Mittwoch, 11. Juni 2014

Ideologische Sperranlagen

Nein, eigentlich gäbe es nichts zu klagen. Gerade die Beschäftigung mit Kriegen und Konflikten macht demütig. Zeigt, wie gut es einem geht im Gegensatz zum überwiegenden Teil der Welt. Doch dieser Blog bringt auch manche Frustration mit sich, die über die Beschäftigung mit dem alltäglichen Leid hinausgeht. 

Denn es erscheint so, als würden vor allem Menschen, die eine sehr feste (zementierte?) Meinung haben diesen Blog und den dazugehörigen Facebook-Auftritt besuchen. In Zeiten mangelndem politischem Engagements ist dies eigentlich zu begrüßen, gerade wenn sich daraus dennoch ein heterogenes Meinungsbild ergibt. Doch manchmal frustriert es auch, wenn Kommentare offenbar reine Reflexhandlungen darstellen, die dem jeweiligen ideologischen Hintergrund entspringen. 

Ein Beispiel. Diesen Status der Israel Defense Forces (IDF) teilte ich am 11.06.14 auf Facebook:


Posts der IDF teile ich eher selten, da ich die hochprofessionelle und teils propagandistische Aufbereitung (die sich nicht von den Meldungen der US-Armee, der NATO oder der Bundeswehr unterscheidet, es handelt sich ganz einfach um effektive und zielorientierte PR) im Kontext eines andauernden Konflikts als äußerst schwierig empfinde (hier wurde das bereits thematisiert). Auch palästinensische Gruppen versuchen soziale Medien zur Verbreitung ihrer Inhalte zu nutzen, allerdings mit deutlich geringerer Reichweite.


Dieser Post spielt natürlich mit dem Bild der friedlichen Schulkinder, die einfach nur in die Schule gehen wollen, die völlig unwissend und unschuldig sind. Ein Artikel einer seriösen Nachrichtenagentur oder Zeitung würde diese Tendenz vermeiden. Doch der Inhalt bleibt natürlich wahr, der Süden Israels wurde am Morgen des 11.06. mit Raketen aus dem Gaza-Streifen beschossen. Opfer gab es keine. 

Unabhängig von jeder Asymmetrie und verursachten Opferzahlen bleibt es eine Tatsache. Darum postete ich das Status-Update, vor allem weil die Sichtweise oder Anliegen der palästinensischen Seite auch ihren regelmäßigen Platz im Blog und auf Facebook bzw. Twitter haben. Frustrierend ist dann, wenn die Reaktion auf solch einen Post so vorhersehbar ist:



Natürlich wird Israel auch Kriegsverbrechen beschuldigt und natürlich gibt es zahlreiche Hinweise auf den Gebrauch verbotener Munition, oder der gezielten Eskalation. Dies jedoch reflexartig in diesen Zusammenhang zu stellen verfestigt Konflikt nur und lässt keinen Platz für Verständigung. Wer die Sichtweise des anderen nicht einmal zur Kenntnis nimmt (es geht noch nicht einmal um Anerkennung), der verschließt sich jeder Konfliktlösung.

Natürlich produziert gerade der Nahostkonflikt ideologisch aufgeladene Debatten. Natürlich kenne ich auch keine Lösung. Trotzdem wäre es aus konflikttheoretischer und sicherheitspolitischer Perspektive an dieser Stelle viel interessanter und relevanter sich zu fragen, was dieser andauernde Beschuss für den palästinensischen Einigungsprozess bedeutet, welche Kräfte welchen Einfluss bewahren oder ausbauen können. 

Dies ist keine grundsätzliche "Kritik an der Kritik" (und Kommentare sind - soweit sie sich an eine gewisse Netiquette halten - immer erwünscht). Aber es ist doch manchmal sehr schade zu sehen, dass Information so sang- und klanglos an der Ideologie zerschellt und Dialog unmöglich bleibt.  

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