens werden von dort Tote vermeldet, Kämpfe mit Bildern unterlegt. Die Annäherung und Versöhnung geht eher unter, mehr als ein Vertragsschluss oder ein Nobelpreis schaffen es selten in die Berichterstattung, sie erzeugen schlicht keinen Nachrichtenwert mehr. Natürlich kann (und muss) man sagen, dass Afghanistan weit von einem dauerhaften und belastbaren Frieden entfernt ist.  

Quelle: Screenshot The New Humanitarian
 

Dennoch gibt es Versöhnungsprozesse und Akteure, die den Konfliktzustand nicht mehr hinnehmen wollen. Oft engagieren sie sich unter dem Einsatz ihres Lebens, denn - auch das lehrt Portal "Beyond the bang-bang: Reporting from the front lines of peace" -Friedens- und Versöhnungsprozesse sind fragil. Noch ein Grund mehr, ihnen unsere Aufmerksamkeit zu schenken.

Samstag, 18. Juli 2020

Was wäre wenn... "Die Bombe über Berlin"

75 Jahre ist es her, dass die USA zwei Atombomben über Japan zündeten (zur historischen Debatte mehr hier). Doch insgesamt wurden zwischen 1945 und 1998 mehr als 2.000 Atomsprengköpfe gezündet (beeindruckend aufbereitet im unteren Video).


Zum "Ernstfall" kam es nicht mehr, doch vor allem nach 1962 nahmen die Tests massiv zu. Kaum jemand mag sich wirklich vorstellen, dass es nochmal zum Einsatz einer Atombombe kommen könnte. Doch die Verhandlungen mit Iran, oder die Diskussionen über den Ukraine-Konflikt zeigen (z.B. hier und hier), dass Atomwaffen weiterhin ein Teil der globalen Außen- und Sicherheitspolitik sind.

Ein "zeithistorischer Thriller" über einen Unfall in einem Atomwaffensilo der USA, der um ein Haar mehrere amerikanische Großstädte vernichtet hätte, zeigt wie groß das Risiko von nuklearen Waffen auch in sog. Friedenszeiten ist (auf ARTE ist das Video bis zum 18.09.2020 verfügbar):





Doch was würde eigentlich geschehen, wenn heute ein Atomsprengkopf über einer Metropole gezündet würde? Mit der Nukemap lässt sich das von Boston bis Tel Aviv grafisch darstellen. Welche Auswirkungen eine Bombe über Berlin hätte, zeigen folgende Bilder:

Nagasaki-Bombe: Tote von Mitte bis Schöneberg



Hier die Wirkung einer Bombe mit der Sprengkraft der Fat Man, der Bombe von Nagasaki. Mehr als 50.000 Tote und 170.000 Verletzte wären die Folge, Strahlungsschäden gäbe es von Mitte bis Schöneberg. 

"Standardbombe": Ähnlicher Radius - mehr Tote



Bei der Fat Man handelte es sich um einen relativ kleinen Sprengkopf, die "Standard-Bombe" im Arsenal der US-Armee hätte bei einem Abwurf über Berlin Mitte (Zündung in der Luft) schon mehr als 165.000 Tote zur Folge, mehr als eine weitere halbe Millionen Menschen würden zum Opfer eines solchen Sprengsatzes. Das zweite Bild zeigt auf der rechten Seite die Auswirkungen in den einzelen Zonen. 

H-Bomb: Zerstörung vom Reichstag bis Schloss Sanssouci



Nach der Entwicklung der ersten Atombombe, wurden schnell weitere Kernwaffen entwickelt. Die H-Bombe ist keine Waffe, die ausschließlich auf Kernspaltung basiert, sondern mit Hilfe der Kernfusion verstärkt wird. Eine hybride Bombe also. Ihre Wirkung wäre weit verheerender und würde ganz Berlin, Potsdam und Teile des Umlandes auslöschen. Hier würden nach der Kalkulation einer Explosion einer H-Bombe mit etwa 10 Megatonnen fast 2,5 Millionen Menschen den Tod finden, weitere eine Millionen Menschen verletzt werden. 

Mehr.

Kaputte Krieger

Posttraumatische Belastungsstörungen und andere Kriegsfolgen sind kein echtes Tabuthema mehr. Doch die öffentliche Aufmerksamkeit ist gering und Soldat:innen selbst sprechen ungern darüber. Das Radiofeature "Kaputte Krieger" lässt Bundeswehr-Soldat:innen zu Wort kommen, Sie schildern eindringlich wie sie nach Kampfeinsätzen mit diesen Traumata (versuchen zu) leben.

Sonntag, 3. Mai 2020

Coronavisionen

Etwas off-topic, gleichzeitig natürlich nicht, denn gibt es noch etwas anderes als die Auseinandersetzung mit dem Coronavirus? Also. Schon Anfang März und danach immer weiter zunehmend, was die Zahl der Artikel betrifft, haben sich allerlei Personen - Zukunftsforscher, Wirtschaftswissenschaftlerinnen, Twittermenschen, Kolumnistinnen und viele andere - mit der Frage: "Was bleibt von Corona?" beschäftigt. 

Eine äußerst relevante Frage, nicht nur wenn es darum geht, wie man auf eine kommende Pandemie vorbereitet sein wird. Sondern auch bei der Suche nach Antworten, ob die Gesellschaft Lehren aus der aktuellen Situation ziehen wird. Auffällig dabei war, wie schnell viele den Holzhammer zur Hand hatten. "Alles wird anders", die Gesellschaft werde nicht mehr wiederzuerkennen sein, unser Wirtschaftssystem komplett umgebaut werden. Doch ist es so einfach? Ändern sich Dinge von selbst? Werden Pflegekräfte automatisch besser bezahlt, wenn alles vorüber ist? Das (angebliche) große Innehalten der Gesellschaft führt zwingend zu einem Reflektieren unserer Lebensführung? Einigen sich die betroffenen Staaten - also alle - darauf, dass Pandemieschutz wichtiger ist als Aufrüstung (um hier mal die inhaltliche Kurve zu kriegen)? 

Schon die Wirtschafts- und Finanzkrise, die teilweise ähnliche Herausforderungen geschaffen hat und ein Umdenken hätte nach sich ziehen können oder müssen, war schneller vergessen als uns lieb sein konnte. Auch die Phrase vom Ausnahmezustand der Normalzustand wird, ist angesichts von keinen acht Wochen, die mit einigen Einschränkungen einhergehen (die manche äußerst hart treffen, vielen völlig egal sein können), für eine realistische Bestandsaufnahme kaum hilfreich, um konkrete Veränderungen anzustoßen. Daher hier mal eine Sammlung mit Utopien, Dystopien, treffenden Zustandsbeschreibungen, blödsinningen Prognosen, interessanten Ideen und stumpfen Wiederholungen der ewig alten Phrasen, die nun eben mit dem Corona-Mäntelchen behängt werden.

Montag, 27. April 2020

Deutschland führt! (Bei Steigerung der Rüstungsausgaben)

Die Ausgaben für die Militärs steigen weiter. Das ist keine Überraschung. Bemerkenswert jedoch ist, dass keines "der führenden 15 Länder seine Militärausgaben prozentual so stark erhöht wie Deutschland". Insgesamt wurden 2019 fast 2 Billionen US-Dollar in Rüstungsgüter investiert. Deutschland liegt mit Frankreich auf Platz 6 und gab insgesamt 49,3 Milliarden US-Dollar aus. 

Quelle: SIPRI

Nun kann man sagen, dass Deutschland damit immer noch deutlich unter dem sog. "Zwei Prozent-Ziel" liege und auch Russland seine Rüstungsausgaben steigere (bzw. es versucht). Aber es zeigt auch, dass offenbar kein Land es versucht oder für nötig hält die Logik einer stetigen Aufrüstung zu durchbrechen. Diese Tatsache ist gut erklär- und nachvollziehbar: "Im Falle der angespannten Situation zwischen den USA und China wissen wir beispielsweise nicht, ob es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung kommen wird. Aber die Militärs dieser beiden Länder planen für diesen Fall und sind in ihrer Lobbyarbeit sehr erfolgreich." Hoffnungsvoll stimmt dies allerdings nicht, und lässt die Frage offen, ob es sich nicht lohnen würde Anstrengungen zu unternehmen diese Spirale zu stoppen und sich um Abrüstung zu bemühen. Daneben wäre es ein wichtiger Schritt die Entwicklung und und den Einsatz KI-gesteuerter (autonomer) Waffensysteme zu regulieren.

Dazu aktuell "iHuman" (bis 19.07.2020):