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Mittwoch, 12. November 2014

"Sechs am Tag": Studie geht von mehr als 11.000 Toten durch brasilianische Polizei innerhalb von fünf Jahren aus

Eine Studie der Nichtregierungsorganisation Brazilian Forum on Public Safety geht davon aus, dass zwischen 2009 und 2013 mehr als 11.000 Menschen durch brasilianische Sicherheitskräfte getötet wurden. Das sind sechs Tote pro Tag. Zum Vergleich, die US-Polizei tötete innerhalb von 30 Jahren eine ähnliche Zahl an Menschen. 

Mitglieder der brasilianischen Spezialeinheit Comando de Operações Táticas (COT) bei einer Übung. Photo Credits: André Gustavo Stumpf, via flickr.com

Rio de Janeiro ist der Bundesstaat mit den meisten Opfern. Mehr als 400 Menschen wurden dort im Jahr 2013 durch die Polizei getötet. Trotz der Bemühungen der Politik, mit einem umfassenden Ansatz die Kriminalität und Gewalt zurückzudrängen und Gebiete dauerhaft zu befrieden, flammt immer wieder Gewalt auf. Diese wird dann zum Teil mit äußerst brutalen Mitteln beantwortet und hält so die Gewaltspirale in Gang. Immer wieder gibt es Berichte über außergerichtliche Tötungen, d.h. Racheakte von Sicherheitskräften oder die Ermordung von bereits verhafteten Verdächtigen.

Auch die Zahl der Morde bleibt in Brasilien extrem hoch. So wurden im vergangenen Jahr mehr als 50.000 Menschen Opfer eines Mordes, das entspricht einer Tötung alle zehn Minuten. Dabei zeigen sich auch deutliche  sozioökonomische und ethnische Muster. 70 Prozent der Mordopfer waren Schwarz, mehr als die Hälfte zwischen 15 und 29 Jahre alt.

Sonntag, 13. November 2011

Brasilien macht sich schön für die WM

Mit einer großangelegten Polizei- und Militäraktion, welche öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt wurde, versuchen die brasilianischen Behörden an diesem Wochenende den Drogenhandel in Rio de Janeiro zu bekämpfen.




Etwa 2000 schwer bewaffnete Einheiten, flankiert von gepanzerten Militärfahrzeugen und Hubschraubern, sind heute Morgen im Rahmen der "Operation Friedensschock" in die Armensiedlung Rocinha im Süden Rio de Janeiros eingerückt. 

Die Aktion war angekündigt worden, um Widerstand zu vermeiden. Im vergangenen Jahr waren bei einer ähnlichen Aktion in der Favela Complexo do Alemão im Norden Rios etwa 40 Menschen getötet worden. 


Inwiefern diese Taktikveränderung einer Kapitulation gleichkommt, bzw. der Beginn eines stillschweigenden Waffenstillstands ist, bleibt abzuwarten. Die brasilianischen Behörden wollen im Vorfeld der WM 2014 und der Olympischen Spiele 2016 vor allem den Anschein von Ruhe und Ordnung vermitteln. Doch schon im vergangenen Jahr gab es Kritik an dem Vorgehen der Behörden. So schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung im Dezember vergangenen Jahres:

Kritiker der Besetzung dieser Favela-Ansammlung halten diese für einen eher symbolischen Akt, mit dem keineswegs den Umtrieben der untereinander rivalisierenden Drogenbanden Einhalt geboten werde. Die kriminellen Organisationen wie das in dem Komplex operierende „Comando Vermelho“ (Rotes Kommando) verfügten über zahlreiche Möglichkeiten, sich zu reorganisieren. Überdies arbeiteten sie ausgerechnet mit Teilen der Polizei und privaten Sicherheitsorganisationen etwa bei der Beschaffung von Waffen zusammen. Auch werden Zweifel laut, ob die Dauerpräsenz der „Befriedungspolizei“ in den Favelas auf längere Sicht durchzuhalten und zu finanzieren sei. Allein im „Complexo do Alemão“ müssten mehr als 2000 Polizisten stationiert werden. In Rio gibt es mehr als 700 Favelas.

Die Aktion an diesem Wochenende ist dabei nur eine unter vielen. Mitte dieser Woche wurde u.a. der meistgesuchte Drogenboss in Rio Antônio Francisco Bonfim Lopes, genannt "Nem", festgenommen. Auch gegen weitere Drahtzieher wurde vergangene Woche mobil gemacht. Wie gefährlich die Operationen sind, machte der Tod eines Journalisten deutlich. Die schusssichere Weste des Kameramannes wurde von den Geschossen eines schweren Maschinengewehrs zerschlagen und dieser tödlich verwundet.


Wie sehr eine Flankierung der Sicherheitsmaßnahmen Not tut, um wirklich Erfolge im Kampf gegen die Drogenkriminalität erzielen zu können, verdeutlicht eine Aussage eines Mitarbeiters einer lokalen NGO:

“We are relieved, but we are still worried,” said Jorge Barbosa, who works for Observatorio de Favelas, an aid organization that operates in the city’s slums. “We have this experience from the past here in the city where militarized actions turn these communities into theaters of war.”
Barbosa said the key to securing a long-term victory will be holding onto the newly cleared communities, and reaching out to them with more than gun barrels.
“Security has to be followed with other important resources,” he said. “Public health programs, education and culture that guarantees young people a way out of the world of crime.”

Eindrückliche Bilder von der Aktion 2010 finden sich auf den Internetseiten des Boston Globe, hier. 


Zahlen zu den Opfern dieses Drogenkrieges sind nur schwierig zu erheben. Laut Regierungsangaben von 2009 sterben in Brasilien aber pro Jahr etwa 23.000 Menschen bei Morden, die im Zusammenhang mit der Herstellung und dem Handel von Drogen verübt werden.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Drogenkrieg: Brasilianische Sicherheitskräfte töten seit 2003 mehr als 11.000 Menschen


11.000 Tote, diese Zahl steht in einem aktuellen Bericht von Human Rights Watch, der heute vorgestellt wurde. 11.000 Menschen, die von Polizei- und Sondereinheiten der Armee seit 2003 nur in Rio de Janeiro und São Paulo getötet wurden. Natürlich auch im Rahmen der "normalen" Verbrechensbekämpfung gegen schwer bewaffnete Dorgenbanden. Doch in dem Bericht ist auch von organisierten Exekutionen die Rede, die als Antwort auf tote Polizisten, mangelnde Fortschritte, oder auch nur aus Frust begangen werden.


Angehöriger einer brasilianischen Sondereinheit kurz vor einem Einsatz 2007 (Quelle: João Pina)

Angst vor Entdeckung müssen die Beamten dabei kaum haben:
In many purported “resistance” killings and killings by death squads, police officers take steps to cover up the true nature of the killing, and police investigators often fail to take necessary steps to determine what has taken place, helping to ensure that criminal responsibility cannot be established and that those responsible remain unpunished.
Zum Vergleich: in ganz Deutschland wurden seit 2003 weniger als 100 Menschen durch Polizeiwaffen getötet. In Rio de Janeiro wurde im Jahr 2008 einer von 23 Verhafteten getötet, in den USA war es einer von 37.000.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Brasiliens alltäglicher Krieg: 33 Tote seit dem Wochenende in Rio de Janeiro


Bei schweren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Drogenbanden sind seit Beginn des vergangenen Wochenendes 33 Menschen getötet worden.
Die Polizei bekämpft massiv Drogenhändler, die einen Polizeihubschrauber abschossen und dabei drei Beamte töteten. Die Gewalt ist nichts ungewöhnliches in der gerade zum Austragungsort der Olympischen Spiele auserkorenen 6-Millionen-Metropole. Dabei geht die Polizei äußerst brutal gegen Dealer und Hintermänner vor. Fast täglich liefern sich in Rio die Polizei und schwer bewaffnete Drogenbanden Schiessereien. Viele der rund 1000 Armenviertel der Stadt werden von rivalisierenden Drogenbanden beherrscht. Die offizielle Statistik zählt für Rio de Janeiro im vergangenen Jahr rund 6000 Morde. Doch auch die Gewalt zwischen den Gangs eskaliert immer wieder. Viele Zeitungen verbreiteten heute folgendes Bild eines toten mutmaßlichen Drogendealers, das diese Gewaltspirale demonstriert:


Correio Press


Aktuelles Video:



Aktuelle kurze Reportage von der Deutschen Welle vom September 2009: