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Donnerstag, 27. August 2015

Fußball‬ im Konfliktfeld von Krieg und Konfession

Der Film "We are Moluccans" porträtiert den Fußball‬ im Konfliktfeld von Krieg und Konfession in Indonesien‬:
 


Zenith schreibt in seiner Rezension

Kämpferische Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen führten mit Eintreffen von islamistischen Kämpfern aus Java zu Vertreibungen, Pogromen und Massakern auf fast allen Inseln des Archipels. Schätzungen zufolge starben über 10.000 Menschen, überwiegend Christen. 2002 wurde ein Waffenstillstand unterzeichnet, dennoch blieben Ausschreitungen auch in den folgenden Jahren nicht aus. Laut des 2004 ermordeten indonesischen Menschenrechtlers Munir war der Konflikt nur oberflächlich religiös motiviert, besonders militärische Interessen hätten eine große Rolle gespielt. 
[...]
Nicht nur auf die Molukken wirft der Film ein anderes, helleres Licht. Auch auf den indonesischen Fußball, der oft wegen Spielmanipulation, Korruption und besonders fanatischen und gewaltfreudigen Fans Schlagzeilen macht. Im Film tritt er als Medium für Frieden auf und, vor dem Hintergrund der konfessionellen Konflikte, als bindendes Glied, das eine neue gemeinsame Identität schafft. 

Montag, 18. Februar 2013

The Act of Killing: Die Mauer des Schweigens von Indonesiens verdrängtem Massenmord bröckelt langsam

Vor einigen Wochen erschien an dieser Stelle ein Bericht über einen hunderttausendfachen Mord in Indonesien. Dieser wurde international und im Land selbst verschwiegen und verdrängt

Mehr noch, die Angehörigen der Opfer und Überlebende mussten fast 50 Jahre lang mit weiteren Anfeindungen leben. Denn die damaligen Drahtzieher sind heute Teil der Elite Indonesiens. Ein eindrucksvoller Dokumentarfilm des Regisseurs Joshua Oppenheimer könnte dies teilweise ändern. 

Sein Film The Act of Killing zeigt die Protagonisten des staatlich orchestrierten Massenmordes, ihre Motive und und ihren heutigen Umgang mit den Tötungen. In Indonesien selbst wird die Dokumentation bereits von einigen als historische Zäsur betrachtet, andere sehen die Aufarbeitung kritischer:



Eine Doku von Al Jazeera beschäftigte sich Anfang des Jahres ebenfalls zum ersten Mal mit den Säuberungen in Indonesien, denen mindestens eine halbe Millionen Menschen (andere Schätzungen gehen von bis zu drei Millionen Toten aus) zum Opfer fielen:

Sonntag, 30. Dezember 2012

Vergessener Massenmord: In Indonesien wurden 1965/1966 mindestens eine halbe Millionen Menschen Opfer antikommunistischer Massaker

Die Zeit der Feiertage bringt ja angeblich auch eine Phase der Besinnlichkeit und der Besinnung mit sich. Stimmt dies, so wäre hier der richtige Platz, um an vergangene Ereignisse zu erinnern, von denen selbst interessiere Beobachter vermutlich noch nie etwas gehört und gelesen haben:

Vor knapp 50 Jahren wurde in Indonesien einer der verheerendsten Massenmorde des 20. Jahrhunderts verübt. Zwischen 500.000 und drei Millionen Menschen wurden zwischen 1965 und 1966 als angebliche Kommunisten verfolgt und getötet. Tausende wurden ohne Gerichtsverfahren gefoltert oder verschwanden einfach. Im Land selbst wurde dieses dunkle Kapitel kaum aufgearbeitet, in Schulbüchern beispielsweise sucht man die Morde vergebens.

Die Bewegung 30. September (indonesisch Gerakan September Tiga Puluh) wurde nach dem verhängnisvollen Datum eines Putschversuchs benannt, bei dem sechs führende Generäle der Armee ermordet wurden. Die Hintergründe des Vorfalls wurden dabei nie offiziell untersucht. Letztendlich wurde aber die Gestapu-Gruppe, bestehend aus Kommunisten, für den Vorfall verantwortlich gemacht.  

Nach und nach zum Vorschein gekommene Quellen verweisen auf eine direkte oder mittelbare Urheberschaft des amerikanischen Geheimdienstes CIA für den versuchten Putsch. Dabei musste diese Unterstützung gar nicht im Verborgenen geschehen, entsprachen die Säuberungen offenbar dem damaligen Zeitgeist, wie ein Artikel des schwedischen Aftonbladet aus dem Jahr 2005 meint:
Amerikanische Elitemedien begrüßten den Völkermord. Nach Time Magazin war das die „Beste Nachricht seit Jahren in Asien“ und schrieb glücklich über „das heiße Blutbad, das 400 000 Leben kostete, und kaum jemand bemerkte es“. Selbst die New York Times war ganz außer sich, hat ihn aber mehrere Jahre später als „eine der barbarischten Massenabschlachtungen der Welt in der modernen politischen Geschichte“ bezeichnet. Eine Ursache für die ausländische Einmischung war, außer der Domino-Theorie, der Reichtum Indonesiens an Öl und Mineralien. 1967 war Genf Gastgeber einer Konferenz, auf der die Großunternehmen die Naturreichtümer des Landes unter sich aufteilen durften – ein bisschen so wie in unseren Tagen der Wettlauf der Unternehmen im Irak.
Monatelang wüteten orchestrierte Mobs, Menschen töteten ihre eigenen Nachbarn. Schon direkt nach dem missglückten Putsch wurde der Massenmord eingeleitet:
Am Anfang der Massaker stand eine gigantische Lüge. Die vom Suharto-Militär gelenkte Presse zeichnete ein grausiges Bild von der Ermordung der sechs gefangenen Generäle durch Untung- Leute: »Kommunistische Weiber mit Messern« hätten die Offiziere gefoltert und zerstückelt. Unter dem Eindruck dieser Propaganda folgten in Jakarta eine Million Menschen der Prozession zur Beisetzung der getöteten Generäle.
Angehörige und Nachkommen von kommunistischen Politikern wurden auch danach noch gesellschaftlich geächtet. Eine aktuelle Al-Jazeera-Reportage beschäftigt sich mit den Hintergründen und lässt damalige Täter zu Wort kommen:



Der Produzent des Films beschreibt eine Begegnung folgendermaßen:
Ndoren is an old man who does not know his real age. He has only two teeth left, but smiles a lot. He told us he was an executioner. We went with him to Luweng Tikus, or the Rat hole as local people call it - the location where soldiers forced him to kill more than 40 people, some of whom he knew personally.

In front of the 42 metre deep hole he told us his story, continuously warning us not to go any closer. The alleged communists were brought in by the military after walking in the dark for hours, with their hands tied. They were lined up in front of the hole. Then, one by one, Ndoren hit each of them on the back of the head with a crowbar and threw them into the hole. He said they hardly struggled, as if they had already accepted that they were going to die.

Freitag, 5. März 2010

Indonesische Sicherheitskräfte gehen verstärkt gegen Extremisten vor - mehrere Menschen sterben


In Indonesien wurden am Donnerstag bei Schusswechseln zwischen der Polizei und militanten Kämpfern mehrere Personen getötet. In den vergangenen Tagen gab es zahlreiche Zwischenfälle, darunter viele Festnahmen von extremistischen Kämpfern, denen die Planung von Terroranschlägen vorgeworfen wird. U.a. gab es Warnungen vor Attacken auf Schiffe. 

(Heri Juanda/AP)

Ein Offizier der Polizei und mehrere Verdächtige wurden erschossen, mehr als zehn Sicherheitskräfte wurden bei dem Vorfall in der Provinz Banda Aceh verletzt. In den vergangenen Tagen hatten Soldaten mehrere Trainingslager der islamischen Extremisten ausgehoben und viele von ihnen verhaftet.

Indonesien kämpft seit Jahren mit Extremisten und Terroristen. In dem Land zeigen sich teilweise die gleichen Probleme, wie im Kaukasus, wo Russland versucht seine staatliche Souveränität durchzusetzen. Die Sicherheitskräfte gehen dabei äußerst brutal vor und befeuern so den Konflikt, der zum großen Teil auch aus Armut und Perspektivlosigkeit gespeist wird.

Zu den Hintergründen, ein CNN-Bericht vom 4. März, der sich mit dem Drahtzieher zahlreicher Anschläge in Indonesien beschäftigt:


Donnerstag, 28. Januar 2010

Indonesiens Kampf gegen den Terror zeigt Bedeutung von Freiheit und Rechtsstaatlichkeit



Er brachte Tod und Zerstörung für Zehntausende und doch wuchsen durch ihn die Hoffnungen auf einen dauerhaften Frieden für Millionen: der Tsunami, der 2004 allein in der indonesischen Provinz Aceh 170.000 Menschen das Leben kostete brachte einen Friedensprozess in Gang, der half den Konflikt um die Autonomie der Region zu beenden. Seit 1976 wurde dieser mit Waffengewalt geführt. In verschiedenen Regionen kämpft die Zentralregierung des 240 Millionen-Einwohner-Landes mit Abspaltungs-bewegungen und terroristischen Aktivitäten. Doch wird zumindest versucht nach der jahrzehntelangen Gewaltherrschaft des Diktators Suharto mit angemessenen Mitteln darauf zu reagieren. Teilweise gelingt dies auch ganz gut, wie folgender Bericht von "Voice of America" zeigt:






Doch gleichzeitig wird auch klar, dass der Inselstaat noch weit davon entfernt ist auf allen Ebenen und in allen Regionen rechtsstaatliche Strukturen zu schaffen. So heißt es in einem ND-Bericht vom Mai 2008:
Seit dem Rücktritt des im Januar verstorbenen Suharto hat sich Indonesien formal gesehen zwar in eine Demokratie verwandelt. Dennoch geht es in der täglichen Praxis oft nicht sehr demokratisch zu. Fast die Hälfte der Bevölkerung muss von höchstens zwei Dollar am Tag leben und hat nur sehr eingeschränkten Zugang zu den ohnehin maroden Gesundheits- und Bildungssystemen. Vor allem die allgegenwärtige Korruption verhindert einen Rechtsstaat. 
Viele sind enttäuscht von der schleichenden Entwicklung. Und auch in West-Papua  kommt es wieder zu gewaltsamen Übergriffen durch Sicherheitskräfte. Willkürliche Verhaftungen, Schläge und Schiessereien sind Überbleibsel der langen Gewaltherrschaft. Die Bevormundung durch die Zentralregierung  hält einen ethnisch-kulturellen Konflikt am Kochen, der immer wieder Forderungen nach mehr Unabhängigkeit und folgende Ablehnung und Repressionen nach sich zieht.

Hinzu kommt, dass mindestens 20 Prozent der Bevölkerung in Armut leben und die Kluft zwischen Arm und Reich stetig wächst. Die Plünderung natürlicher Ressourcen auf Kosten des Wachstums treffen zumeist ganze Volksgruppen, die von der Vernichtung ihres Lebensraums nicht einmal profitieren.

Doch gleichzeitig wird deutlich, dass in dem Staat fünf verschiedene Religionen koexistieren können. Dass eine Ansammlung von 190 Muslimen keinen Kampf der Kulturen auslöst und keine Quelle von Terror und Fundamentalismus ist. Zwar wurden bei Anschlägen von der islamistischen Gruppe "Jema'ah Islamiyah" seit 2002 etwa 250 Menschen getötet, doch hat es in den vergangenen Jahren einen spürbaren Rückgang der Gewalt gegeben. Wie das Video zeigt, liegt dies vielleicht durchaus auch an der effektiveren Terrorismusbekämpfung, aber sicherlich auch- trotz der schwierigen Verhältnisse in Sachen Rechtsstaat und wirtschaftlichem Status  des Einzelnen - an der Modernisierung, Demokratisierung und Liberalisierung des Landes.