Donnerstag, 7. Januar 2010

Rückschlag im Sudan: Hunger, Armut und politischer Stillstand bedrohen den Frieden im Süden des Landes - mehr als 140 Tote bei Verteilungskonflikten


Anfang Dezember schien der Südsudan in eine neue Spirale der Gewalt abzurutschen. Politische Repressionen und Verhaftungen von Oppositionellen  der größten südsudanesischen Partei SPLM hatten die Stimmung angeheizt und bei Demonstrationen kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Bewaffneten und Polizei.

Dann allerdings einigten sich die Regierungspartei NCP und die SPLM auf die Rahmenbedingungen für die nationalen Wahlen im kommenden April und auf die Details eines Referendums, bei dem der ölreiche, aber extrem arme südliche Teil über eine Abspaltung, bzw. eine größere Autonomie abstimmen soll. Doch schon damals wiesen Beobachter darauf hin, dass eine Unterschrift das Eine, die Umsetzung jedoch etwas völlig anderes sei.


BBC

Ein Zusammenschluss von 10 Hilfsorganisationen warnte nun heute vor einer Rückkehr zum Bürgerkrieg. Die gegenseitigen Beschuldigungen den politischen Prozess zu sabotieren, könnten schnell in Gewalt umschlagen. Während des 22-jährigen Krieges wurden etwa 1,5 Millionen Menschen getötet. Die SPLM beschuldigte die Regierung Stammeskonflikte zu schüren und Misstrauen zu säen.



Wie zum Beweis, meldeten heute Agenturen auf Berufung auf die UN, dass in der vergangenen Woche in der Region Wunchuei mehr als 140 Menschen bei Verteilungskämpfen um Viehbestände getötet worden seien. Damit fielen mehr als 2.000 Menschen in den vergangenen 12 Monaten Konflikten im Süden zum Opfer. Zwischen 5.000 und 30.000 Tiere wurden unterschiedlichen Angaben zufolge gestohlen und verschärfen so den Hunger der eigentlichen Besitzer. Armut und Hunger sind die wesentlichen Konfliktherde. Mehr als 90 Menschen wurden bei den Kämpfen verwundet.



Hier eine Chronik der Gewalt der vergangenen Monate von Reuters:

MARCH 5-13, 2009 - At least 453 people, mainly women and children, are killed in attacks by the Lou Nuer tribe on at least 17 villages of the rival Murle ethnic group in Jonglei. The Lou Nuer say the incidents were retaliation for large-scale cattle raiding and attacks on Lou Nuer villages in January.

APRIL 18-19 - At least 177 people are killed in attacks on 16 villages of the Lou Nuer tribe by Murle fighters. Women and children are targeted in what are widely seen as revenge attacks for the March violence.

JUNE 12 - Jikany Nuer, like the Lou a sub-group of the large Nuer tribe, attack barges carrying U.N. food aid on the Sobat River to Lou Nuer areas in Jonglei. At least 40 southern soldiers and boat crew are killed.

AUG. 2 - Murle attack a Lou Nuer fishing settlement near Akobo town in Jonglei State, killing 185 people. Southern soldiers guarding the camp are also killed.

AUG. 28 - Around 800 Lou Nuer attack Wernyol, a Dinka Bor village in Jonglei State, killing 38 and wounding 76. The south's army said this was the work of a Lou Nuer militia, adding that a Murle militia also exists.

SEPT. 20 - A large group of fighters from the Lou Nuer ethnic group attack Duk Padiet village, inhabited by the Dinka Hol tribe, in Jonglei. More than 100 people are killed.

OCT. 3-5 - At least 23 people are killed and 21 injured in tit-for-tat cattle raids between the Mundari and Dinka Bor tribes, the deputy governor of Jonglei state says.

NOV. 15-16 - A vehicle carrying South Sudan's Agriculture Minister Samson Kwaje is ambushed killing five and injuring the minister, the south's Internal Affairs Minister said. -- At least seven people are killed during an attack by fighters from the Mundari tribe on the rival Dinka Aliap group in Awerial county in Lakes state.

DEC. 31 - Seventeen people are killed when armed civilians ambushed south Sudanese soldiers trying to disarm tribes following heavy fighting.

JAN. 2, 2010 - Nuer tribesmen attack Dinka cattle herders in Tonj East, a remote part of oil-producing south Sudan, and seize about 5,000 animals. At least 139 people are killed 54 wounded, a local official says.

Etwa 350.000 Menschen sind vor den Kämpfen der vergangenen Monate geflüchtet und gelten als IDPs/Binnenvertriebene. Nicht nur um Vieh wird bis zum Tod gekämpft. Vor allem um Wasser entbrennen immer wieder Könflikte wie ein aktuelles Feature zeigt:
Martin Ater was waiting to collect water from the only hand-pump in his village near Rualbet in Warrap, when a fight broke out between two different tribes. Both were trying to get to get water for their families and their cattle. "I was caught in between as the two groups shot at each other. I'm not sure who shot me but six other people were also injured. In this area I think about 40 people have died in this way, fighting over water," said Martin.
Noch ist es nicht zu spät, um einen neuen Krieg zu vermeiden. Die Menschen setzen große Hoffnung in das Friedensabkommen von 2005, auch wenn bisher eine Vielzahl von Forderungen nicht umgesetzt wurden. Es fehlt an Geld, dem politischen Willen und der Stabilität in der Region, die für einen dauerhaften Frieden unerlässlich ist. Die Anstrengungen der USA das Abkommen von 2005 durchzusetzen sind dabei verpufft, da nach anfänglicher Fokussierung auf den Konflikt schon wieder andere Themen auf der Tagesordnung stehen.

Einen ausführlicheren Eindruck liefert folgender Dokumentarfilm:



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