Posts mit dem Label Opferzahlen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Opferzahlen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 20. April 2019

Opferzahl im Jemen überschreitet 70.000 - Einsatz von europäischen Waffen als offenes Geheimnis

Je nach Statistik, wurde die Schwelle von 70.000 getöteten Menschen im Jemen schon länger überschritten. Nun hat auch das Projekt ACLED mehr als 70.000 Opfer registriert. 

Bemerkenswert dabei ist, dass sich an der Intensität des Konflikts nichts geändert hat - im Gegenteil. In den vergangenen fünf Monaten allein wurden mehr als 10.000 Menschen getötet. Dies stört europäische Regierungen, die sich mit der Frage von Waffenexporten beschäftigen, jedoch nur am Rande, Stichwort: "Europäische Verpflichtungen" (Wäre es nicht schön, wenn in anderen Politikfeldern auch so große Solidarität herrschen würde?). Und europäische Waffenhersteller schon gar nicht. 

Ein Beispiel zum politischen Umgang mit dem Konflikt und dem unvorstellbaren Leid, welches er verursacht, aus Frankreich: 
Ein Geheimdienstbericht, der dem Investigationskonsortium Disclose zugespielt wurde, beweist, dass die französische Regierung über den massiven Einsatz französischer Waffen durch die arabische Koalition im Jemenkrieg informiert ist. 
Der Bericht wurde dem Staatspräsidenten am 3. Oktober 2018 im Elysee-Palast vorgelegt, bei einer Sitzung des Verteidigungsrats in beschränkter Besetzung, mit Verteidigungsministerin Florence Parly, Ministerpräsident Edouard Philippe, sowie Europa- und Außenminister Jean-Yves Le Drian. 
Alle Teilnehmer kennen die 15 Seiten des Berichts des französischen Militärgeheimdienstes (DRM). Er listet alle Waffen auf, die Frankreich an die Vereinigten Arabischen Emirate und an Saudi-Arabien geliefert hat. Waffen, die heute im Jemenkrieg eingesetzt werden.
Quelle: Screenshot disclose.ngo
Auch die folgende Doku (verfügbar bis zum 21. Juni) zeigt, "dass die größten Kriegsmaterialhersteller Europas – Frankreich, Großbritannien, Deutschland - weiter Waffen exportieren, die mit großer Wahrscheinlichkeit im Jemen zum Einsatz kommen. Sie legt den undurchsichtigen Waffenhandel offen und prangert das Versäumnis der EU-Politiker, ihrer Pflicht nachzukommen."

Donnerstag, 28. März 2019

Hohe Zahl von zivilen Opfern im Jemen

Laut aktuellen Zahlen des Projekts @YemenData wurden im Jemen in den vergangenen vier Jahren seit Beginn der Luftangriffe der von Saudi-Arabien angeführten Koalition 17,729 Zivilist*innen getötet. Ein Viertel der Opfer waren Frauen und Kinder.


Insgesamt muss man von 70.000 bis 80.000 zivilen Opfern (seit 2016) ausgehen. 

Freitag, 22. September 2017

Drone bomb me - Drohnenangriffe sind Teil unseres Alltags geworden (auch wenn wir sie nicht beachten)



Afghanistan - 21.09.2017: Mindestens 18 Menschen bei zwei Angriffen auf IS-Kämpfer in Kunar getötet.

Pakistan - 15.09.2017: Mindestens drei mutmaßliche militante Kämpfer in der Kurram Agency getötet. 

Jemen - 15.09.2017: Drei mutmaßliche Al-Qaida Kämpfer bei Angriff in Mudiyah.

Somalia - 13.09.2017: 6 Tote bei drei Drohnenschlägen auf Al-Shabaab.

Dies als kleiner Auszug, der deutlich macht, dass nahezu jede Woche Drohnen irgendwo auf der Welt bewaffnete Angriffe ausführen und normaler Teil der Kriegsführung bzw. der Terrorismusbekämpfung geworden sind. Sie ermöglichen ein offensives Vorgehen, das so lautlos, so unbeachtet und so selbstverständlich vor einigen Jahren noch kaum möglich schien.

Quelle: The Bureau of Investigative Journalism
Nach unvollständigen und zu niedrigen, aber belastbaren Mindestzahlen, wurden mit Hilfe von Drohnen mindestens 4.399 Angriffe ausgeführt, bei denen zwischen 6.791 und 9.870 Menschen getötet wurden. Darunter zwischen 753 und 1.487 Zivilisten, davon 262 bis 331 Kinder.

Das bedeutet, dass der Anteil an zivilen Opfern mindestens acht Prozent beträgt, aber auch bei mehr als 15 Prozent liegen könnte.

Gesamte Übersicht: https://www.thebureauinvestigates.com/projects/drone-war

Montag, 17. Juli 2017

Afghanistan: Mehr als 5.000 Tote und Verletzte im ersten Halbjahr 2017 - Ausgaben der USA haben 1 Billionen US-Dollar Grenze überschritten

“Die menschlichen Kosten dieses schrecklichen Konflikts in Afghanistan - der Verlust von Leben, Zerstörung und das immense Leid - sind viel zu hoch." Mit diesem Satz fasst Tadamichi Yamamoto, der UN Sondergesandte für Afghanistan und Chef der UN-Mission UNAMA die Situation in Afghanistan zusammen. Seit Beginn der Zählung durch die Verenten Nationen Anfang 2009 (also etwa acht Jahre nach Beginn des Einsatzes) wurden mehr als 26.500 Zivilisten in Afghanistan getötet und fast 49.000 weitere verletzt.

Eine Befriedung ist nicht in Sicht - im Gegenteil. Die Zahl ziviler Opfer hat im ersten Halbjahr 2017 einen neuen Höchststand erreicht. Zwischen Anfang Januar und Ende Juni wurden bei Gefechten und Anschlägen 1662 Zivilisten getötet und 3581 weitere verletzt. Etwa 40 Prozent der Opfer seien laut UNAMA bei Bombenanschlägen getötet worden, für die meisten Angriffe waren Extremistengruppen wie die Taliban oder die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) verantwortlich.



Einzig die Zahl der getöteten Soldatinnen und Soldaten der Koalitionsstreitkräfte hat abgenommen. Deutlich abgenommen. Das liegt an einer veränderten Strategie, der Reduzierung der Truppenkontingente und der Verantwortung der afghanischen Nationalarmee, die nun zur Hauptzielscheibe geworden ist:

Quelle: icasualties.org

Wie viele afghanische Sicherheitskräfte getötet wurden, lässt sich kaum sagen. Es dürften aber weit über 25.000 Menschen sein, die seit Beginn des Krieges 2001 "im Dienst" ihr Leben ließen. Pro Monat dürfte es eine hohe dreistellige Zahl sein, wie Berichte nahe legen. Ach ja, allein die USA haben insgesamt mehr als eine Billionen Euro für den Krieg ausgegeben (andere Berechnung der Kosten hier).

Die Dokumentation "9/11 - Die Welt danach" auf ARTE zeigt auf eindrückliche Art und Weise die erschreckende Naivität, fahrlässige Gedankenlosigkeit und ideologische Verblendung, die zum Engagement in Afghanistan führte. Unter anderem geben Michael Hayden, Richard Perle und - besonders aufschlussreich - zahlreiche ehemalige Mitarbeiter von US-amerikanischen, britischen, französischen und israelischen Geheimdiensten Auskunft:


Mittwoch, 31. Mai 2017

Irak: 7000 Gründe innezuhalten

Vermutlich mehr als 80 Tote UND in der Nähe der deutschen Botschaft - der Anschlag in Kabul heute morgen taugt zum Aufmacher. Andere ähnliche Vorfälle eher nicht. Bei zwei Anschlägen in der irakischen Hauptstadt Bagdad wurden am Dienstag mindestens 27 Menschen getötet. 

Ein Attentäter sprengte sich vor einer Eisdiele in die Luft (manche Medien griffen die Schlagzeile "Anschlag auf Eissalon" auf, da nach deren Wahrnehmung ein solcher Ort besonders perfide ist - im Gegensatz zum Marktplatz oder auf irgend einer beliebigen Straße), später explodierte eine Autobombe. Die Meldungen verschwanden trotz Eis recht schnell von den Startseiten.

Quelle: Iraq Body Count

Dabei sollte man eine Zahl jedoch nicht vergessen: 7.257. So viele Menschen wurden bereits in diesem Jahr Opfer der Gewalt im Irak. Zivilisten wohlgemerkt. Und zu den mindestens 7.257 Toten kommen noch abertausende Verwundete. 

Die Opfer in Kabul haben jede Aufmerksamkeit verdient. Sie stehen aber leider nur stellvertretetend für Tausende andere Menschen in Afghanistan, Irak, Syrien, Südsudan, usw. usw., die in Konflikten getötet werden. 

Man sollte das kurze Innehalten nutzen, um auch die nicht zu vergessen.

Mittwoch, 22. März 2017

Mehr als 400 Luftschläge in Syrien und Irak innerhalb einer Woche - Hunderte tote Zivilisten

"Krieg in Syrien" - diese Schlagzeile oder eher diese Begrifflichkeit ist nichts Neues, wir sind daran gewöhnt. Geht es um den Irak, sieht es schon wieder ein wenig anders aus. Der Kampf um Mossul wird aktuell stark beachtet, wobei sich sich viele Herausforderungen erst nach der "Schlacht" stellen. Umso wichtiger ist es nicht zu vergessen, was das Wort "Krieg" eigentlich tagtäglich bedeutet.

Die Initiative Airwars zum Beispiel versucht Luftschläge in Syrien, dem Irak und Libyen zu sammeln und aufzubereiten (und mit Quellen zu belegen). Schaut man sich diese Zahlen an zeigt sich, dass allein innerhalb der vergangenen Woche mehr als 440-mal Angriffe aus der Luft erfolgten. Offiziell auf militärische Ziele, inoffiziell zumeist mit zivilen Opfern. So könnten diese Woche mehr als 700 Zivilisten durch Luftangriffe getötet worden sein.   


Wer mag, kann sich hier einen genauen Überblick verschaffen. Geht man von Maximalzahlen aus bzw. wartet bis evtl. Untersuchungen (die selten vorkommen) abgeschlossen sind, könnten die Zahlen leicht vierstellig werden.  

Auch die Seite iraqbodycount.org versucht zivile Opfer (in diesem Fall von allen Seiten) aufzulisten. Hier zeigt sich ebenfalls, wie regelmäßig und verheerend Zivilisten von Kämpfen und Anschlägen betroffen sind.

Quelle: Datenbank iraqbodycount.org

Die Seite libyabodycount.org hat Ende 2016 ihre Arbeit eingestellt, sie listet zwischen 2014 und 2016 etwa 6.000 Opfer.

Dabei geht es nicht darum die unrealistische Forderung aufzustellen, dass jeder Vorfall Thema der Tagesschau sein müsste. Aber die Zahlen sind wichtig, um die Dimension der Konflikte und ihre Auswirkungen auf die Menschen in den betroffenen Ländern sich vergegenwärtigen und verstehen zu können.

Unter anderem auch, weil auch deutsche Soldaten Teil der regionalen Konflikte sind. Das wird aber zumeist nur thematisiert, wenn ihr Einsatz in einem größeren Kontext Verhandlungsgengenstand oder Politikum wird. Hier ein kleines Beispiel aus dem Alltag der Bundewehr:


Dienstag, 17. November 2015

Opferzahlen zu ISIS

Immer wieder wird die Frage nach der Zahl der Opfer durch den Islamischen Staat gestellt. Schon im vergangenen Herbst wurde davon ausgegangen, dass mehr als 5.000 Menschen einer längeren Offensive der militanten Gruppe zum Opfer fielen. Unterschiedliche Zählweisen und große Unsicherheiten bei den Quellen über Massaker oder Kampfhandlungen führen dabei jedoch zu nur teilweise belastbaren Zahlen. Aktuellere Berichte gehen davon aus, dass mehr als 10.000 Menschen seit Juni 2014 durch ISIS (bei Exekutionen) getötet wurden.

Insgesamt dürften es also weit mehr Tote sein. So hieß es zum Beispiel in einem UN-Bericht, der den Zeitraum von Januar bis August 2014 abdeckte, dass im Irak mindestens 9.347 Zivilisten getötet und  17.386 verwundet wurden. Die Toten konnten nicht alle ISIS zugeordnet werden, es hieß jedoch, dass "ISIS als der Hauptverantwortliche identifiziert  wurde". The Daily Beast titelte schon im vergangenen Jahr: "ISIS Fighters Are Killing Faster than Statisticians Can Count". Der Artikel verdeutlicht aber vor allem die grundlegenden Probleme bei der Zählung von Opfern in Kriegsgebieten. 

Auch ein Feature der New York Times zeigt, dass von mehr als 200.000 Toten in Syrien nur etwa knapp die Hälfte zugeordnet werden konnte.   

Die Bestimmung der Zahl getöteter ISIS-Kämpfer ist genauso schwierig. 10.000 sollen es zwischen Herbst 2014 und Sommer 2015 innerhalb von neun Monaten gewesen sein. Anfang Oktober wurde die Zahl dann nach oben angepasst. 20.000 ISIS-Kämpfer sollen innerhalb eines Jahres durch die Koalitionskräfte v.a. mit Luftschlägen getötet worden sein. Hier zeigt sich, dass die gute alte Strategie des body count als Indikator für militärischen Erfolg keineswegs ausgedient hat (obwohl den meisten Akteuren sicherlich bewusst ist, wie wenig die Statistiken aussagen). Entweder stimmen die Zahlen nicht, die Stärke des Islamischen Staats wurde massiv unterschätzt, oder die Gruppe hat beeindruckende Rekrutierungsfähigkeiten, um solche Verluste 1:1 kompensieren zu können.

Freitag, 2. Oktober 2015

Seit Jahresbeginn 3500 Tote durch Boko Haram

46 Menschen wurden bei einem Anschlag auf einen Markt in der Stadt Jos am 20. Mai 2014 getötet. Mehr als ein Jahr danach ist ein Ende der Gewalt nicht abzusehen. Photo Credits: Diariocritico de Venezuela, via flickr.com

Täglich angeblich neue Erfolge der Armee, dennoch steigen die Opferzahlen immer weiter. Weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit kämpft die nigerianische Armee gegen die Gruppe Boko Haram, die schon lange nicht mehr nur innerhalb der Grenzen des Landes operiert. 3.500 Menschen sind den Anschlägen und bewaffneten Überfällen in diesem Jahr bereits zum Opfer gefallen. Mitte Juli wurde der bisherige Befehlshaber der Armee entlassen. Dabei ging es auch um die regelmäßigen Übergriffe von Regierungssoldaten auf die Zivilbevölkerung. Die sehen sich schon lange von der wahllosen Gewalt der Extremisten und der Rücksichtslosigkeit der Regierungstruppen bedroht. Substantielle Veränderungen gab es bisher nicht und ein Ende des Konflikts schon lange in weite Ferne gerückt.

Dienstag, 21. April 2015

1300 tote Flüchtlinge allein im April

Nur im April sind bereits mindestens 1300 Menschen bei der Überfahrt nach Europa ertrunken. Dies sind die offiziellen Zahlen von EU und UN. Die Bekanntgabe liegt auch daran, dass sich bei solch großen Unglücken die Zahl der Todesopfer nicht ignorieren lässt. Dies zeigt sich auch in der Berichterstattung. Ansonsten werden kleinere Unglücke einfach ignoriert oder kommen in Medien und Statistiken nicht vor und die Größenordnung lässt sich nur durch Schätzungen erfassen.



Samstag, 18. April 2015

Mehr als 25.000 Kämpfer aus mehr als 100 Ländern schließen sich Dschihad an - Analyse der Ursachen kommt zu kurz

Nach neuesten Angaben haben sich seit Mitte 2014 mehr als 25.000 Männer und Frauen aus mehr als 100 Ländern zumeist militanten Gruppen im Irak, Syrien und Afghanistan angeschlossen. Dabei werden folgende (korrekte) Zahlen zitiert:

- Frankreich: 1.200 Personen
- Großbritannien: 500-600 Personen
- Deutschland: 500-600 Personen
- USA: ca. 100 Personen


Trotz dieser beunruhigenden Zahlen und individuell verstörenden Biographien macht diese Statistik auch klar, dass der Großteil der rekrutierten Kämpferinnen und Kämpfer aus der umkämpften Region stammt. Die meisten sog. "Dschihadisten" sind also aus dem Nahen und Mittleren Osten und Nordafrika. 

Es ist ähnlich wie bei der Migration. Grundsätzlich geben die gestiegenen Zahlen bei uns einen Hinweis auf eine äußerst problematische Entwicklung und komplexe Ursachen, die sich auch hier spürbar auswirkt. Doch sie müssen in dem Kontext interpretiert werden, dass in der MENA-Region mehr als sechs Millionen Menschen auf der Flucht sind, zählt man die fünf Millionen palästinensischen Flüchtlinge hinzu, sind es mehr als zehn Millionen Menschen. Trotz aller Probleme hier, wir werden nur am Rande mit dem wahren Ausmaß tangiert. 

So ist es auch bei den ausländischen Kämpfern. Die Zahlen sind bedenklich, aber 90 Prozent der Menschen, die sich dem bewaffneten Kampf anschließen stammen aus nicht-westlichen Ländern. Vor allem darf der Fokus auf das rein quantitative Ausmaß nicht den Blick auf die Ursachen verstellen. Dazu einige Aussagen des Kulturtheoretikers Klaus Theweleit in einem aktuellen Interview mit der Zeitschrift "Das Milieu". Sie mögen naiv wirken, aber vielleicht sind sie deswegen erfrischender als die ständige Analyse von Zahlen und Bedrohungslage:
DAS MILIEU: Welche Rolle spielt die Ideologie bei der Rechtfertigung ihrer Taten?
Theweleit: Die jeweils herbeizitierten Ideologien erfüllen vor allem den Zweck, dass der einzelne Täter oder der Täterverbund sich als »schuldlos« empfinden kann. Man handelt im Namen einer höheren Religion, einer höheren Rasse etc., die einen zum Töten beauftragen. Ob man das im Namen des Islam tut oder im Namen des Christentums, im Namen einer überlegenen Arierrasse, im Namen einer überlegenen politischen »Klasse« oder im Namen einer überlegenen Hautfarbe: das ist austauschbar. Die Tötungslust ist unabhängig davon da.
DAS MILIEU: Wie geht man nun mit dieser Herausforderung einer mordlüsternen Bande um? Wie könnte man Ihrer Meinung nach dem islamistischen Terror den Nährboden entziehen und ihre Strategien unschädlich machen?

Theweleit: In den im Nahem Osten entstandenen Machtvakuen, wo der IS herrscht, wird es nur militärisch gehen. Das müssen aber die dortigen Einwohner bewerkstelligen, nicht der »Westen«, dem es dort vorwiegend um Öl geht und nicht um die (angebliche) »Demokratisierung«, die man von außen nicht verordnen kann. Bei uns, in den westlichen Ländern, geht es darum, soziale Bedingungen zu schaffen, in denen sich die Fremden hier, insbesondere die hier geborenen Kinder aus kulturell/religiös gemischten Familien, nicht ausgegrenzt fühlen, sondern Lebensperspektiven bekommen, die »ihr Herz höher schlagen lassen«; die ihre Lust, hier zu leben, befördern. Pegida ist das reine Gift dagegen: erzeugt ganz direkt Terrorpotentiale.

Mittwoch, 4. März 2015

Bisher mehr als 6.000 Tote in der Ukraine

Der Konflikt um die Ostukraine hat nach Schätzungen der Vereinten Nationen bisher mehr als 6.000 Menschen das Leben gekostet. Über eine Million Personen wurden aus ihren Heimatorten vertrieben. Vor allem Frauen, Kinder und Alte seien unter den Opfern zu finden.



Dienstag, 3. März 2015

Ägyptische Armee tötet im Februar mehr als 170 Militante

Die ägyptische Armee hat allein im Februar mindestens 172 militante Kämpfer mit einem extremistischen Hintergrund getötet. Dies zeigt die Dimension der Auseinandersetzungen auf der Sinai-Halbinsel, wo es regelmäßig zu Zusammenstößen kommt.

Die militanten Kämpfer wurden bei gemeinsamen Operationen von Polizei und Armee getötet, die eine u.a. eine Reaktion auf einen Anschlag vom 29. Januar, bei dem 30 Menschen - hauptsächlich Soldaten - getötet wurden. Mehr als 220 Kämpfer wurden verhaftet und mehr als 80 Verstecke zerstört.

Montag, 9. Februar 2015

Neue Zahlen zu ISIS: Luftangriffe töten etwa 7.000 Kämpfer

Schon wieder neue Zahlen zum Thema ISIS. Diesmal verkündet durch Jordanien. Offizielle gaben an, dass seit Ende September die Luftschläge der Koalition u.a. bestehend aus Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA etwa 7.000 ISIS-Kämpfer getötet habe.
Nach der Verbrennung eines jordanischen Kampfpiloten kündigten die Verantwortlichen eine harte Reaktion an. Dabei gaben Sie sich mit der bisherigen Offensive zufrieden und machten deutlich, dass ein Ende der Angriffe nicht absehbar sei: “And this is not the end. This is the beginning.” Mit den aktuellen Anstrengungen soll etwa ein Fünftel der Waffen der Militanten vernichtet worden sein.

Eine Gesamtrechnung aus den unterschiedlichen Quellen bleibt schwierig. Das syrische Militär will mehr als 5.000 Kämpfer innerhalb von drei Monaten getötet haben. An anderer Stelle sollen mehr als 1.000 ISIS-Mitglieder bei der Schlacht um Kobane gefallen sein, zusätzlich etwa 450 kurdische Kämpfer und mehr als 30 Zivilisten.

Addiert man die Angaben der vergangenen Monate zusammen, so lautet die äußerst konservative Schätzung, dass mindestens 12.000 ISIS-Kämpfer und mindestens 10.000 Zivilisten getötet wurden. 

Donnerstag, 5. Februar 2015

Als würde sich die Welt auflösen

"Die Welt hat seit langer Zeit nicht mehr so viel Aufruhr erlebt. Der eingeläutete Arabische Frühling hat sich in den meisten Ländern in Konflikt und Repression verflüchtigt. Islamische Extremisten verüben Massenmorde und bedrohen Zivilisten im ganzen Nahen Osten und Teilen Asiens und Afrikas. Spannungen wie im Kalten Krieg entladen sich in der Ukraine, Höhepunkt war der Abschuss einer zivilen Maschine über dem Himmel des Landes. Manchmal scheint es, als würde sich die Welt auflösen. Viele Regierungen haben auf die Unruhen reagiert, indem sie sie kleinreden oder Menschenrechte verletzen."

...
 

So beginnt der World Report 2015 von Human Rights Watch. Eine eindrucksvolle Dokumentation aktueller Konflikte und ein wichtiges Dokument, um zu verstehen, dass eine sicherheitspolitische Strategie mehr sein muss als die Durchsetzung eigener Interessen.



Fotoessays und Video finden sich noch auf der Webseite zu den Themenkomplexen "Zwangsheirat von Minderjährigen", "Immigration" und "Kinderarbeit".

Freitag, 26. Dezember 2014

ISIS: Mehr als 6.000 Tote in drei Monaten

An dieser Stelle wurde schon mehrmals versucht, die Opferzahlen durch und auf Seiten von ISIS zu veröffentlichen. Die Zahlen legten nahe, dass von mehr als 10.000 Toten auf beiden Seiten, im Irak und in Syrien, von Kämpfern, Sicherheitskräften und Zivilisten, seit Beginn diesen Jahres ausgegangen werden muss. 

Explosionen sind nicht nur in der umkämpften Grenzstadt Kobane Alltag. Hier eine Aufnahme vom 8. Oktober 2014. Photo Credits: Karl-Ludwig Poggemann, via flickr.com

Nun gibt es neue Zahlen zu Syrien. Seit Beginn der Luftschläge der USA und von deren Partner, sollen mehr als 1.100 Kämpfer getötet worden sein. Hinzu kommen die Toten der Kämpfe am Boden. Eine Quelle der syrischen Armee gab an, dass die Streitkräfte des Regimes innerhalb von drei Monaten annähernd 5.000 ISIS-Kämpfer getötet hätten. Unter den Toten befinden sich naturgemäß zahlreiche Zivilisten. Die Vorwürfe zielen vor allem auf das syrische Regime, jedoch müssen auch die USA und ihre Verbündeten zivile Opfer in Kauf nehmen.

Allein am Donnerstag wurden mindestens 30 militante ISIS-Kämpfer getötet, drei kurdische Kämpfer verloren ebenfalls ihr Leben. Hinzu kamen 12 Tote durch Luftschläge. Die Zahlen geben eine kleine Ahnung der Dimension des täglichen Verlusts an Menschenleben in Syrien und im Irak - und über die Stärke von ISIS.

Mittwoch, 12. November 2014

"Sechs am Tag": Studie geht von mehr als 11.000 Toten durch brasilianische Polizei innerhalb von fünf Jahren aus

Eine Studie der Nichtregierungsorganisation Brazilian Forum on Public Safety geht davon aus, dass zwischen 2009 und 2013 mehr als 11.000 Menschen durch brasilianische Sicherheitskräfte getötet wurden. Das sind sechs Tote pro Tag. Zum Vergleich, die US-Polizei tötete innerhalb von 30 Jahren eine ähnliche Zahl an Menschen. 

Mitglieder der brasilianischen Spezialeinheit Comando de Operações Táticas (COT) bei einer Übung. Photo Credits: André Gustavo Stumpf, via flickr.com

Rio de Janeiro ist der Bundesstaat mit den meisten Opfern. Mehr als 400 Menschen wurden dort im Jahr 2013 durch die Polizei getötet. Trotz der Bemühungen der Politik, mit einem umfassenden Ansatz die Kriminalität und Gewalt zurückzudrängen und Gebiete dauerhaft zu befrieden, flammt immer wieder Gewalt auf. Diese wird dann zum Teil mit äußerst brutalen Mitteln beantwortet und hält so die Gewaltspirale in Gang. Immer wieder gibt es Berichte über außergerichtliche Tötungen, d.h. Racheakte von Sicherheitskräften oder die Ermordung von bereits verhafteten Verdächtigen.

Auch die Zahl der Morde bleibt in Brasilien extrem hoch. So wurden im vergangenen Jahr mehr als 50.000 Menschen Opfer eines Mordes, das entspricht einer Tötung alle zehn Minuten. Dabei zeigen sich auch deutliche  sozioökonomische und ethnische Muster. 70 Prozent der Mordopfer waren Schwarz, mehr als die Hälfte zwischen 15 und 29 Jahre alt.

Donnerstag, 23. Oktober 2014

ISIS-Opferzahlen: Mindestens 5.500 Tote allein im Irak

Es ist nicht einfach die Opferzahlen von ISIS/IS zu bestimmen. Fakt ist, allein im Juni wurden im Irak knapp 2.000 Menschen getötet, die höchste Zahl seit Mai 2007. Ein Großteil der Toten geht auf das Konto der selbsternannten Gotteskrieger. Mindestens 500 Angehörige der jesidischen Minderheit sollen bis Mitte August getötet worden sein. Insgesamt fielen der Offensive der sog. Dschihadisten mindestens 5.500 Menschen zum Opfer. Sie stellen mehr als die Hälfte aller zivilen Toten zwischen Januar und September 2014 dar. Andere Zahlen gehen von knapp 8.500 Toten aus. Bei den Angaben handelt es sich um Mindestzahlen. Insgesamt wurden dieses Jahr wohl mehr als 26.000 Menschen im Irak getötet. Betrachtet man die ISIS/IS-Verluste, so erhöht sich die Zahl der Toten weiter. Allein Anfang August sollen kurdische Kämpfer etwa 240 Menschen getötet haben. 

Diese Statistiken beziehen sich allein auf den Irak. Nimmt man Syrien hinzu, erhöhen sich die Zahlen drastisch. Ende Juli wurden bei Kämpfen zwischen syrischen Regierungstruppen und ISIS/IS-Kämpfern innerhalb von 48 Stunden mehr als 700 Menschen getötet. Ein weiteres Beispiel. So sollen allein mehr als 30 britische Staatsangehörige in Syrien getötet worden sein, obwohl "westliche" Kämpfer nur eine kleine Minderheit stellen. Beim Kampf um Kobane gab es seit Mitte September mindestens 400 Tote. Schon im März wurden mehr als 1.000 Menschen getötet.

Verlässliche Angaben für die Opfer durch und auf Seiten von ISIS/IS gibt es also kaum. Doch es ist davon auszugehen, dass die Zahl von 10.000 Toten auf beiden Seiten, im Irak und in Syrien, von Kämpfern, Sicherheitskräften und Zivilisten, seit Beginn diesen Jahres deutlich zu niedrig angesetzt ist.

Montag, 13. Oktober 2014

(Neben-) Kriegsschauplätze (1)

Gewohnheit oder Platzmangel - viele Krisengebiete sind nur Nebenschauplätze. Diesmal: Zentralafrikanische Republik, Pakistan und Libyen.

Mindestens elf UN-Soldaten wurden in den vergangenen vier Tagen in der Zentralafrikanischen Republik getötet, mehrere wurden verletzt. Auch Zivilisten fielen den anhaltenden Unruhen und Kämpfen zum Opfer. Präsidentin Catherine Samba-Panza war im Januar angetreten, um die Gewalt zu beenden, die UN übernahm erste Mitte September die Mission von der Afrikanischen Union. Von 700.000 Muslimen sollen nur noch 90.000 im Land sein.

Die laufenden Operationen der pakistanischen Armee rufen ebenfalls kaum noch irgendeine Resonanz hervor. Auch der politische Konflikt in Karatschi mit regelmäßigen Todesopfern wird nur am Rande wahrgenommen. Dabei befindet sich das Land in einem andauernden Kriegszustand. Im Rahmen der Operation Zarb-e-Azb sind mehr als 30.000 Soldaten und Paramilitärs im Einsatz. Allein in dieser Woche wurden in Mohmand, Kyber, Waziristan und anderen Teilen des Landes mehr als 45 Menschen getötet, darunter auch Impfhelfer bei Anschlägen. Die präsentierten Erfolge können nicht darüber hinwegtäuschen, dass ohne einen politischen Prozess die Operation zum Scheitern verurteilt ist. Auch regional ist die Lage nicht stabil. Bei Gefechten zwischen indischen und pakistanischen Kräften wurden an der Waffenstillstandslinie mindestens 20 Menschen getötet und 70 verwundet, mehr als 20.000 sollen geflohen sein. Indien und Pakistan beschuldigen sich gegenseitig der Verletzung des Waffenstillstands. Alleine in dieser Woche gab es zudem acht Drohnenschläge im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet bei denen zwischen 21 und 35 Menschen getötet wurden. 

Auch Libyen hat die Gewalt weiterhin fest im Griff. Übers Wochenende wurden nach unterschiedlichen Angaben mindestens 21 Menschen bei Gefechten rund um Tripolis und Benghazi getötet. Rivalisierende Milizen bekämpfen sich seit 2011, doch nur in den vergangenen drei Wochen sind zwischen 100.000 und 150.000 Menschen vor den Kämpfen geflohen.

Montag, 31. März 2014

Zahlen zu toten EU-Flüchtlingen werden belastbarer - und steigen

Bisher wurden bei der Zahl der Menschen, die bei dem Versuch nach Europa zu gelangen umgekommen sind, höchst unterschiedliche Schätzungen genannt. So ging man davon aus, dass zwischen 8.000 und 20.000 Menschen seit 1988 bis heute an europäischen Grenzen oder auf dem Weg dorthin gestorben sein sollen. Jedoch existierten Hinweise, dass es eine weitaus höhere Zahl sein könnte. So können beispielsweise Konflikte oder Ressourcenknappheit phasenweise die Mortalitätsrate unter den flüchtenden Menschen erheblich erhöhen.

Ein neues journalistisches Projekt hat nun erneut versucht alle Opfer der Migrationsbewegungen zu erfassen und damit die tatsächliche Dimension aufzuzeigen, die weit über Lampedusa hinaus geht:
Wie eine Gruppe europäischer Journalisten in dem mehrmonatigen Projekt "The Migrants Files" recherchiert hat, sind seit 2000 mehr als 23.000 Menschen gestorben oder gelten als vermisst. Gezählt wurden allerdings nicht nur Fälle, die unmittelbar mit der Flucht zu tun hatten, sondern alle Todesfälle von Flüchtlingen, die entweder auf dem Weg nach Europa waren oder sich bereits in einem der Länder aufgehalten haben.
Vergleicht man diese Zahl mit den oben Genannten wird deutlich, dass die bisherigen Schätzungen zu niedrig liegen. Die neuen Daten wurden auch visuell aufbereitet:



Die Macher der Studie schreiben hinsichtlich methodischer Fehler, dass möglicherweise einige Opfer doppelt gezählt wurden, weisen aber auch darauf hin, dass unter dem Strich eher das Gegenteil der Fall sein dürfte:
Beyond duplicates, some individuals had been registered as missing, say, identified by survivors of a shipwreck. If a body washes ashore in another location days or weeks later, it is virtually impossible to assign it to an earlier incident. And some fatal incidents have not been reported in any form. [...] The true numbers of dead are doubtless higher than recorded.
Neben den wenigen offiziellen Statistiken und wissenschaftlichen Studien ergaben sich Hinweise auf deutlich höhere Zahlen als die Schätzungen der EU und von Frontex aus einem Artikel der Frankfurter Rundschau aus dem Jahr 2009. Diese lägen noch weit höher als die neuen Zahlen:
Flüchtlinge, die mit dem Boot übers Mittelmeer nach Europa wollen, haben nur eine 75 %ige Überlebenschance. Im Schnitt ertrinkt jeder Vierte von ihnen. Das sei eine Schätzung der französischen Geheimdienste, berichtete die französische Zeitschrift L’Express.
Geht man von etwa 166.000 Flüchtlingen seit 2008 aus, welche die Route über das Mittelmeer wählten und legt oben genanntes Schema an, dann kommt man alleine seit 2008 auf eine ungefähre Zahl von 40.000 Toten. Dies mag zu hoch gegriffen sein. Doch auch die neue Studie dürfte kaum das tatsächliche Ausmaß dokumentieren, dazu sind die Vorfälle zu weitreichend und zahlreich und die Behörden der betroffenen Länder zu schwach oder mittelbar an den Todesfällen beteiligt.

Die neuen Zahlen legen also eine nahezu doppelte Anzahl an Opfern seit 1990 nahe als bisher offiziell verwendet. Die etwas grobe Herangehensweise des französischen Geheimdienstes was eine Schätzungen angeht, sollte die Ernsthaftigkeit derselben nur bedingt einschränken. Eine vollständige Erfassung aller Menschen, die bei dem Versuch das Mittelmeer zu überqueren ertrunken sind, ist jedenfalls nicht möglich.

Diese extreme Situation lässt sich nicht nur mit Mitteln der Entwicklungszusammenarbeit und mit nation building-Prozessen in den jeweiligen Emigrationsländern mildern, sondern bedarf einer EU-weiten Veränderung der Migrationspolitik. Ohne sie werden die Zahlen in Zukunft vermutlich weiter steigen.

Donnerstag, 20. März 2014

Seit Juli 2013 mehr als 1.300 Tote in Ägypten

Seit Mitte des vergangenen Jahres werden in Ägypten wöchentlich Anschläge, Armeeoperationen und Proteste registriert. Es ist davon auszugehen, dass seit der Absetzung von Mohammed Mursi im vergangenen Jahr durch das ägyptische Militär mehr als 1.300 Menschen bei Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Mitgliedern der Muslimbruderschaft, bei Anschlägen extremistischer Gruppen, bei Angriffen militanter Kämpfer und Operationen der ägyptischen Sicherheitskräfte getötet wurden. Andere Schätzungen gehen eher von einer Größenordnung von mehr als 2.000 Toten aus. Unter den Toten sind mehr als 200 Angehörige der Sicherheitskräfte.